nach oben
20 Jahre pfeift Tobias Müller für die Sportfreunde Mühlacker. Foto: PZ-Archiv
20 Jahre pfeift Tobias Müller für die Sportfreunde Mühlacker. Foto: PZ-Archiv
Jörg Augenstein ist Chef der Schiedsrichter im Fußballkreis Pforzheim. Foto: Ketterl
Jörg Augenstein ist Chef der Schiedsrichter im Fußballkreis Pforzheim. Foto: Ketterl
21.12.2017

Die knifflige Sache mit den Schiedsrichtern

Mühlacker. „In der Praxis haben auch diejenigen bemerkt, die zunächst alles besser machen wollten, dass das auf dem Platz doch nicht so einfach ist“, sagt Walter Buck, der Beobachter der Schiedsrichtergruppe Vaihingen. Der frühere Torhüter des TSV Maulbronn scheut klare Worte generell nicht. Was junge Schiedsrichter angeht, hat Buck noch etwas festgestellt: „Wenn ihnen mal der Wind ins Gesicht bläst, hören sie auch schnell mal auf mit der Pfeiferei.“

Einen speziellen Fall schildert Jörg Augenstein, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Kreis Pforzheim. Niko Knodel (Jahrgang 1999) sei ein junger Mann mit Perspektive gewesen. Doch anstatt in der Kreisliga und wahrscheinlich mit der Zeit darüber hinaus zu pfeifen, wolle der junge Mann von der SG Ölbronn-Dürrn lieber in dieser Klasse spielen. Knodel zählt zwar noch zu Augensteins insgesamt 150 Schiris, Einsätze als Spielleiter beziehungsweise an der Seitenlinie hätten für ihn aber nicht Priorität.

Dennoch scheint es, dass die SG im Hinblick auf ihre Schiris besser dasteht als sportlich. Während Ölbronn-Dürrn erste Mannschaft der Abstieg in die A-Liga droht, pfeift Mike Reutter (Jahrgang 1997) in der Landesliga für die SG. Reutters Vereinszugehörigkeit ist freilich nicht einmal Augenstein allzu bewusst, und das, obwohl er ihm oft assistiert. Für den Pforzheimer Schiri-Chef ist Reutter erstmal ein Maulbronner.

Es pfeift aber auch nicht jeder Schiri immer nur für einen Verein. In seinem Bereich habe es im zu Ende gehenden Jahr etwa zehn Wechsel gegeben, sagt Augenstein. Geldbeträge sind dabei sicher nicht im Spiel. Augenstein weiß aber, dass Vereine, die Verstärkung brauchen, um die von ihnen geforderte Zahl an Unparteiischen zu stellen, mit gewissen Anreizen arbeiten. Gerade für junge Talente sei es interessant, dass der eine oder andere Club eine Unterschrift im Lauf der Zeit vergleichsweise großzügig mit Trikots, Sportschuhen und dergleichen honoriert.

Bemerkenswert ist, dass der Pforzheimer Kreis-Lehrwart Florian Kuppinger (Jahrgang 1994) für den TSV Ötisheim pfeift. Ebenso komme Moritz Kuhn (Jahrgang 1995) aus Pforzheim, vertrete aber die Ötisheimer, sagt Augenstein. Kuppinger wie auch Kuhn zählen zu den Verbandsliga-Schiris der Gruppe Pforzheim. Herum kommen die beiden in Sachen Fußball, weil sie außerdem in der A- und in der B-Jugend-Bundesliga Einsätze als Assistenten erhalten.

Immer noch in der Kreisliga pfeift Tobias Müller. Er ist inzwischen 35 – und bereits für 20 Schiedsrichter-jahre geehrt worden. Müllers Verein sind übrigens noch immer die Sportfreunde Mühlacker, die in der A-Liga spielen.

34-Jähriger in der Verbandsliga

Schon wieder seit gut zehn Jahren ist die Verbandsliga für die Schiedsrichtergruppe Vaihingen das Höchste der Gefühle: Dort pfeift der 34-Jährige, vor einiger Zeit zum TSV Wiernsheim gewechselte Bahri Kurz. In der Landesliga sind zwei Mann vom TSV Kleinglattbach vertreten: Sven Sattler (25) und Tobias Lauber (31), zudem der 23-jährige Florian Reinke vom VfR Sersheim.

„Die höherklassigen Kandidaten werden wohl in der Rückrunde noch etwas zu kämpfen haben, damit sie ihre Liga halten können“, sagt Walter Buck. Die größte Zukunfts-Hoffnung in diesem Bereich ist ein Schiri vom TSV Phönix Lomersheim. „Felix Dorn darf im neuen Jahr weiter vom Aufstieg träumen“, meint Buck.

„Man hat schon zu rudern“, erklärt der Maulbronner im Hinblick darauf, dass ein schlechter Tag für ambitionierte Unparteiische sehr von Nachteil sein kann, wenn sie gerade da unter Beobachtung stehen. Doch wenn man erstmal eine Weile dabei sei, dann schrecke einen das überhaupt nicht.