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Unvergessen ist das Abschiedsspiel für Edgar Schneider im August 1970 auf dem Pforzheimer Holzhof. Franz Beckenbauer (rechts) stürmt hier auf das VfR-Tor zu. Gerd Müller (links) steht für ein Abstaubertor bereit. Foto: Schneider, Archiv
Unvergessen ist das Abschiedsspiel für Edgar Schneider im August 1970 auf dem Pforzheimer Holzhof. Franz Beckenbauer (rechts) stürmt hier auf das VfR-Tor zu. Gerd Müller (links) steht für ein Abstaubertor bereit. Foto: Schneider, Archiv
Edgar Schneider erinnert sich an glorreiche Bayern-Zeiten. , Archiv
Edgar Schneider erinnert sich an glorreiche Bayern-Zeiten. , Archiv
31.07.2015

Edgar Schneider: „Bayern lässt Nöttingen keine Chance“

Edgar Schneider ist der erfolgreichste Fußballprofi, den Pforzheim in den vergangenen 50 Jahren hervorbrachte. Er schaffte es Anfang der 70er-Jahre in die legendäre Elf des FC Bayern München mit den späteren Weltmeistern Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Sepp Maier und Paul Breitner. Als „Hammer-Ede“ ging er nach seinem legendären Siegtor im DFB-Pokalfinale 1971 mit seinen Bayern gegen den 1. FC Köln in die Fußballgeschichte ein. Vor dem Duell der Münchner gegen Nötttingen am 9. August sprach die PZ mit dem heutigen Funktionär des CfR Pforzheim über seine Pokalerin-nerungen und über das Traumduell der Nöttinger mit den Bayern.

PZ: Wie sind Sie 1971 im Stuttgarter Neckarstadion zum Pokalhelden geworden?

Edgar Schneider: 70 000 Zuschauer waren im Stadion. Eine tolle Atmosphäre. Es war warm. Ich hatte viele Karten besorgt, auch für meine spätere Frau Gabi. Beide Teams boten ein Superspiel. Nach der frühen Führung durch Kölns Rupp und dem Ausgleich durch Beckenbauer in der zweiten Hälfte wurde ich in der 68. Minute für „Bulle“ Roth eingewechselt. Als alle in der Verlängerung mit einem Unentschieden rechneten, kam zwei Minuten vor Schluss der Ball nach einem Einwurf von Rainer Zobel zu mir. Ich umkurvte einen Kölner und schoss dann aus 22 Metern ins Lattenkreuz.

PZ: Damals gab es noch kein Elfmeterschießen nach der Verlängerung. Wie wäre es weitergegangen, wenn Sie nicht getroffen hätten?

Es wäre zu einem Wiederholungsspiel gekommen – voraussichtlich eine Woche später. Wir hatten eine lange Saison 1970/71 und bis zum letzten Spieltag war die Meisterschaft offen, die Borussia Mönchengladbach gewann. Alle Bayern-Mannschaftskollegen hatten schon direkt nach dem Pokalfinale am 19, Juni ihren Urlaub geplant. Wenn ich nicht getroffen hätte, dann hätten wir noch mal eine Woche schuften müssen und alle hätten ihre Urlaube verschieben müssen. Deshalb waren meine Mannschaftskameraden doppelt froh, dass es so gekommen ist.

Ehefrau Gabi Schneider: Da herrschte nach dem Spiel ein Super-Hype um Edgar. Das hat er selbst kaum realisiert. Nicht mal ich kam zu ihm durch. Alle Fernseh- und Rundfunkreporter wollten ihn gleichzeitig interviewen.

PZ: Der FC Bayern München ist recht selten in unserer Region zu Gast. Die letzten Auftritte in Pforzheim hängen auch mit Ihnen zusammen.

Edgar Schneider: Am 13. Mai 1986, als ich beim VfR Pforzheim mit Fußballspielen aufgehört hatte, kam der FC Bayern zu meinem Abschiedsspiel hierher mit Rummenigge, Flick, Pflügler, Nachtweih und so weiter. Manager Uli Hoeneß überreichte mir dabei einen Blumenstrauß. Die Bayern gewannen vor 3500 Zuschauern mit 4:2 gegen den VfR. Bereits am 16. August 1970 reisten die Münchner an einem Sonntagmorgen zu meinem Ablösespiel auf den Holzhof, nachdem sie am Tag zuvor in Stuttgart 1:1 gespielt hatten. Beckenbauer, Hoeneß, Maier, Müller und Breitner waren dabei. So voll wie damals mit 9000 bis 10 000 Zuschauern war es auf dem Holzhof noch nie. 8:1 gewann Bayern.

PZ: Und nun – nach fast 30 Jahren – kreuzt der FC Bayern wieder mit einem Verein des Fußballkreises Pforzheim die Klingen. Wie war Ihre erste Reaktion, nachdem der FC Nöttingen gegen Ihren Ex-Club ausgelost wurde?

Edgar Schneider: Gabi und ich haben die Auslosung live im Fernsehen verfolgt und es nicht für möglich gehalten, dass diese Paarung zustande kommen würde. Es freut mich, dass der FCB nach so langer Zeit mal wieder in die Region kommt und gegen ein Team des Fußballkreises Pforzheim antritt.

PZ: Weil in der kommenden Saison der CfR Pforzheim nun den Zwei-Klassen-Unterschied zum FC Nöttingen überwunden hat, stellt sich die Frage: Hat der CfR auch eine realistische Chance auf ein solches Traumlos?

Edgar Schneider: In der vergangenen Saison stand der CfR Pforzheim bereits im Halbfinale des Badischen Pokals. Wir haben eine gute Mannschaft zusammen und können vielleicht für eine Überraschung sorgen, obwohl in Nordbaden vier Regionalligisten und weitere Oberligisten dabei sind, gegen die es schwer werden wird. Das wäre natürlich auch für uns wie ein Sechser im Lotto, wenn wir in einem Jahr gegen Bayern antreten dürften.

PZ: Werden Sie das Nöttinger Spiel gegen Bayern live erleben?

Edgar Schneider: Wenn der CfR am morgigen Sonntag im Pokalwettbewerb gegen den Landesligisten FC Ersingen gewinnen sollte, bin ich natürlich am 9. August beim Pokalspiel meines CfR in der nächsten Runde dabei. Sollten wir allerdings gegen Ersingen verlieren, was ich nicht glaube und hoffe, fahre ich nach Karlsruhe zu dem Pokalhit, zumal ich eine Karte dafür bekommen könnte.

PZ: Welches Ergebnis des FC Nöttingen gegen Bayern tippen Sie?

Edgar Schneider: Ich bin davon überzeugt, dass Bayern die Partie ernst nimmt, konzentriert zu Werke geht und Nöttingen keine Chance lässt. Ich denke aber, dass sich der FCN selbst mit einer 0:4- oder 0:5-Niederlage sehen lassen kann. Den Nöttingern traue ich zu, dass sie sich gegen Bayern gut verkaufen werden. Dreimal in kurzer Zeit in den DFB-Pokal zu kommen, das muss man erst mal schaffen.

PZ: Wie groß sind die Chancen, dass der CfR am Ende der Oberliga-Saison 2015/16 vor dem FC Nöttingen in der Tabelle steht?

Edgar Schneider: Dafür kenne ich die Oberliga noch zu wenig, um mir ein abschließendes Urteil bilden zu können. Wir haben eine Mannschaft zusammen, die sicher mit vielen Oberligisten mithalten kann. Der FC Nöttingen gehört auf jeden Fall zu den Favoriten auf den Wiederaufstieg in die Regionalliga.