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Sebastian Kienle neu © dpa
Sebastian Kienle hat den Ironman auf Hawaii gewonnen.
Sebastian Kienle ist Weltmeister © dpa-Archiv
12.10.2014

Eisenmann Sebastian Kienle gewinnt den Ironman auf Hawaii

Sebastian Kienle hat es geschafft! Der in Knittlingen aufgewachsene und in Mühlacker wohnende Triathlet hat erstmals das härteste Rennen der Welt gewonnen - den Ironman auf Hawaii. Um 2.39 Uhr deutscher Zeit lief er am frühen Sonntagmorgen nach rund 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen als Erster ins Ziel.

Bildergalerie: Sebastian Kienle gewinnt den Ironman

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8:14:18 Stunden - das ist die Zeit, nach der Sebastian Kienle im Ziel war. Bis Sonntag hatte es vier deutsche Erfolge auf Hawaii gegeben. 1997 gewann Thomas Hellriegel, 2004 und 2006 siegte Normann Stadler, 2005 erreichte Faris Al-Sultan als Erster das Ziel auf dem Alii Drive in Kailua Kona.

«Ich habe die Scheuklappen aufgehabt bis ganz zum Schluss», sagte der 30-Jährige aus Mühlacker nach seinem WM-Triumph. Erst auf dem letzten Stück ließ er die Freude und die Begeisterung der Zuschauer an sich heran. «Ich habe das erst die letzten 100 Meter zugelassen und wollte den Moment ein bisschen hinauszögern», sagte er zu dem Augenblick des Innehaltens auf der Zielrampe des Alii Drive in Kailua Kona.

Nach 3,86 Kilometern Schwimmen im Pazifischen Ozean, 180,2 Kilometern Radfahren gegen Wind und Hitze und einem Marathon-Lauf erreichte er in 8:14:18 Stunden mehr als fünf Minuten vor dem US-Amerikaner Ben Hoffman (8:19:23) das Ziel.

Dritter wurde bei seinem Hawaii-Debüt der mitfavorisierte Olympiasieger Jan Frodeno (8:20:32) - trotz eines Platten auf der Radstrecke und einer vierminütigen Zeitstrafe. «Das war Werbung für unseren Sport. Er ist ein Champion», meinte der Saarbrücker über Kienle. Der Berliner Nils Frommholz wurde bei seiner WM-Premiere starker Sechster. Der gebürtige Lemgoer Maik Twelsiek verpasste als Elfter nur knapp die Top Ten.

«Es ist schon noch Wahnsinn. Erst war es ein Traum und irgendwann ein Ziel», sagte Kienle sichtlich befreit von einer Last durch die eigenen Ansprüche. «Immer wenn ich hier in den letzten Tagen nach dem Schwimmen an den Bannern mit den Champions vorbeigegangen bin, die am Pier stehen, dann habe ich gedacht: Da will ich auch mal stehen.»

Nun hat er es geschafft: Als vierter Deutscher nach Thomas Hellriegel (1997), Normann Stadler (2004 und 2006) und Faris Al-Sultan (2005) wird Kienle vom kommenden Jahr an einen eigenen Champions-Banner beim Ausdauer-Klassiker auf Big Island haben. Zudem ist er der erste Triathlet überhaupt, der in einem Jahr die Europa- und die Weltmeisterschaft gewann.

Den entscheidenden Kampf um den Siegerkranz von Hawaii hatte Kienle aber schon lange vor dem Start am frühen Morgen gewonnen. Drei Wochen zuvor war im Training nichts mehr bei ihm gegangen. Am liebsten wollte er nach Hause fliegen und seine Karriere beenden. «Ich bin nach dem 18. Platz bei der 70.3-WM nicht gerade euphorisch nach Kona gereist. Klar fängt man da an, ein bisschen zu zweifeln, an der Vorbereitung, am Training, an sich selber», sagte er.

Doch er tat es nicht, biss sich durch und gewann den Kampf gegen sich: «Beurteile dein Leben nicht nach einem schlechten Tag, beurteile es nach dem besten Tag», lautete das Credo des Vorjahres-Dritten und Vierten von 2012.

