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Schlechte Stimmung, auch auf der Bank. Foto: dpa
Schlechte Stimmung, auch auf der Bank. Foto: dpa
01.05.2017

Der leise Abstieg des Karlsruher SC

Karlsruhe. Der Karlsruher SC steht nach dem Absturz in die 3. Liga vor einem Scherbenhaufen. Schuldzuweisungen, eisern schweigende Fans, ein noch siegloser Trainer, ein umstrittener Präsident, keine Philosophie und dazu die fragwürdige Finanzierung des neuen Stadions. Das Bundesliga-Gründungsmitglied muss nicht nur auf dem Platz extrem viel Aufräumarbeit leisten, um schnell wieder in die 2. Fußball-Bundesliga zurückzukehren – sondern auch daneben.

Clubchef Ingo Wellenreuther hatte sich nach dem 1:3 gegen den 1. FC Kaiserslautern am Samstag erstmal in den VIP-Raum verzogen. „Das ganz klare Ziel heißt Wiederaufstieg. Wir werden mit einem Budget von fünf bis sechs Millionen planen, um vorne anzugreifen“, kündigte er an. Sportdirektor Oliver Kreuzer trat erst auf sanften Druck der Journalisten vor die Mikrofone. Just in diesem Moment gingen in den Katakomben des Wildparkstadions auch noch die Lichter aus. Symbolträchtiger hätte dieser triste Nachmittag nicht enden können.

Dritter Abstieg in die 3. Liga

So leise ist wohl noch keine Mannschaft im deutschen Profifußball abgestiegen. Vom schweigenden Protest seiner Fans begleitet, die mit Plakaten wie „Der größte Imageschaden für den Verein steht auf dem Rasen“ oder „Für uns war Aufgeben nie eine Option, für euch scheinbar schon“ protestierten, trat der KSC zum dritten Mal nach 2000 und 2012 den Gang in Richtung 3. Liga an.

„Es liegt jetzt an uns, die Fans wieder mit ins Boot zu holen und dann alles in positive Energie umzuwandeln“, sagte Kreuzer. Der Club hat es jedoch über viele Jahre hinweg versäumt, seine Struktur auf bessere Beine zu stellen und eine Philosophie zu prägen. Wellenreuther will nun seinen Sportdirektor „stärken“. Kreuzer gelang zwar beim letzten Abstieg des KSC die Rückkehr, hat aber in dieser Spielzeit den Fehlschlag mit Trainer Mirko Slomka zu verantworten.

„Jetzt macht’s überhaupt keinen Sinn, Schuldige zu suchen“, sagte Wellenreuther. Dabei hat der CDU-Bundestagsabgeordnete den Schwarzen Peter längst dem zum Hamburger SV abgewanderten Ex-Manager Jens Todt zugeschoben: „In der Kaderzusammenstellung ist der größte Fehler passiert.“