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Stammplatz auf der linken Seite: Emiliano Insua fühlt sich beim VfB Stuttgart wohl.   Kastl
Stammplatz auf der linken Seite: Emiliano Insua fühlt sich beim VfB Stuttgart wohl. Kastl
14.03.2016

Emiliano Insua macht beim VfB erfolgreich die linke Seite dicht

Emiliano Insua kommt leger daher. Buntes T-Shirt, Wollweste, gepflegter Bart. Die braunen Augen blitzen neugierig, er hört sich jede Frage interessiert an, gibt ausführlich und höflich Antwort. Auf Englisch, denn Deutsch ist für den argentinischen Fußballprofi in Diensten des Bundesligisten VfB Stuttgart trotz eines halben Jahres Unterricht nach wie vor „eine schwere Sprache“.

Immerhin versteht er mittlerweile das meiste, was auf dem Trainingsplatz und auf dem Spielfeld gesprochen wird.

Der 27-jährige Globetrotter in Sachen Fußball scheint in Stuttgart sein Glück gefunden zu haben. „Ich fühle mich hier wohl. Das gilt auch für meine Frau und meinen dreijährigen Sohn, der hier in den Kindergarten geht“, sagt der Abwehrspieler. „Hier gibt es viele zuvorkommenden Menschen. Auch beim Verein.“

Insua, der auf seiner Reise durch Europa die Stationen England, Türkei, Portugal und Spanien mehr oder weniger erfolgreich hinter sich gelassen hat, hat sich beim VfB durchgesetzt. Der 27-Jährige hat alle 25 Spiele in dieser Saison bestritten, sich einen Stammplatz erkämpft und zählt zu den konstantesten Spielern. Die linke Seite ist sein Revier, in dem er mit leicht nach vorne gebeugtem Oberkörper und eingezogenem Nacken die Auslinie nach vorne stürmt und mit Kostic ein kongeniales Duo bildet. Und auch defensiv brennt bei dem zweikampfstarken Argentinier wenig an. Die linke Abwehrseite war eine Problemzone beim VfB, mit Insua kam die nötige Stabilität.

Alles andere als stabil war die gesamte Mannschaft zu Saisonbeginn, was auch Insua in seinen ersten Spielen für den VfB zu spüren bekam. Der damalige Trainer Alexander Zorniger war nach Insuas Meinung von einer einzigen Idee beseelt, doch die beinhaltete „zu viel Risiko“, wie der Argentinier im Nachhinein urteilt. „Es wurde auch zu viel erwartet“, schickt er hinterher. Unter dem neuen Coach Jürgen Kramny ist dagegen alles „kontrollierter. Wir stehen defensiv kompakter und besser. Und mit den Resultaten wächst auch das Selbstvertrauen“, sagt der viermalige argentinische Nationalspieler. „Der Geist in der Mannschaft ist ein anderer geworden.“ Insgesamt ist die Mannschaft seiner Meinung nach flexibler und spielt intelligenter. „Wenn wir pressen können, machen wir das. Wenn es besser ist, sich zurückzuziehen, tun wir eben das.“

Nach wie vor ist auch für Insua der Klassenverbleib mit dem VfB das oberste Ziel, aber er wagt auch den Blick nach oben: „Das Erreichen der Europa League ist vom Potenzial her möglich.“ Die Bundesliga stuft der 1,80 Meter große Argentinier als eine der „drei besten Ligen der Welt“ ein. Die Spielweise kommt ihm hierzulande ohnehin besser entgegen als etwa in Spanien, wo die Schiedsrichter schnell Gelbe Karten zücken. „Hier wird mehr Körperkontakt zugelassen. Und der gehört nun einmal zum Fußball.“

In naher Zukunft ist ein anderes Thema in der Familie Insua vorherrschend. Insuas Frau ist im fünften Monat schwanger. Zur Geburt des zweiten Kindes will sie nach Buenos Aires reisen und nach der Entbindung wieder nach Stuttgart zurückkehren. Ob das Kind eines Tages in Bad Cannstatt in den Kindergarten gehen wird, steht angesichts des bisher unsteten Lebens des Vaters aber noch in den Sternen. „Das weiß man im Fußball nie“, sagt Insua.