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Legt beim VfB eine steile Karriere hin: der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger.  Foto: Gollnow 

Der starke Mann beim VfB Stuttgart: Thomas Hitzlsperger wird Vorstandschef

Stuttgart. Auf dem Papier ist Thomas Hitzlsperger als Vorstandsvorsitzender der VfB Stuttgart 1893 AG überhaupt nicht qualifiziert. Aber das sieht man ihm nicht an. Selbstbewusst, mit blauem Sakko über dem weißen Hemd und seinem freundlichen Lächeln sitzt er am Dienstag erst da und hört Aufsichtsratschef Bernd Gaiser dabei zu, wie der die Entscheidung für den bisherigen Sportvorstand des Fußball-Zweitligisten begründet – dann spricht der 37-Jährige selbst darüber, warum er auch ohne Finanz-Studium oder Erfahrungen in der Wirtschaft der geeignete Mann und der Aufgabe mit der Verantwortung für Sport, Strategie und Kommunikation gewachsen ist.

„Ich möchte Vorbild sein“

„Ich bringe Vieles mit, was man dafür braucht. Was das Wichtigste ist: Was ich noch nicht weiß, möchte ich erlernen. Ich möchte damit Vorbild sein für andere. Nur weil ich etwas jetzt nicht kann, heißt das nicht, dass es für immer ausgeschlossen ist“, sagte Hitlzsperger und betonte: „Ich bin sehr, sehr glücklich.“

Anfang Juni 2016 kehrte der ehemalige Kapitän mit einer Jobbeschreibung zu seinem Ex-Club zurück, die zu lang war für Visitenkarten. Vom „Beauftragten des Vorstandes in der Schnittstelle zwischen der Vereinsführung und dem Lizenzspielerbereich“ zum Vorstandsboss in etwas mehr als drei Jahren: eine steile Karriere. „Ich habe mich dahingearbeitet. Ich möchte nicht immer sagen, dass ich natürlich auch viel Unterstützung erhalten habe. Sondern ich habe mir Mühe gegeben“, betonte er. „Ich habe mich echt angestrengt, um weit zu kommen, überhaupt in meinem Leben. Das war immer mein Anspruch.“

Am 15. Oktober übernimmt er offiziell das neue Amt, sein Vertrag läuft wie bisher bis Juni 2022. Für VfB-Ehrenpräsident Erwin Staudt ist die Beförderung „eine völlig richtige Entscheidung“.

Denn Staudt hatte sich in den vergangenen Wochen stets öffentlich dagegen ausgesprochen, einen externen Mann an die Spitze des Gremiums zu setzen. Der Aufsichtsrat teilte diese Einschätzung. Hitzlsperger habe sich von den am Anfang neun Kandidaten als „die eindeutig beste Wahl für den Vorstandsvorsitz herauskristallisiert“, sagte Gaiser.

Auch Hitzlsperger scheint froh darüber, dass der Vorstand aus ihm, Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Marketing) nicht um eine zusätzliche Person erweitert wird, und er seine Vorstellungen umsetzen kann. „Der VfB braucht keinen Neustart auf allen Ebenen, sondern muss sich noch mehr auf seine Stärken besinnen und an manchen Stellen mehr Schwung aufnehmen“, sagte der ehemalige Nationalspieler, der mit den Schwaben 2007 deutscher Meister geworden war.

„Er hat die Qualifikation, ein guter Sportvorstand zu sein. Da sich in einer Sport-AG Öffentlichkeitsarbeit ohnehin nur um den Fußball dreht, ist er auch der richtige Sprecher“, sagte Staudt der Deutschen Presse-Agentur. Einzig der Zeitpunkt störe ihn. Der künftige Präsident, der erst am Sonntag, 15. Dezember, auf der Mitgliederversammlung gewählt wird, steht jetzt vor vollendeten Tatsachen. „Das finde ich unglücklich. Denn es ist davon auszugehen, dass der neue Präsident auch Aufsichtsratsvorsitzender wird. Ich hätte das in einer anderen Reihenfolge gemacht. Aber das ist nicht so dramatisch“, sagte Staudt.

Der beim VfB-Anhang sehr beliebte Hitzlsperger, der in Stuttgart eine breite Basis bei Mitgliedern, Fans und auf den Fluren der Geschäftsstelle hinter sich weiß, bekommt also die nächste Beförderung. Seit seiner Rückkehr zum VfB war er schon Mitglied des Präsidiums und Leiter der Nachwuchsabteilung, seit Februar ist er Sportvorstand des Bundesliga-Absteigers. Nun ist er der starke Mann im Club – auch wenn er das selbst so nie sagen würde.