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Hat als Spieler und Trainer schon viel erlebt: Thomas Roller, Coach der Sportfreunde Dobel, sehnt sich nach der guten alten Zeit im Fußball, weiß aber auch, wie man mit der heutigen Spielergeneration umgehen muss.  privat
Hat als Spieler und Trainer schon viel erlebt: Thomas Roller, Coach der Sportfreunde Dobel, sehnt sich nach der guten alten Zeit im Fußball, weiß aber auch, wie man mit der heutigen Spielergeneration umgehen muss. privat
23.12.2016

„Die Spieler haben keine Zeit mehr“

Früher war alles besser! Ein Spruch, den man immer wieder auch von Fußballtrainern aus der Region hört. Die Zeit hat sich geändert, die Spieler auch. Im PZ-Interview spricht Thomas Roller von den Sportfreunden Dobel (Kreisklasse A2) über die Herausforderungen, die ein Trainer heutzutage im unteren Amateurbereich hat.

PZ: Hallo Herr Roller, gibt es eigentlich noch den berühmten Kasten Bier nach dem Schlusspfiff in der Kabine?

Thomas Roller: Den gibt es noch. Nach Siegen wie auch nach Niederlagen. Doch nicht jeder trinkt nach dem Spiel ein Bierchen.

Soll das heißen, dass der Kasten nicht leer getrunken wird? Früher wäre das ein Unding gewesen ...

Soll schon hin und wieder vorkommen. Bei uns, bei den Sportfreunden, gibt es das zum Glück nicht. Wir haben immer ein paar Spieler, die sich „opfern“ und für Nachschub sorgen (lacht).

Wird eigentlich heute noch in der Kabine gesungen, geredet und geraucht – bis die Duschen kalt sind?

Nein, leider nicht mehr. Geraucht wird bei uns nur im Freien, was auch gut ist. Kräftig gefeiert wird dagegen vorwiegend nur nach überraschenden Siegen. Da wackeln schon mal die Wände. Aber gesungen, so wie früher, wird heutzutage nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei. Leider.

Schade eigentlich. Warum ist das so?

Die Spieler haben einfach keine Zeit mehr und müssen schnell weg. Privat wie auch beruflich sind sie stark eingespannt. Entweder ruft die Freundin oder auch der Schichtdienst. Da geht dann leider die Geselligkeit im Verein verloren, der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft leidet. Ich glaube, das bemängeln viele Clubs in den unteren Spielklassen.

Trainer beklagen auch häufig, dass sie am Wochenende auf Spieler verzichten müssen, weil diese lieber Skifahren gehen oder ihnen der Geburtstag der Tante wichtiger ist ...

Früher gab es keinen Grund, nicht auf den Fußballplatz zu gehen. An Spieltagen nicht und auch nicht unter der Woche, wenn Training war. Man hat sich auf die Einheiten gefreut und auf seine Kumpels. Ja, man wollte unbedingt trainieren und spielen. Alles wurde dem Fußball untergeordnet. Heute sind für manche Spieler anderen Sachen einfach wichtiger. Und ihnen kommt auch nicht in den Sinn, Termine um den Fußball herum zu legen. Das ist schade, denn immerhin lassen sie ja auch ihre Kameraden quasi im Stich.

Müssen eigentlich heute die Jüngsten beim Aufwärmspiel „5 gegen 2“ immer noch in die Mitte, die Tore nach dem Training vom Platz tragen und sich nach dem Spiel um den Trikotkoffer kümmern?

Das sind die ungeschriebenen Gesetze des Amateurfußballs. Beim 5 gegen 2 müssen die Jüngsten tatsächlich immer noch dran glauben. Die Trainingsgeräte räumen wir dagegen gemeinsam auf und um den Trikotkoffer kümmert sich meistens der Letzte in der Kabine.

Gibt es bei den Sportfreunden auch das Ritual, dass die in die Aktivität gewechselten A-Jugendspieler erstmal vor der Mannschaft ein Ständchen zum Einstand singen müssen?

Das gibt es bei uns nicht. Obwohl die jungen Wilden nicht mehr so zurückhaltend sind wie früher. Es gibt schon einige Jungs, die eine große Klappe haben, alles besser wissen und sich von den Älteren nichts sagen lassen. Zum Glück ist das aber bei uns nicht so.

Die heutige Generation kann ja nicht mehr ohne ihr Handy. Wie wichtig ist das Smartphone in der Kabine?

Bei uns herrscht Handyverbot – an den Spieltagen in der Kabine wie auch bei den Spielersitzungen. Da halten sich die Jungs auch dran. Nach dem Training ist es für mich okay, wenn Sie es anmachen und Nachrichten schreiben.

Ist es heute schwieriger eine Mannschaft zu trainieren, als noch vor 10 oder 20 Jahren?

Absolut, es ist heute deutlich schwieriger geworden. Ein Pro-blem ist das ständige Bitten und Betteln, dass Spieler überhaupt ins Training kommen oder am Wochenende spielen. Fakt ist, man hat eigentlich nie die gleiche Mannschaft fürs Spiel zur Verfügung. Man muss das Team immer wieder umbauen, was sich in den Ergebnissen widerspiegelt. Was extrem nervt, ist das Hinterhertelefonieren. Die Spieler melden sich von sich aus nicht ab. Diese Unzuverlässigkeit gab es früher nicht.

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