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Klare Ansprache:  Irlands Trainer Tom O’Brannagáin (Zweiter von rechts) und David Bregazzi (Mitte) beobachten, wie BHV-Coach Carsten Klavehn die irischen Spieler anleitet.
Klare Ansprache: Irlands Trainer Tom O’Brannagáin (Zweiter von rechts) und David Bregazzi (Mitte) beobachten, wie BHV-Coach Carsten Klavehn die irischen Spieler anleitet. © Becker
14.09.2008

Die Pionierarbeit der Dickschädel

Tom O’Brannagáin ist ein Ire von echtem Schrot und Korn: Er stammt aus einer kinderreichen Familie, ist schlagfertig, lebenslustig, stimmgewaltig und auch einem guten Tropfen selten abgeneigt. Nur wenn von einem speziellen Thema die Rede ist, rollt er fast ein wenig schüchtern die Augen. Denn O’Brannagáin ist der irische Dieter Bohlen, der in der Talentshow „GlasVegas“ beim Fernsehsender TG4 jungen Künstlern ebenso gnadenlos den Marsch bläst, wie das der gebürtige Hamburger in Deutschland tut. „Im Gegensatz zu Bohlen bin ich aber lustiger und sehe viel besser aus“, gibt der 41-Jährige mit einem breiten Grinsen zu Protokoll.

Abenteuer hat der studierte Lehrer, Radio-DJ, Fernseh-Moderator und Sänger einer eigenen Band schon viele erlebt. Im Libanon haben sie ihn mal während eines Konzerts für irische UNO-Soldaten von der Bühne gezerrt, weil Katjuscha-Raketen der Hisbollah in der Nähe einschlugen.

Jetzt hat O’Brannagáin sogar noch einen kniffligeren Job übernommen: Für fünf Jahre widmet sich der Handballer aus Leidenschaft der irischen Randsportart und trainiert die Nationalteams der Frauen und Herren. Weil er mit David Bregazzi vom TB Pforzheim befreundet ist, haben die irischen Handballer ihr Trainingslager im Badischen aufgeschlagen.

BHV-Coach Carsten Klavehn vervollständigt das Trio. In Deutschland bringt der Fachmann die Truppe vor allem methodisch auf Vordermann. „Vor zwei Jahren war das noch eine Katastrophe auf dem Feld– heute sieht das schon eher nach Handball aus”, versichert Klavehn mit einem Augenzw kern.Die ersten Erfolge stellen sich ein. Die Teams von England und Schottland wurden geschlagen. „Das haben wir seit 20 Jahren nicht geschafft“, betont O’Brannagáin. Getestet haben die irischen Ballkünstler am Freitag beim HC Neuenbürg, sowie am Samstag und Sonntag in der Fritz-Erler-Halle als Gäste der HSG TB/TG 88 Pforzheim. Den beiden Badenligisten Neuenbürg (22:31) und TGS Pforzheim (14:29) hatte das Team von der „Grünen Insel“ nur wenig entgegenzusetzen. Im Duell mit dem TV Birkenfeld (24:13), der HSG (20:19) und dem TV Brötzingen (24:21) sprangen dafür Siege heraus. Flüssig und ansehnlich lief der Ball am gegnerischen Kreis zwar durch die eigenen Reihen. Nur für die Abwehrarbeit wären die Iren sicher gut beraten gewesen, ein paar bullige Rugby-Spieler mitzubringen. „Bei uns gibt es gaelischen Handball oder Hurling. Aber nur die Wenigsten kennen Handball. Wir leisten Pionierarbeit und lernen eben soviel wir können“, sagt Spieler Hichem Sefroun und einer von nur 5000 Ballwerfern auf der Insel. Doch Teammanager David Bregazzi ergänzt: „Irische Dickschädel geben niemals auf. Wir kämpfen bis zur letzten Sekunde. Das ist unser großes Plus.“ Peter Hepfer