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Auf dem sportlichen Sektor haben Trainer Pellegrino Matarazzo (links) und Sportdirektor Sven Mislintat beim VfB Stuttgart alles im Griff.  Foto: Weller/DPA 

Die jungen Talente des VfB Stuttgart wecken Interesse bei anderen Clubs

Der Aufsteiger VfB Stuttgart ist auswärts so erfolgreich wie kein anderes Team. Sportdirektor Sven Mislintat will die junge Mannschaft möglichst lange zusammenhalten.

Man merkt ihm an, dass er sich über die Vorstandsquerelen beim VfB Stuttgart wundert, vermutlich eher ärgert, aber er sagt nichts dazu. Was soll der Sportdirektor auch sagen? „Ich kümmere mich um das, was ich beeinflussen kann“, sagt Sven Mislintat. Und das sind die sportlichen Dinge. Dafür ist der Sportdirektor da. Und da gibt es nach dem 4:1 (2:0) beim FC Augsburg nur positive Dinge, über die man spricht.

Wenn ein Aufsteiger auswärts die erfolgreichste Mannschaft der Fußball-Bundesliga ist, weckt das Interesse. „Wir haben das Ziel, diese Mannschaft möglichst lange zusammen zu halten“, sagt Mislintat. Er weiß, dass es Interesse gibt, nicht nur an Spielern wie Nicolas Gonzalez oder Orel Mangala, die sich in einer Art und Weise entwickeln, die man vielleicht ahnen, aber nicht präzise voraussagen konnte. Oder Borna Sosa, den man beim VfB zwischenzeitlich schon abgeschrieben hatte.

„Die Spieler wissen, dass sie an einem guten Ort sind“, sagt Mislintat. Es ist ein Ort, an dem man sich entwickeln kann. Was mittel- und langfristig nicht ausschließt, dass sich der eine oder andere mit Wechselgedanken trägt, wenn er nicht mehr zum Kreis der ersten 15 oder 16 Profis zählt. Das ist bei einem 31-Mann-Kader normal.

Respektvoller Umgang

Aber es zeichnet sich eben (noch) nicht ab. Und das wiederum hat vermutlich damit zu tun, dass man mit den Profis beim VfB respektvoller umgeht als in der Vergangenheit. Das merken Spieler sehr genau, weiß Mislintat: „Und wenn sich jemand mit dem Gedanken trägt, etwas anderes machen zu wollen, woanders noch einmal zum Stammspieler werden zu können, dann werden wir uns damit beschäftigen.“

Bis auf die unsäglichen Auseinandersetzungen im Vorstand haben die Dinge selten so gut funktioniert beim VfB wie im Moment. Das hat maßgeblich mit Sven Mislintat zu tun. Aber eine Antwort auf die Frage, wie es zu erklären ist, dass die Mannschaft auswärts weit erfolgreicher spielt als in der Mercedes-Benz-Arena, kann auch Mislintat nicht geben. Zumindest öffentlich und offiziell nicht.

Vielleicht hat es einfach damit zu tun, dass Heim- und Auswärtsspiele ohne Zuschauer identischer sind als Spiele vor 60.000 eigenen Fans oder 60.000 gegnerischen. Der nächste Heim-Gegner ist Mönchengladbach. Mit dem Erfolg über den Rekordmeister FC Bayern hat die Borussia gezeigt, dass sie in der Spur ist. „Die kommen euphorisch nach Stuttgart, in diesem Spiel sind wir der klare Außenseiter, ein extrem schweres Spiel, aber wir wissen, was wir können“, sagt Mislintat. „Wir wissen auch, dass wir kicken können.“ Und das unterscheidet Stuttgart von den Mannschaften, die ebenfalls den Klassenverbleib als Saisonziel ausgegeben haben. „Nach jedem Spieltag schaue ich erst einmal in der Tabelle nach unten. Wir haben 21 Punkte nach 15 Spielen, wir brauchen 40 nach 34, um sicher zu sein.“

Langfristige Verträge

Keine besonders neue Erkenntnis, Mislintat weiß das. Aber es ist die Realität. Schon vor Wochen hat der Sportdirektor gesagt: „Ich weiß, dass man nach dem Aufstieg in die Bundesliga erst einmal zwei Spielzeiten die Klasse halten muss, bevor man sich Gedanken über die Zukunft machen kann.“ Und ihm ist klar, dass der langfristige Erfolg dann davon abhängig ist, ob eine bis dahin gewachsene Mannschaft zusammenbleibt. Oder ob von ihr nur noch Rudimente übrig bleiben, weil den Rest der Transfermarkt erledigt hat.

Fast alle Profis haben langfristige Verträge in Stuttgart. Und wo das noch nicht der Fall ist, gilt: „Daran arbeiten wir.“ Mislintat weiß aus eigener Erfahrung, dass in der englischen Premier League manchmal von heute auf morgen Geld locker gemacht wird, wenn es sportlich eng werden sollte.