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Ispringens Georgi Ketoev (in Rot) hatte Weingartens Magomed Nurov gut im Griff  – doch dann ging ihm die Luft aus.
Ispringens Georgi Ketoev (in Rot) hatte Weingartens Magomed Nurov gut im Griff – doch dann ging ihm die Luft aus.
29.10.2017

Deutsche Ringerliga: KSV Ispringen verliert Heimkampf gegen Weingarten

Der KSV Ispringen hat die Revanche verpasst. Beim 5. Wettkampftag in der Deutschen Ringerliga (DRL) kam es zur Neuauflage des letzten Finales um die deutsche Meisterschaft, das die Weingartener seinerzeit für sich entscheiden konnten. Und auch diesmal behielten die Gäste mit 12:7 die Oberhand.

Als es nach den ersten drei von insgesamt zehn Kämpfen 3:3 nach Mannschaftspunkten stand, kam es zu einigen denkwürdigen Minuten auf der hell erleuchteten Kampfmatte im Zentrum der Pforzheimer Jahnhalle: der schwergewichtige Russe der Germania, Magomed Nurov, Junioren-Weltmeister von 2012, bekam es im Freistil mit dem frischgebackenen Ispringer WM-Dritten Georgi Ketoev aus Armenien zu tun. Ketoev ging schnell mit 6:0 in Führung – klare Sache, mochte sich so mancher unter den rund 200 Zuschauern gedacht haben, doch es kam anders.

Keine Gegenwehr mehr

Denn Ketoev ging ab der vierten Minute regelrecht die Luft aus, seine Gegenwehr brach völlig zusammen, und seinem Kontrahenten Nurov gelang eine Wertung nach der anderen. Er drehte Ketoev ein ums andere Mal – und damit auch den Kampf: von 0:6 auf unglaubliche 19:8. Das gab drei wertvolle Punkte auf das Mannschaftskonto der Germania – der Grundstein für den späteren Sieg.

Doch wie konnte Ketoev so dermaßen einbrechen? Konditionelle Schwächen? „Nach seiner guten WM geht ihm die Kondition nicht einfach so weg“, meinte dazu KSV-Trainer Alexander Leipold, selbst zweifacher Weltmeister. „Nein, Ketoev hat sich kurzfristig einen grippalen Infekt eingefangen und sich nicht krank gemeldet“, so Leipold weiter. „Das ist natürlich ärgerlich, aber ich verstehe ihn auch: Er wollte es allen zeigen und war sich siegessicher, und normalerweise bringt Ketoev den Kampf ja auch durch“.

Nach diesen dramatischen Minuten sorgte ein knapper Ispringer Sieg im Freistil durch das armenische Leichtgewicht Roman Amoyan für einen versöhnlichen Ausklang der ersten Halbzeit: Ispringen lag zwar 4:6 hinten – doch es war noch alles drin für den KSV.

Direkt nach der Pause trafen im griechisch-römischen Stil der Este Ardo Arusaar und der Russe Maksim Safaryan im Schwergewicht aufeinander: das kompakte Kraftwerk gegen den durchdefinierten Muskelmann. Ispringen gewann die Kraftprobe – es stand 5:6. Der siebte Kampf ging klar an den Ispringer Igor Besleaga aus Moldawien, der dem 46-jährigen Weingartener Veteran Adam Juretzko im Freistil keine Chance ließ – 7:6 nun für den KSV. Dieser siebte Mannschaftspunkt war aber gleichzeitig auch der letzte an diesem Abend für Ispringen, denn ab jetzt gewannen nur noch die Weingartener.

Nachdem es nach dem achten Kampf wieder 9:7 für Weingarten stand, fiel im neunten Kampf die Vorentscheidung. Der KSV-Kämpfer Davit Tlashadze aus Georgien traf auf den Makedonen Magomed Kadimagomedov. „Das war Ringen vom Feinsten“, meinte Leipold anerkennend, „ein Weltklassekampf. Für den allein hat es sich gelohnt, hier zu sein.“ Mit dem besseren Ende allerdings für den Weingartener Kadimagomedov.

Mit ihrer in dieser Saison noch ungeschlagenen Kampfmaschine Jan Fischer brachte die Germania im letzten Kampf den Auswärtssieg dann unter Dach und Fach. „Es lief sehr, sehr gut für uns“, freute sich Germania-Trainer Frank Heinzelbecker über den Erfolg. „Der Sieg hört sich deutlich an, doch es war spannend bis zum Schluss, Ispringen hat es uns echt schwer gemacht.“ So sah es auch KSV-Trainer Leipold: „Das Ergebnis sieht natürlich blöd aus, aber es war eng. Ohne den Einbruch von Ketoev hätte es heute auch genauso gut für uns ausgehen können.“