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Das vorerst letzte Duell in der DRL war das Finale zwischen Weingarten (links Etienne Wyrich) und Ispringen (rechts Nicholas Gwiazdowski) im Januar. Wie es weitergeht, ist offen.  Foto: Becker/PZ-Archiv 

Deutsche Ringerliga lässt 2020 komplette Saison ausfallen

Geht es um das Coronavirus, ist oft von den sogenannten Risikopatienten die Rede. Dabei geht es um Menschen, bei denen Vorerkrankungen im Falle einer Ansteckung den Krankheitsverlauf dramatisch verstärken können.

Auch den Sport, die Vereine und Verbände hat das Virus schwer getroffen. Und zu den Risikopatienten im Sport zählte eindeutig die Deutsche Ringerliga (DRL), die seit ihrer Gründung 2017 tapfer, aber nicht immer erfolgreich, um ihren Platz in der vielfältigen Sportlandschaft kämpfte. Jetzt ist das passiert, was man befürchten musste. Die DRL wurde vom Virus so niedergestreckt, dass die Saison 2020 ausfällt. 2021 will man dann mit neuen Konzepten unter dem Motto „Come back stronger“ (Stärker zurückkommen) durchstarten.

Zu wenig Mannschaften dabei

Wenn da nur nicht ein viel älteres Sportlermotto greift: „They never come back“ (Sie kommen nie zurück). Es ist kein Geheimnis, dass die Liga schon vor Ausbruch der Pandemie über eine Auszeit nachgedacht hatte. Zu groß und vielfältig waren die Probleme, die die zarte DRL-Pflanze an einem gedeihlichen Wachstum gehindert hatten. Vor allem der nicht enden wollende Streit mit dem Deutschen Ringer-Bund hatte der nach Eigenständigkeit strebenden Liga immer wieder zugesetzt. Hinzu kamen der vergebliche Kampf um mehr Mitglieder – ganze sechs Vereine hatten sich an der abgelaufenen Saison beteiligt. Und dann waren da auch noch wirtschaftliche Probleme, die zwei Vereine (VfK Schifferstadt und KAV Eisleben) 2019 zum vorzeitigen Ausstieg bewegt hatten.

Unsichere Gesamtlage

„Die Gesamtsituation ist zu unsicher, weder mit Sportlern, noch mit Vereinen oder Sponsoren lassen sich momentan verlässliche Vereinbarungen treffen“, heißt es in der Erklärung der DRL. „Wir wollen keineswegs den Kopf in den Sand stecken und stehen nach wie vor hinter dem Konzept Deutsche Ringerliga“, sagt Werner Koch. Der Unternehmer aus Ispringen ist Präsident der DRL und hat seit dem privat bedingten Rückzug von Markus Scheu aus Nendingen auch die Aufgaben des Geschäftsführers übernommen. Seine Firma ist zudem einer der wichtigsten Ligasponsoren.

Kochs Sohn Alex ist beim KSV Ispringen Geschäftsführer. Auch für ihn gab es zum Aussetzen der kommenden Saison keine Alternative. „Sport in geschlossenen Räumen ist auf absehbare Zeit schwierig. Und das Ringen als Vollkontaktsport wird eine der Sportarten sein, die mit am letzten freigegeben werden“, sagt er. Hinzu kam, dass zwei Vereine schon im Vorfeld für 2020 abgewunken hatten. „Warten wir ab, wie sich die DRL weiterentwickelt“, hatte der ASV Nendingen in einer Stellungnahme erklärt. Und Thomas Hacker vom VfK Schifferstadt glaubt, dass die DRL nur eine Zukunft hat, „wenn ein schlüssiges Konzept vorliegt“. Die Liga müsse attraktiver werden, das gehe aber nur mit mehr Mannschaften. Außerdem gelte es, die Kosten in den Griff zu bekommen.

Die Kosten senken

Genau an diesen Fragen will man in der DRL nun in den kommenden Monaten arbeiten. Finanzstarke Vereine wie Ispringen, Nendingen und der amtierende Meister Germania Weingarten sollen durch eine Budget-Obergrenze eingehegt werden. Mit der Ansetzung von Doppel-Kampftagen an Wochenenden sollen Einsparungen ermöglicht werden, weil damit die Reisekosten gedrückt werden. Schließlich hat die DRL weiterhin den Anspruch, „die Besten der Welt auf die Matte zu bringen“, wie es der Ispringer Alex Koch formuliert. Außerdem könnte ein Draftsystem wie im US-Sport dafür sorgen, dass auch schwächere Vereine Zugriff auf starke Sportler erhalten.

Warten auf Gerichtsurteil

„Die DRL ist definitiv nicht tot, nur in der Zwangspause“, sagt Weingartens Vorsitzender Ralph Oberacker. Nicht nur ihm macht Hoffnung, dass das Jahr 2020 für die DRL eine wichtige Weichenstellung bringen kann. Denn einmal mehr stehen sich die Liga und der Deutsche Ringer-Bund (DRB) vor Gericht gegenüber. Der DRB hatte immer wieder Druck auf die Ringer ausgeübt, indem Athleten bei Einsätzen in der DRL mit Sperren und Strafen gedroht wurde. Das war dem Verband vor Gericht untersagt worden, zuletzt vor dem Oberlandesgericht in Nürnberg. Der DRB hatte Berufung eingelegt. Im Juni wird mit einer endgültigen Entscheidung gerechnet – und es wäre eine Überraschung, würde die Berufung nicht abgewiesen. Das würde der Liga ein echtes Druckmittel in der Hand geben. Denn dann drohen dem DRB und seinem Präsidenten Manfred Werner bei Zuwiderhandlung Bußgelder in nicht unerheblicher Höhe.