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Schrei vor Glück! Dominik Salz (mit Helm) hatte in dieser Saison schon oft Grund zum Jubeln. Hier feiert er seinen Treffer zum 1:0 gegen den FC Nöttingen mit seinen Teamkollegen (von links) Kevin Ikpide, Marco Grüttner und David Müller.  Foto: Hennrich 

Dominik Salz ist glücklich beim SGV Freiberg, dem FC Bayern der Oberliga

Freiberg. Eines war schon vor der Runde klar: der Weg zur Meisterschaft in der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg führt nur über den SGV Freiberg. Der Sport- und Gesangsverein hatte im Sommer einen gewaltigen und auch mutigen Umbruch vorgenommen. Rund 20 Abgängen standen 20 Neuzugänge gegenüber. Darunter einige Hochkaräter, Ex-Profis, Spieler mit reichlich Erfahrung - und Dominik Salz, in der Fußballregion um Pforzheim bestens als Toregarant bekannt.

Neidisch aber auch mit etwas Skepsis nahm das die Konkurrenz zur Kenntnis. Bei den Meistertipps landete Freiberg mit den Stuttgarter Kickers trotzdem ganz oben. Und bisher läuft für die Freiberger auch alles nach Plan. Nach 13 Spieltagen gibt der Spitzenreiter mit 35 Punkten (11 Siege, 2 Remis) klar den Ton an. Das Polster auf die Stuttgarter Kickers beträgt fünf Punkte. In Freiberg hofft man, dass der Teil-Lockdown die Mannschaft nicht aus dem Rhythmus bringt.

Radikaler Schnitt

Nach der enttäuschenden Saison 2019/2020 (Platz 16 nach dem Abbruch) stellten die Vereinsverantwortlichen des SGV Freiberg alles auf den Prüfstand. Ein radikaler Schnitt folgte. Viele Spieler wurden entlassen. Neue vor allem erfahrene Kicker wurden verpflichtet. „Wir wollten einen neuen Teamspirit entfachen“, erklärt Christian Werner im Gespräch mit der PZ. Dem Sportdirektor war es dabei wichtig, „gute Charaktere zu binden“ und eine gute Mischung aus Persönlichkeiten im Team zu haben.

Mit der Verpflichtung des Zweitliga-Profis Marco Grüttner landete der SGV dann auch einen echten Transfercoup. Quasi auf seine alten Tage hin, schloss sich der ehemalige Kapitän von Jahn Regensburg im Alter von 35 Jahren nochmal seinem Jugendverein an. Der Stürmer bringt die Erfahrung aus 91 Zweitliga-Einsätzen mit, dabei schoss er 32 Tore und gab 19 Assists. In Freiberg unterschrieb er einen langfristigen Vertrag und fungiert dort auch als Sportlicher Leiter.

Zweitliga-Erfahrung hat auch William Rodrigues. Der 26-jährige Brasilianer kam vom SV Lafnitz und hält als Innenverteidiger die Abwehr dicht. Ihm zur Seite stehen Lukas Hoffmann (der 23-Jährige wechselte vom Regionalligisten SSV Ulm) sowie der Deutsch-Türke Berkan Alimler (20), der bei Optik Rathenow ebenfalls in der Regionalliga spielte.

Mario Ebenhofer wurde fürs linke Mittelfeld verpflichtet. Der 28-Jährige spielte zuletzt in der ersten rumänischen Liga beim FC Botosani.

Reichlich Oberliga-Erfahrung bringen die weiteren Neuzugänge mit. Zu ihnen gehören auch die drei ehemaligen Spieler des 1. CfR Pforzheim. Dominik Salz und Johnathan Zinram haben auf Anhieb voll eingeschlagen. Julian Grupp findet nach einer Sprunggelenkverletzung langsam wieder zu alter Form zurück.

Alle drei bilden eine Fahrgemeinschaft nach Freiberg. Treffpunkt ist vier Mal in der Woche in in Heimsheim.

