760_0900_14411_.jpg Die unterschiedlichen Bilanzen der Pforzheimer Handballclubs TGS und SG
Nicht aufzuhalten vermochte im Pforzheimer Derby die SG-Abwehr mit Philipp Schückle (links) und Marius Hufnagel (rechts) den TGS-Kreisläufer und Weltmeister von 2007, Andrej Klimovets (Mitte). Gössele, PZ-Archiv 

Die unterschiedlichen Bilanzen der Pforzheimer Handballclubs TGS und SG

Pforzheim. Wenn am 12. Januar in der Pforzheimer Fritz-Erler-Halle das Derby zwischen der TGS Pforzheim und der SG Pforzheim/Eutingen steigt, stehen sich die beiden Lokalrivalen in der Handball-Oberliga vorerst wohl zum letzten Mal gegenüber. Denn die TGS Pforzheim ist auf dem besten Weg, in die 3. Liga aufzusteigen. Das Team von Trainer Damir Lebovic hat die Vorrunde mit der makellosen Bilanz von 30:0 Punkten abgeschlossen. Weit weniger gut lief es für die SG. Mit 10:20 Zählern liegt das Team von Trainer Hans Christensen auf dem fünftletzten Platz und kämpft gegen den Abstieg.

Als die TGS in der Sommerpause mit Ex-Weltmeister Andrej Klimovets (Kreis) und Nils Brandt (Rückraum) zwei große Kaliber verpflichtete, war schon klar, dass das Team oben angreift. Jetzt, mit 15 Siegen aus 15 Vorrundenspielen, geht der Blick fast zwangsläufig nach oben. „So, wie wir dastehen, müssen wir uns mit dem Aufstieg befassen“, sagt Handball-Abteilungsleiter Wolfgang Taafel fast schon entschuldigend. Schließlich reicht auch Tabellenplatz zwei zum Aufstieg. Und zu Platz drei sind es schon sieben Punkte Vorsprung. Und doch warnt Taafel: „Wir dürfen nicht übermütig oder hochnäsig werden. Sonst kann der Schuss nach hinten losgehen.“

Doch danach sieht es bislang nicht aus. Das Team spielte die Vorrunde so souverän, dass man bisweilen Mitleid mit der Konkurrenz haben musste. Was könnte den Aufstieg überhaupt noch verhindern? Da muss auch Wolfgang Taafel überlegen. „Mehrere Verletzungen von Leistungsträgern“, sagt er dann. Doch er will den Teufel nicht an die Wand malen. „Oder Streit in der Mannschaft“, fügt Taafel nach einigem Überlegen hinzu, ehe er selbst sagt: „Aber das kann ich mir bei unserem Teamgeist nicht vorstellen.“

Eine zeitlang gab es zumindest das Szenario, dass Klimovets das Team in der Winterpause wieder verlassen könnte. Der Vertrag des gebürtigen Weißrussen, der 2007 mit Deutschland Weltmeister geworden war, galt nämlich zunächst nur für ein halbes Jahr. Letztlich war es eine Frage der Finanzen. „Es war ein Rechenexempel. Wir mussten den Bleistift spitzen“, umschreibt es Taafel die Verhandlungen im Dezember. Am Ende entschloss sich der im nordbadischen Bad Schönborn lebende Klimovets zum Bleiben und bildet zusammen mit den Rückraumspielern Florian Taafel und Nils Brandt sowie Spielmacher Sven Kaiser weiter ein starkes „Viereck“ in der Angriffsmitte.

Die TGS will in die 3. Liga. Die SG Pforzheim/Eutingen war schon dort, in der Saison 2010/2011. Es folgte der Abstieg unter unglücklichen Umständen. Vergangene Saison verpasste das Team dann den direkten Wiederaufstieg. Seither ist ein bisschen der Wurm drin. In der laufenden Saison ging es mit einer schweren Verletzung von Spielmacher Manuel Mönch gleich im ersten Saisonspiel nach wenigen Minuten los. Und die Vorrunde endete mit einer Blessur von Mönch am Daumen der Wurfhand, auch wenn die Verletzung nicht so schlimm wie zunächst befürchtet war. Dazwischen fielen fast im Wochentakt weitere Spieler aus. Bis Mitte der Vorrunde hielten sich die Pforzheimer dennoch in der oberen Tabellenhälfte, dann ging es stetig bergab. Drei Absteiger gibt es in der Oberliga sicher, möglicherweise sind es aber auch fünf – je nachdem, wer in der 3. Liga absteigt. Da ist der fünftletzte Rang zu Winterpause alles andere als ein Platz zum Ausruhen.

Wenigstens gelang im letzten Spiel vor der Winterpause noch einmal ein wichtiger Sieg gegen den TuS Altenheim. Nicht zuletzt deshalb hat Hans Christensen „ein ganz gutes Gefühl. Ich bin sicher, dass wir den Klassenerhalt schaffen. Das, was wir im letzten halben Jahr erlebt haben, passiert uns hoffentlich nicht noch einmal.“

Dass die SG jetzt sportlich so in Schwierigkeiten steckt, hängt auch mit der Vereinsphilosophie zusammen. Die Mannschaft vom Buckenberg setzt konsequent auf den eigenen Nachwuchs. Damit geht der Verein auch bewusst das Risiko ein, dass die Leistungskurve Dellen und Ausschläge nach unten hat. Doch der Vorsitzende Wolfgang Lupus und der sportliche Leiter Wolfgang Lipps stellen immer wieder klar, dass sie nicht gewillt sind, von diesem Weg abzugehen.

Immerhin lichtet sich das SG-Lazarett nach und nach. Routinier Alexander Lipps, der sich schon seit längerem mit einem Fersensporn plagt, ist wieder im Training, ebenso wie Rechtsaußen Dominik Seganfreddo, der sich im Derby gegen die TGS eine Rippe gebrochen hatte. Hans Christensen musste in den vergangenen Wochen oft personelle Anleihen bei der 2. Mannschaft und der A-Jugend nehmen. jetzt steht er vor einem „Luxusproblem“, wie er selbst sagt: „Ich muss wieder Spieler aus dem Kader aussortieren.“

TGS klarer Favorit im Derby

Das neue Jahr beginnt nun mit dem Derby zwischen TGS und SG. 33:18 hat die TGS das Hinspiel gewonnen, es war eine Demonstration. „Das Hinspiel ist aber nicht der Maßstab“, sagt Wolfgang Taafel, „denn wer etwas von Mannschaftssport versteht, weiß wie schnell ein Spiel kippen kann.“ Natürlich weiß er um die Favoritenrolle für sein Team. „Und wenn wir konzentriert bleiben, gewinnen wir auch“, ist er sicher.

Bei der SG ist die Vorfreude auf das Derby gedämpft. „Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Die Punkte müssen wir gegen andere Gegner holen. Ein Erfolg gegen die TGS wären ein Bonus“, sagt Hans Christensen. Und Alexander Lipps ergänzt: „Wir müssen regelmäßig punkten, oder eine Serie hinlegen.“ Dass eine solche Serie ausgerechnet im Derby beginnt, glaubt aber auch er nicht.