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Fassungslosigkeit, Trauer und Wut herrschte bei den Nöttingern nach der bitteren 1:4-Niederlage in Balingen.  Fotos: Eibner
Fassungslosigkeit, Trauer und Wut herrschte bei den Nöttingern nach der bitteren 1:4-Niederlage in Balingen. Fotos: Eibner
05.06.2011

Desolat: FC Nöttingen verspielt wohl den Titel

Am Ende stahl sich doch noch ein Lächeln auf Michael Wittwers Gesicht. Doch dieses Lächeln war nicht fröhlich. Es war eher sarkastisch. Eine Art von Galgenhumor. Für den Trainer des FC Nöttingen war es wohl die einzige Art, mit der bittersten Niederlage in seiner jungen Trainerkarriere umzugehen.

1:4 hatte sein FC Nöttingen gerade bei der TSG Balingen verloren und damit wahrscheinlich die Meisterschaft in der Fußball-Oberliga am vorletzten Spieltag verspielt, weil Konkurrent Waldhof Mannheim zeitgleich 1:0 in Reutlingen gewann und die Tabellenführung übernahm.

Gelächelt hat Wittwer, weil er auf die Chance angesprochen worden war, die sein Team im Titelrennen immer noch hat. Denn diese Chance ist eher theoretischer Natur. Zwei Punkte hat der SV Waldhof Mannheim jetzt Vorsprung und zum Saisonausklang am Pfingstsamstag ein Heimspiel gegen Illertissen. „Dass Illertissen sich in Mannheim so wehrt, wie die Mannschaften, die zuletzt gegen uns gespielt haben, davon ist nicht auszugehen“, sagte der Nöttinger Trainer. Dann setzte er wieder die versteinerte Miene auf, mit der er nach dem Schlusspfiff in die Kabine marschiert war. Da saßen seine Spieler noch völlig entsetzt und frustriert auf dem Rasen oder schlichen mit hängenden Köpfen vom Platz.

Tatsächlich waren die Balinger, für die es um nichts mehr ging, nach der Pause gerannt, als ob es für sie und nicht für Nöttingen um die Meisterschaft ginge. Der Tabellenführer aus Remchingen hingegen war völlig von der Rolle. Die erste Halbzeit hatten die Nöttinger noch klar dominiert, der 1:1-Pausenstand nach Toren von Manuel Pflumm (5./Foulelfmeter) und Dubravko Kolinger (37.) war mehr als glücklich für die Gastgeber. Doch genauso verdient war der 4:1-Endstand nach den Toren von Kevin Keller (63., 85.) und Tonny Madegwa (76.), weil Balingen plötzlich wie entfesselt spielte, während bei Nöttingen nichts mehr ging. Wittwer fasste die Leistung seiner Elf in einem Wort zusammen: „Desolat.“

Zu viele Gegentore kassiert

Bei der Ursachenforschung waren sich alle einig: Nöttingen hat in den vergangenen Wochen einfach zu viele Gegentore kassiert. „Der SV Waldhof hat es immer wieder geschafft, zu Null zu spielen. So wie heute in Reutlingen“, analysierte Nöttingens Vorsitzender Dirk Steidl.

Das frühe 0:1 hatte letztlich verhindert, dass die Nöttinger nicht mit einer Führung in die Pause gehen konnten. Nach einem langen Ball war Nöttingens Torhüter Daniel Jilg zu spät und unentschlossen aus seinem Tor gekommen und hatte Balingens Angreifer Tonny Madegwa umgerissen. TSG-Kapitän Manuel Pflumm verwandelte den Elfmeter eiskalt (5.). In der Folge spielte nur noch Nöttingen, doch trotz bester Chancen sprang nicht mehr als der Ausgleich heraus, den Abwehrchef Dubravko Kolinger per Kopf nach einer Ecke erzielte (37.). „Das 1:1 war schmeichelhaft, es hätte auch 1:3 stehen können“, kommentierte Balingens Trainer Karsten Maier den Pausenstand. Nicht zu erklären ist hingegen, warum die Partie in der zweiten Halbzeit so kippte. „Ein Kopfproblem“, vermutet Wittwer. Seine Mannschaft hatte keine einzige zwingende Torchance mehr, während die Gastgeber sogar deutlicher hätten gewinnen können. Vor allem der eingewechselte A-Junior Kevin Keller, der über die linke Seite kam, machte dem FCN große Probleme und erzielte zwei schöne Tore. Die Nöttinger Abwehr kam mit dem einfachen Balinger Offensivkonzept nicht zurecht.