760_0900_79401_IMG_2774.jpg
Umgeben von all seinen gesammelten Trikots fühlt sich Sören Melzig am wohlsten. Der Fußballer vom FSV Eisingen besitzt weit über 230 verschiedene Jerseys, die er an- aber auch wieder verkauft. Am liebsten nie ausziehen würde der 28-Jährige das Trikots seines Lieblingsvereins Borussia Dortmund. Jahn 
760_0900_79402_IMG_2751.jpg
Mit einem Griff das „hässlichste Trikot“ in der Hand: das vom SSC Neapel aus der Saison 2013/14. 
760_0900_79403_IMG_2809.jpg
Alles schön sortiert: auf dem Smartphone hat der Sammler aus Eisingen alle Trikots gespeichert. 
760_0900_79404_IMG_2761.jpg
Besonders stolz ist Sören Melzig auf ein altes Trikot des VfR Pforzheim, das er bei Ebay ersteigert hat. 
760_0900_79405_IMG_2806.jpg
Auch ein Nöttinger Trikot darf nicht fehlen. Sören Melzig mit dem Dress von Simon Frank. 

Eine Leidenschaft in Polyester - Sören Melzig vom FSV Eisingen sammelt Trikots für sein Leben gern

Wenn es bei Sören Melzig an der Haustüre klingelt, dann schlägt das Herz des 28-Jährigen höher, schließlich ist der Postbote Melzigs bester Freund. Vier bis fünf Mal im Monat beliefert er den Eisinger mit kleinen Päckchen. Melzig sammelt Fußballtrikots – und das mit voller Leidenschaft.

Als die PZ ihn dieser Tage besucht, zeigt er uns erstmal seine wertvollste Wohnungseinrichtung: einen alten Holzschrank. 2,50 Meter hoch, knapp 2 Meter breit. Von außen ist er nicht der Hingucker, doch was zählt, ist der Inhalt. Melzig öffnet die Tür. Eine bunte Mischung an Polyesterhemden sticht uns ins Auge. „Da ist sie“, sagt Melzig. Die Trikotsammlung – sein ganzer Stolz. Weit über 230 Trikots hängen schön sortiert auf dem Kleiderständer. Dieser biegt sich schon etwas. Zum Teil trägt ein Bügel fünf Trikots. Weitere liegen in den Schubfächern. Der Schrank ist voll – von oben bis unten.

Die Leidenschaft zum Trikotsammeln entdeckte Melzig durch seinen zwei Jahre älteren Bruder Jens. Mit ihm und seinen Onkels besuchte der damals achtjährige Sören in der Saison 1998/99 ein KSC-Spiel im Wildparkstadion. Die Mutter hatte ihnen etwas Geld zur Verpflegung mitgegeben. 30 Euro waren noch übrig. In der Halbzeitpause verschwand sein Bruder und hielt ihm wenig später ein nigelnagelneues KSC-Trikot in den Farben Gelb/Rot mit „Becker Navigation“ als Sponsor auf der Brust entgegen. „Das fand ich schon mega“, erinnert sich Melzig. Fortan durfte er sich, der sich fortan über weitere Trikots-Geschenke zum Geburtstag und Weihnachten freuen durfte.

Als er als Ausbildender bei der Firma Hafner in Pforzheim sein erstes Geld verdiente, kaufte er sich selbst Fußballhemden. Erst zwei im Jahr, später vier bis fünf. „Mittlerweile sind es fünf Trikots pro Monat“, grinst der Kicker, der für den FSV Eisingen in der A-Klasse spielt. Auf diversen Internetseiten oder auf Facebook („Trikotsammler“) hält Melzig Ausschau nach Nachschub. Doch er kauft sich nicht nur die Trikots der großen Teams. „Sie müssen schon außergewöhnlich sein und mir gefallen“, sagt er. „Schließlich ziehe ich sie in der Freizeit und auch im Training an.“

Alles auf dem Smartphone

Von den Bundesligisten, klar, hat er fast jedes Trikot. Interessant sind jedoch die von Teams aus anderen Ländern. Melzig schaut kurz auf sein Smartphone. Scrollt hoch und runter. Hier hat er alle Trikots aufgelistet. Nach Größe und nach Preis. Unterm Strich hat er Trikots aus 45 verschiedenen Nationen. Aus Frankreich das von Olympique Lyon, aus Aserbaidschan das vom FK Qäbälä oder eines von Athlone Town, einem Team aus Irland. Zu den exotischsten gehört wohl das Dress von Rakvere JK Tarvas, eine Mannschaft aus Estland. Das teuerste stammt hingegen vom Columbus Crew Soccer Club. Der hochwertige Textilstoff aus Amerika kostete 115 Euro – zuzüglich Versand.

Sein Lieblingstrikot ist – wie könnte es anders sein als Fanclub-Mitglied der Goldstadt Borussen – das Dortmund-Trikot, vom DFB-Pokalfinale 2008, obwohl „sein Verein“ damals mit 1:2 nach Verlängerung gegen die Bayern verlor. „Dieses Trikot habe ich ewig gesucht. Darin haben die Dortmunder nur einmal gespielt“, weiß Melzig. 80 Euro hat er dafür hingeblättert. „Mehr als 120 würde ich aber nie für ein Dress zahlen.“

Kurios: Melzig hat kein einziges Bayern-Trikot in seinem Fundus. Warum nicht? „Die habe ich alle weiterverschenkt oder verkauft. Die Bayern sind mir einfach unsympathisch.“ Das werden seine Eltern nicht gerne hören. Vater Reiner und Mutter Daniela sind Bayern-Fans durch und durch. Bruder Jens hingegen Hertha-Anhänger. „Sie schütteln schon hin und wieder Kopf, wenn es um mein Hobby geht“, erzählt Melzig. Doch das bringt ihn nicht davon ab, seine Sammlung zu erweitern.

In Camouflage-Optik

Für ein Foto breitet er einige Shirts auf der Couch aus. Fast zu jedem kennt er eine Geschichte. Weniger schön, findet Melzig das Jersey des SSC Neapel aus der Saison 2013/14 in Camouflage-Optik. Einen besonderen Platz im Schrank hat hingegen das nostalgisch-angehauchte, grüngelbe Trikot des VfR Pforzheim mit der Rückennummer 3. „Das habe ich bei Ebay für sechs Euro ersteigert. Ein Schnäppchen, aber trotzdem sehr wertvoll“, meint Melzig, der als Jugendlicher selbst für die „Rassler“ spielte.

Wie viele Trikots will er sich noch zulegen? „Es gibt keine Grenzen“, sagt er, „obwohl der Platz schon langsam knapp wird.“

Ein Trikot sucht Melzig schon seit Jahren: das vom Dortmunder Pokalsieg 1989 gegen Bremen (4:1). „Es ist nahezu unmöglich, dieses zu bekommen. Das gibt keiner her. Aber ich suche weiter.“ Bleibt noch zu klären, was seine Freundin Magdalena zu seinem außergewöhnlichen Hobby sagt. „Die lässt es über sich ergehen“, grinst Melzig und fügt hinzu: „Wir haben ja auch etwas gemeinsam: Sie freut sich über die Modepäckchen vom Postbote. Ich mich über dessen Trikotlieferungen.“