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Nichts zu überwinden war Grunbachs Schlussmann Mathias Dörrich, der von Sportvorstand Torsten Heinemann dafür dasPrädikat „Weltklasse“ verliehen bekam. Fotos: Becker, Hennrich, Fatteicher
Die Szene des Spiels: Thorben Schmidt (rechts, mit Ball), flankt auf Metin Telle (Zweiter von links). Selbst in diesem Videoschnipsel ist schwer zu erkennen, ob Moritz Bischoff (im Strafraum rechts) das Abseits aufhebt oder nicht. Fotos: Becker, Hennrich, Fatteicher
Wegen der Abseitsentscheidung und vieler Zweikämpfe hatte Schiri Michael Kempter (rechts) viel zu tun. Fotos: Becker, Hennrich, Fatteicher
03.10.2012

Ein Pfiff, zwei Meinungen - das Abseitstor beim Derby FCN-TSV

Abseits oder kein Abseits, das war auch nach dem Oberliga-Derby FC Nöttingen gegen TSV Grunbach die zentrale Frage. So ärgert sich der FCN über das 0:0, während der TSV überglücklich ist.

Bildergalerie: 0:0 im Derby FC Nöttingen gegen TSV Grunbach

Bildergalerie: Über 2000 Fans beim Derby FC Nöttingen - TSV Grunbach

Grillgeruch wehte am Montagabend über dem Panoramastadion, Kaltgetränke wurden gezapft. Schiedlich und – trotz einiger harter Zweikämpfe – meist auch recht friedlich hatten sich die Oberliga-Kontrahenten aus Nöttingen und Grunbach gerade mit 0:0 getrennt. Alles gut also, nach dem mit Spannung erwarteten Fußball-Derby? Fast alles: Denn bei Bier und Bratwurst wurde im Nöttinger Clubhaus wieder und wieder über die Szene diskutiert, die dem FC Nöttingen wohl den Sieg gebracht hätte.

Es lief die 71. Spielminute, als Niklas Hecht-Zirpel den Ball zielgenau auf den rechts gestarteten Thorben Schmidt durchsteckte. Der schaute kurz hoch, flankte auf Metin Telle, der den Ball sieben Meter vor dem Tor in den rechten oberen Winkel drosch. Telle fiel glücklich Hecht-Zirpel in die Arme, Schmidt fiel jubelnd auf die Knie – dann fielen alle Blicke gen Linienrichter: Dieser hatte die Fahne oben, Schiedsrichter Michael Kempter pfiff Abseits.

Diese Szene war es, die 30 Minuten später in Dauerschleife auf dem Bildschirm im Clubhaus zu sehen war. Die Krux: Selbst nach dem gemeinsamen Videostudium blieben die Verantwortlichen aus Grunbach und Nöttingen bei ihren unterschiedlichen Meinungen: „Er steht vor den Verteidigern, das war Abseits“, war sich TSV-Trainer Michael Fuchs sicher. „Nein, Moritz Bischoff war näher am Tor“, erwiderte die FCN-Seite.

„Kein Abseits“, meinte später auch Dirk Steidl gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“. Nöttingens Vereinsboss sah in dem abgepfiffenen Tor eine Konzessionsentscheidung: Kurz zuvor hatte Demis Jung nach einem rüden Foul Glück gehabt, nicht Gelb-Rot zu sehen. „Wir sind eben die Mutter Teresa der Liga“, war daraufhin der sarkastische Kommentar Michael Wittwers.

Sonderlob für Hessenberger

Obwohl der Nöttinger Trainer sichtlich angefressen war, gab er sich auf der Pressekonferenz fair: „Glückwunsch an Grunbach, der Punkt war verdient“, so sein kurzes Statement. Darüber, dass sich die Gäste über diesen Zähler angesichts weniger Chancen und der Außenseiterrolle mehr freuten, machte Torsten Heinemann kein Hehl: „Wir sind überglücklich, dass wir mit dieser grandiosen Leistung das 0:0 geholt haben“, so der Grunbacher Sportvorstand, der vor dem Derby tiefgestapelt hatte. Dementsprechend sparte er danach auch nicht mit Sonderlob: Zum einen gab es dies für Torhüter Mathias Dörrich, dem er verbal das „Prädikat Weltklasse“ verlieh. Besonders in den 15 Minuten nach der Pause, in denen Nöttingen – allen voran der stark aufspielende Thorben Schmidt – viel Tempo machte, hatte er das 0:0 gerettet.

Sonderlob hatte Heinemann aber auch für einen von Dörrichs Vorderleuten parat: Jeffrey Hessenberger. „Er hat zuletzt viel Kritik, auch von mir, einstecken müssen“, sagte Heinemann. „Aber wie er heute Leo Neziraj ausgeschaltet hat, das war richtig gut.“

Der Lohn für die Strapazen im Lokalduell folgte für Hessenberger und Co. am Tag nach dem Punktgewinn: Auf dem Münchner Oktoberfest machten sie erst das Käfer- und anschließend das Hippodrom-Festzelt unsicher.

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