Diesen besten Tag seines Lebens erlebte Kienle am Samstag. Nach dem Schwimmen, seiner schwächsten Disziplin, stieg er mit einem Rückstand von weniger als vier Minuten aus dem Pazifischen Ozean. Auf dem Rad setzte er wie gewohnt zur Aufholjagd an und schaffte schon bald den Sprung an die Spitze. Dort fuhr er lange mit Twelsiek zusammen. Bei Rad-Kilometer 140 übernahm er endgültig die Führung. Auch auf der Laufstrecke geriet sein Erfolg nicht mehr in Gefahr.

Das erhoffte Duell mit seinem Kumpel Frodeno fiel indes aus. Der Plattfuß am Rad und besonders die vierminütige Zeitstrafe, weil er sich falsch eingefädelt hatte, brachten den Olympiasieger aus dem Tritt. «Die Strafe hat mental reingehauen», sagte der EM-Dritte. «Ich habe das nur noch durchgezogen, um dem Rennen den Respekt zu zollen. Und auch für die Zukunft, um zu sehen, das Aufgeben keine Option ist.»

Dass er künftig mit Frodeno als Konkurrenten rechnen muss, weiß Kienle: «Der Jan hat nicht nur die körperlichen Möglichkeiten, der ist auch mental bereit, auf diesem Level zu leiden.»

Ein ähnliches Debüt wie Frodeno und Frommholz gelang Julia Gajer («Mein bisher krassestes Rennen.») aus Ditzingen. Sie wurde bei ihrem ersten Hawaii-Start starke Sechste. Den Sieg holte sich zum dritten Mal nach 2010 und 2013 Mirinda Carfrae. Die Australierin fing wenige Kilometer vor dem Ziel die Schweizer Debütantin Daniela Ryf noch ab. Dritte wurde die Britin Rachel Joyce.

Die 33-jährige Carfrae gewann in 9:00:55 Stunden. Im Marathon verbesserte sie ihren eigenen Streckenrekord aus dem Vorjahr mit 2:50:27 Stunden um elf Sekunden. Zum Vergleich: Frodeno war über die 42,195 Kilometer als bester Mann in 2:47:47 Stunden nicht wesentlich schneller.

Einen Tag nach dem sensationellen Rennen meldete sich Kienle auf Twitter zu Wort. "Stay hydrated" schrieb er dort neben einer Flasche Champagner. Frei übersetzt: "Immer genug trinken".

Glückwünsche kamen auch vom Drittplatzierten Jan Frodeno:

Selten war der Zieleinlauf so souverän wie bei Kienle: Im Wasser verlor er zwar 3:43 Minuten auf die Spitze - doch das ist ein ordentlicher Wert, zumal dies seine schwächste Disziplin ist. Nach einer gewohnt bärenstarken Leistung auf seiner Parade-Disziplin - dem Radfahren - lag Kienle rund drei Minuten vor seinem ersten Verfolger, Landsmann Maik Twelsiek, auf Platz 1. Danach baute der 30-Jährige vom Tri Team Heuchelberg auf der Marathonstrecke seinen Vorsprung noch weiter aus - und siegte am Ende etwa fünf Minuten vor dem US-Amerikaner Ben Hoffmann und dem Deutschen Jan Frodeno.

Direkt nach dem Rennende gab es - auch über Twitter, wie die Box zeigt - Glückwünsche aus der ganzen Welt. Schon 2012 war Kienle trotz eines Raddefekts auf Hawaii Vierter geworden, 2013 folgte Platz 3. 

"Nervös wie die Sau" war Kienle vor dem Rennen. Das hatte er seinen Fans auf Facebook verraten:

 

Der Ironman auf Hawaii, der 1978 erstmals stattfand, zählt zu den größten Herausforderungen im Sport. Auf die rund 2000 Teilnehmer warteten 3,86 Kilometer Schwimmen im Pazifischen Ozean, 180,2 Kilometer auf dem Rad und ein abschließender Marathon. Vor allem die Bedingungen mit der großen Hitze, der hohen Luftfeuchtigkeit und dem ständigem Wind machen den Ausdauer-Dreikampf zu etwas Besonderem.