Dominik Salz ist nach seinem Wechsel vom TSV Grunbach nach Freiberg „mega zufrieden“. Dort kommen die Stürmerqualitäten des 32-Jährige endlich wieder zur Geltung. Mit Grüttner stellt er das Angriffsduo. Beide haben jeweils neun Saisontreffer auf dem Konto, Salz kommt auf zwölf Assists, Grüttner auf 13. „Zum Ende meiner Karriere noch einmal in einem solch tollen Team mit solch super Typen zu spielen, ist für mich ein tolles Erlebnis“, sagt Salz. Die Jungs seien alle brutal ehrgeizig. „Marco Grüttner ist alles andere als satt. Die Mannschaft ist, ähnlich wie der FC Bayern vergangene Saison, extrem gierig. Der Teamspirit ist überragend. Was uns auszeichnet, ist vor allem die Intensität. Wir gehen immer bis ans Limit, da kommen die fußballerischen Qualitäten von ganz alleine zum Vorschein.“

Bester Angriff, beste Abwehr

Die Zahlen sprechen für sich: Freiberg stellt den besten Sturm (42 Tore) und die beste Abwehr der Liga (6 Gegentreffer!). Elfmal ging man als Sieger vom Platz, zweimal gab’s ein Remis. Kurioserweise gegen den FC Nöttingen, dessen Trainer Marcus Wenninger den SGV in und auswendig kennt. Und auch gegen die TSG Backnang. Von dort wechselte im Sommer Coach Evangelos „Laki“ Sbonias nach Freiberg.

Der 38-Jährige ist ebenfalls ein Erfolgsfaktor des Oberliga-Spitzenreiters. In kürzester Zeit hat es der ungemein ehrgeizige Coach geschafft, aus einem zusammengewürfelten Haufen eine schlagkräftige Truppe zu formen. „Die Mannschaft hat einen sehr, sehr guten Charakter“, sagt Sbonias der PZ. „Sie hat schnell einen tollen Teamspirit entwickelt. Es macht großen Spaß mit den Jungs zusammenzuarbeiten.“

Trotz der Dominanz in der Liga, sieht der ehemalige Profi-Co-Trainer (Werder Bremen II) noch Verbesserungsmöglichkeiten bei seinem Team. So hätte es Spiele gegeben, in denen man nicht über die vollen 90 Minuten das Maximale auf den Platz gebracht habe. „Daran müssen wir arbeiten“, so der Coach. Den Gedanken, dass sein Team ungeschlagen durch die Runde kommt, findet er „vermessen“. Klar sei aber auch: „Wenn wir jeden Gegner ernst nehmen und ihm Respekt entgegenbringen, wird es schwer sein, uns zu schlagen“, so der A-Lizenz-Inhaber, der sich durchaus vorstellen kann, künftig im Profibereich voll einzusteigen.

Während der jüngsten Corona-Zwangspause hielten sich seine Kicker mit individuellen Trainingsplänen fit. Ab sofort darf das Team aber wieder auf dem Platz trainieren. Die Stadt hat dem Antrag des Vereins auf eine Sondergenehmigung zugesagt. „Es gibt da juristische Möglichkeiten“, sagt Christian Werner. Nach PZ-Informationen hat angeblich auch ein Amateurclub einen Profistatus, wenn Spieler ihren Hauptverdienst durchs Fußballspielen erlangen. Das trifft in Freiberg zu. Die Chance also auch für den 1. CfR Pforzheim und den FC Nöttingen, eine Sondergenehmigung zu bekommen.

Um viele „Profis“ beschäftigen zu können, bedarf es heutzutage auch eines großen Sponsorenpools. Nach Freiberg kamen zwar die meisten Spieler vor der Saison ablösefrei, doch ohne Gegenleistung hält am Wochenende niemand seine Knochen hin. „Mit unserem Präsidenten Emir Cerkez haben wir einen absoluten Fachmann, was die Gewinnung von Sponsoren betrifft“, freut sich Christian Werner und verweist darauf, dass man sich für die Zukunft auch hier noch professioneller aufstellen möchte.

Wohin geht denn die Reise des Gesangs- und Sportvereins? „Wir haben einen Zwei-Jahresplan“, sagt Christian Werner, der weiß, dass der Regionalliga-Aufstieg schon in dieser Saison klappen könnte. Doch Werner hält den Ball flach. „Die Kickers sind weiter der Topfavorit. Es sind auch erst 13 Spiele absolviert. Da fließt also noch viel Wasser den Neckar runter.“

Die Konkurrenz muss sich trotzdem warm anziehen. In der Winterpause, so Werner, werde man die Hausaufgaben für den Sommer machen. Damit ist klar: Freiberg steuert die Meisterschaft an – und das nicht erst in der kommenden Saison.

Dominique Jahn

Dominique Jahn

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