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Alle strahlen: ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, die neunjährige Arwen Frey aus Eisingen, die die Trophäe übergeben durfte, und Deutschlands Sportler des Jahres 2015, Triathlon-Europameister und Hawaii-Sieger Jan Frodeno.  Seeger (2)/Wittek
Alle strahlen: ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, die neunjährige Arwen Frey aus Eisingen, die die Trophäe übergeben durfte, und Deutschlands Sportler des Jahres 2015, Triathlon-Europameister und Hawaii-Sieger Jan Frodeno. Seeger (2)/Wittek
21.12.2015

Eisingerin Arwen Frey überreicht Sportler des Jahres die Siegestrophäe

.Baden-Baden. So ungerecht können Journalisten gegenüber Sportlern sein: Triathlet Sebastian Kienle aus Mühlacker gewinnt 2014 den Ironman Hawaii und wird bei Deutschlands Sportlerwahl des Jahres nur Fünfter. Jan Frodeno aus Saarbrücken schafft in diesem Jahr dasselbe Kunststück und setzt sich gegenüber allen anderen Koryphäen durch. Die neunjährige Arwen Frey aus Eisingen darf Frodeno die Siegestropphäe überreichen.

Doch die Dreikämpfer im Schwimmen, Radfahren und im Laufen sind faire Athleten. Hinzu kommt: Frodeno und Kienle verbindet eine dicke Freundschaft. Wenn der eine gewinnt, muss er dem Konkurrenten und dessen ganzem Anhang ein festliches Essen spendieren. Schon bevor das Ergebnis am Sonntagabend in Baden-Baden verkündet wird, bekennt der aus dem Knittlinger Stadtteil Hohenklingen stammende Vorjahres-Weltmeister „Ich fiebere mit Jan mit.“ Der 31-jährige Kienle gibt sich diplomatisch: „Verdient hätten es viele, die wichtigste deutsche Sportauszeichnung zu erhalten.“ Für ihn ist es eine Ehre, zusammen mit Freundin Christine Schleifer überhaupt am Sonntag auf der Einladungsliste zu stehen.

Immerhin taucht er auf den Bildern, die das ZDF zu später Stunde ausstrahlt, auch auf und der Kommentator überschlägt sich beim Radfahren fast vor Begeisterung: „Sebastian Kienle – wo kommt der denn hergeschossen?“ Weshalb der 34-jährige Frodeno als erster Deutscher sowohl Olympiasieger (in Peking 2008) als auch Weltmeister wird, verrät Deutschlands frischgekürter Sportler des Jahres kurz vor Mitternacht nach der Sendung: „Es ist leicht, in zwei Disziplinen in Form zu sein. Ich versuche, die Balance in drei Sportarten zu finden. Ich schaue am kritischsten von allen Triathleten in den Spiegel, um zu sehen, was ich verbessern kann.“

Verbessern will auch Kienle 2016 einiges und verspricht: „Ich werde fleißig an Jans Thron sägen und will den Hawaii-Titel zurück holen.“ Und weil „Sommersportler im Winter gemacht werden“, fliegt er am zweiten Weihnachtsfeiertag für drei Wochen ins Trainingslager nach Fuerteventura. Unterdessen setzte sich Frodeno bereits gestern ins Flugzeug, um so schnell wie möglich bei seiner schwangeren Frau Emma Snowsil in Australien zu sein.

Kienle steht zwar am Sonntag nicht im Scheinwerferlicht, dafür jedoch eine andere Triathletin aus dem Enzkreis: Die neunjährige Arwen Frey aus Eisingen darf Frodeno die Siegestropphäe überreichen. Vor laufenden Kameras sagt das Mädchen,das dieses Jahr über 100 Meter Schwimmen, zweieinhalb Kilometer Radfahren und 400 Meter Laufen schon rund 15-mal gewonnen hat, dass auch sie wie Frodeno sechsmal pro Woche trainiert.

Dass es für das ZDF gar nicht so einfach war, die Nachwuchshoffnung, die vom Triathlonverband des Landes vermittelt wurde, für den Ehrungsabend in Baden-Baden zu engagieren, macht Pressesprecher Joachim Fleig von ihrem Verein TRT Remchingen deutlich: „Das war ein Behördenmarathon, bis klar war, dass es sich nicht um Kinderarbeit handelt.“

Sollte Arwen Frey in 20 Jahren selbst zu den Geehrten von Baden-Baden gehören sollte, gibt es solche Probleme nicht mehr.