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Sie behalten den Überblick: Isabell Henninger (links) und Karin Mahler bei ihrem Linien-Spiel über die Bertha-Benz-Halle. Ketterl
Sie behalten den Überblick: Isabell Henninger (links) und Karin Mahler bei ihrem Linien-Spiel über die Bertha-Benz-Halle. Ketterl
Infokarten wie auch Aktionsfelder sorgen für beste Unterhaltung.
Infokarten wie auch Aktionsfelder sorgen für beste Unterhaltung.
19.02.2016

Ein Spiel mit klarer Linie: Zwei Studentinnen nutzen Linien-Wirrwarr in der Bertha-Benz-Halle

Was für eine geniale Idee! Karin Mahler (23) und Isabell Henninger (22), zwei Studentinnen der visuellen Kommunikation, haben das Linien-Wirrwarr in der Bertha-Benz-Halle genutzt und daraus ein Spiel entwickelt. Den Anstoß zu dieser Semesterarbeit (4.) gab die Stadt Pforzheim. Sie suchte Studenten, die Bauten in Pforzheim kreativ umsetzen können, so dass man diese werbewirksam der Öffentlichkeit präsentieren kann.

Karin Mahler und Isabell Henninger fackelten nicht lange. Schnell hatten sie zwei Objekte im Visier. Den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und die neue Bertha-Benz-Halle. Und das Konzept war klar. „Wir wollten Architektur spielerisch erlebbar machen und zum Entdecken animieren“, sagt Karin Mahler. So nehmen sie in der Publikation für den ZOB die Leser mit auf eine Busreise. „Und in der Bertha-Benz-Halle wird Sport getrieben, also spielen wir ein Spiel“, erklärt Isabell Henninger.

Das Bertha-Benz-Halle-Spiel ist ein echter Hingucker. Es sticht einem quasi ins Auge. Das grelle Grün, die vielen Linien.

Stellt sich natürlich die Frage: Was ist leichter – in der echten Halle die 26 Spielfelder zu identifizieren oder beim Spiel schnell ins Ziel zu kommen? „Mmm“, grinst Karin Mahler. „Ich denke, unser Spiel ist kompakter und deshalb auch einen Tick leichter. Obwohl man trotzdem etwas ins Schwitzen kommt.“

Die beiden Studentinnen haben bei der Planung auf jeden Fall den Überblick behalten. Trotzdem waren sie „erstmal komplett geflasht, als wir die Halle besichtigt haben“, sagt Karin Mahler. „So viel grün und so viele Linien, das ist schon was ganz besonderes.“

Gemeinsam sogen sie die Atmosphäre in der „grünen Hölle“ – so wird die Bertha-Benz-Halle von Sportlern genannt – auf, befragten den Architekten Kristian Krebs, kreierten eine neue Schriftart, zeichneten 1:1 die Linien nach und freuten sich am Ende über den hervorragenden Druck der Firma „Timeprint“. Das Kartensystem war fertig, das interaktive Spiel geboren.

Was man dafür braucht? Einen Würfel, einen Ball, ein Seil, eine Plastikflasche. „Und natürlich etwas Kondition“, grinst Isabell Henninger. Denn nachdem man die 36 Karten – auf einer Seite mit vielen Informationen rund um die Halle versehen – gepuzzelt hat, dreht man sie um und startet mit vier Spielern die Linien-Wirrwarr-Action. Doch keine Angst, die Orientierung verliert man keinesfalls. Eine klare weiße Linien weist den Weg ins Ziel. Doch nicht einfach so. Unterwegs gilt es, verschiedene sportliche Aufgaben zu meistern. „Renne 3 Mal um das Spielfeld, mache 10 Liegestützen und 10 Sit-ups innerhalb zwei Minuten!“, heißt eine von insgesamt 15 Aktivitäten. Das schlaucht.

Neben Denkaufgaben kommt auch die Unterhaltung nicht zu kurz. So erfährt man, warum die Halle komplett grün gestrichen wurde? Was die Leute auf der Straße über die Halle sagen? Und welche Rolle der Lichtplaner beim Bau spielte?

Ein besonderes Highlight ist jedoch das „Fundbüro“. Hier plaudert der Hausmeister aus dem Nähkästchen. Und man erfährt, was es mit der ominösen Trinkflasche von René auf sich hat. Karin Mahler und Isabell Henninger müssen lachen und klären auf: „Wir haben einen Kommilitonen“, sagen sie, „der verliert immer seine Flasche. Wir mussten ihn einfach in unserem Spiel verewigen.“

Verewigen können sich die beiden Studentinnen vielleicht auch bald in Pforzheim. Im März wird im Rathaus entscheiden, ob das Spiel als Präsentation für die Goldstadt taugt und es in den Handel kommt. Dozentin Alice Chi von der Hochschule war jedenfalls schon voll begeistert. Die Stadtoberhäupter werden es bestimmt auch sein.