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VfB Stuttgart

Ordentlich aber nicht stark spielte das VfB-Team um Gonzalo Castro (rechts Leverkusens Julian Brandt). Foto: dpa
Ordentlich aber nicht stark spielte das VfB-Team um Gonzalo Castro (rechts Leverkusens Julian Brandt). Foto: dpa
Nachdem VfB-Spieler Santiago Ascacibar (Nr. 6) spuckte, zeigte ihm Schiedsrichter Tobias Stieler die Rote Karte. Danach war der Argentinier erst recht kaum zu beruhigen. Foto: dpa/Murat
Nachdem VfB-Spieler Santiago Ascacibar (Nr. 6) spuckte, zeigte ihm Schiedsrichter Tobias Stieler die Rote Karte. Danach war der Argentinier erst recht kaum zu beruhigen. Foto: dpa/Murat
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14.04.2019

Ekel-Aussetzer von Ascacibar nach 0:1 des VfB Stuttgart großes Gesprächsthema

Stuttgart. Erst hat Santiago Ascacibar gespuckt, nach dem Spiel dann aber den Mund nicht mehr aufgemacht. Sein Feldverweis in der Nachspielzeit war für das 0:1 (0:0) gegen Bayer Leverkusen nicht von Bedeutung, doch die entscheidenden Wochen der Saison werden dadurch noch schwieriger.

Schließlich schwächt die Sperre, die den Argentinier erwartet, die Stuttgarter im zentralen Mittelfeld zusätzlich. Kapitän Christian Gentner und Dennis Aogo sind derzeit verletzt.

Ascacibar wollte erst nicht ins Sky-Mikrofon sprechen und schlüpfte dann in der Mixed-Zone, wo die Fußballer auf die Journalisten treffen, unter der Absperrung durch. Der Mann, der den Titel von „Stadion aktuell“ zierte, hatte keine Lust, seine Fortschritte in Deutsch zu belegen. Unter anderem um seine Sprachkenntnisse war es im Interview mit Ascacibar im VfB-Heft gegangen. Eine Redewendung dürfte er bis zum Samstag noch nicht gekannt haben. „Er hat der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen“, sagte VfB-Trainer Markus Weinzierl.

Für Weinzierl war die Vorstellung, dass sich Ascacibar mit seiner Aktion in Richtung des Torschützen Kai Havertz an dem kühlen Apriltag womöglich bereits in die Sommerpause verabschiedete, nicht erheiternd. Über die Szene ließ sich der Trainer nach dem Spiel nicht aus – er habe sie noch nicht gesehen.

Kaum zu bändigen

Bei der Strafzumessung dürfte erschwerend sein, dass Ascacibar, als ihm Schiedsrichter Tobias Stieler die Rote Karte präsentierte, nur mit Mühe von einer körperlichen Attacke abzuhalten war. Das hatte Weinzierl gesehen, wollte aber nicht weiter darauf eingehen.

Eine ähnliche Zurückhaltung zeigte Rudi Völler. Leverkusens Geschäftsführer wurde an seinem 59. Geburtstag gefragt, ob er an die Weltmeisterschaft 1990 gedacht habe, als ihn der Niederländer Frank Rijkaard bespuckt hatte. Völler verneinte das und ging auf die Ekel-Szene im VfB-Stadion nicht weiter ein. Nur Bayer-Stürmer Kevin Volland bezog eindeutig Position. „Solche Leute braucht man nicht in der Bundesliga“, schimpfte er, nachdem er zunächst gesagt hatte, Ascacibar habe Havertz schon vor der Pause vor die Füße gespuckt.

„Das dulden wir nicht“, sagte am Sonntag dann VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger und kündigte an, Ascacibar zu bestrafen. „Da müssen wir als Verein ein klares Zeichen setzen.“ Gleichwohl lobte Hitzlsperger die Einstellung des 22-Jährigen, der sich allerdings auch schon zehn Gelbe Karten eingehandelt hatte.

Vor 53.657 Zuschauern waren die Stuttgarter nicht wie ein Absteiger aufgetreten. Nur kam offensiv zu wenig. Die Stabilität in der Defensive brachte nichts, da der Ex-Leverkusener Gonzalo Castro Mitte der zweiten Hälfte, als er knapp hinter der Strafraumgrenze Kevin Volland foulte, den Elfmeter verursachte, den der 19-jährige Havertz in seinem 100. Pflichtspiel für Bayer in der 64. Minute souverän verwandelte. „Defensiv strukturiert agieren, ist die Basis. Aber das reicht alleine nicht“, sagte Weinzierl. Seine Hoffnung, dass die Umstellung von Fünfer- auf Viererkette offensiv mehr Durchschlagskraft bringen würde, hatte sich nicht erfüllt. Weinzierl zeigte sich übrigens nicht nur kurz angebunden: Teils blitzten bei ihm auch Humor und Selbstironie auf.

Von hinten droht Gefahr

Die entscheidende Frage ist nun, wie kann der VfB, der in nun 29 Spielen nur 27-mal traf, am Samstag beim Konkurrenten FC Augsburg drei Punkte holen? „Wenn wir 15. werden wollen, müssen wir gewinnen“, stellte Weinzierl jedenfalls schon am Samstag heraus. Wird es jedoch nichts mit einem Sieg, könnte sogar noch Relegationsplatz 16 wackeln. Der 1. FC Nürnberg holte zuletzt jedenfalls fünf Punkte in drei Spielen, somit liegt der 17. nur noch drei Zähler hinter dem VfB.

Ein Punkt gegen Leverkusen hätte die Lage zwar nur unwesentlich verändert, aber das angeknackste Selbstvertrauen gestärkt. Doch für positive Überraschungen sind die Stuttgarter in dieser Saison einfach nicht gut – zumindest bisher nicht.