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Entlassen: der KSC trennt sich von Trainer Ede Becker.
ede © dpa
19.08.2009

Endstation beim KSC für Edmund Becker

KARLSRUHE. Am Ende ging es unerwartet schnell. Am Mittwoch hat Fußball-Zweitligist Karlsruher SC Edmund Becker beurlaubt. Vorausgegangen waren intensive Gespräche der Vereinsleitung mit dem Trainer und dem Spielerrat.

Erst um 18.00 Uhr gab am Mittwoch der Verein die Trennung offiziell bekannt. Doch da hatte die Meldung von der bevorstehenden Trennung längst die Runde gemacht. Die Indizien hatten sich verdichtet. Das Training am Vormittag war in eine Laufeinheit umgewandelt worden, das Nachmittagstraining wurde ganz gestrichen.
Als Becker gestern zur Mittagszeit nach einem Gespräch die Kabine im Wildparkstadion verließ, sagte er: „Meine Position ist momentan sehr wackelig – deshalb möchte ich jetzt nichts mehr sagen.“ Danach stellte der 53-Jährige klar: Nach einer möglichen Entlassung sei er telefonisch nicht zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt hatten aber einige Spieler vom scheidenden Coach schon erfahren: „Das war’s. Morgen bin ich nicht mehr hier.“
„Wir haben in den vergangenen Tagen intensive Gespräche im Präsidium, mit dem Management und auch dem Trainer geführt. Dabei sind wir zu dem Entschluss gekommen, die Zusammenarbeit zu beenden“, erklärte KSC-Präsident Hubert Raase in einer Pressemitteilung, stellte aber auch sofort klar: „Wir gehen nicht im Unfrieden auseinander.“ Tatsächlich hatten Trainer, Präsident und Manager Rolf Dohmen bis zuletzt den Schulterschluss geübt. Schließlich hatte der Verein Edmund Becker einiges zu verdanken. Als der gebürtige Reichenbacher, der zuvor schon als Spieler sowie Amateur- und Co-Trainer viele Jahre im Verein tätig war, im Januar 2005 die Mannschaft übernahm, drohte der Abstieg aus der 2. Bundesliga. Doch nur zweieinhalb Jahren später führte Becker das Team zurück in die 1. Liga. Wiederum zwei Jahre später ging es aber wieder zurück in Liga zwei. Und seit mehr als eineinhalb Jahren, so scheint es, hat der KSC das Siegen verlernt.
Edmund Becker hatte mit seiner Arbeit neue Begeisterung beim KSC entfacht. Zuletzt aber enttäuschte seine Mannschaft immer wieder. Ganz offensichtlich fand der 53-Jährige nicht mehr den richtigen Draht zu den Spielern.
Auslöser der Trennung war letztlich ein Gespräch, das Manager Dohmen und Vizepräsident Michael Steidl Anfang der Woche mit den Spielern Alexander Iashvili, Michael Mutzel, Godfried Aduobe und Marco Engelhardt vom Mannschaftsrat geführt hatten. In diesem Gespräch wurde offensichtlich genügend Kritik am Trainer geäußert, dass sich der Verein zum Handeln entschloss. „Schon nach der jüngsten 0:2-Pleite beim SC Paderborn hatte Mutzel in einem Interview aufkeimende Kritik an den Spielern mit den Worten gekontert: „An uns Spielern alleine liegt es nicht.“
Zu den Hauptkritikpunkten gegen den Trainern zählte eine zu defensive Haltung und Einstellung auf dem Platz. Damit hatte Becker bereits in der vergangenen Saison große Teile der Fans gegen sich aufgebracht. Aber auch seine Loyalität zu einzelnen Spielern, die dieses Vertrauen nicht immer mit Leistung zurückzahlten, schwächte seine Position zusehends. Auch habe er öfters die harte Hand vermissen lassen, wenn sich Spieler im Training undiszipliniert verhielten.
Auf der anderen Seite wurde Becker aber auch ein Opfer der Umstände. Die leeren Kassen beim KSC verhinderten immer wieder, dass gute Spieler gehalten oder verpflichtet werden konnten. In dieser Saison ist die Lage besonders schwierig. Der teure Torhüter Markus Miller sitzt auf der Tribüne, Verteidiger Dino Drpic spielt zwar, soll aber noch verkauft werden.

Wer Edmund Becker und dessen Assistenten Ralf Becker, der ebenfalls beurlaubt wurde, beerben soll, ist noch offen. Vorerst übernimmt Markus Kauczinski von der Regionalliga-Mannschaft des Vereins das Training. Als mögliche Nachfolger gehandelt werden Friedhelm Funkel, Rudi Bommer und Milan Sasic sowie die ehemaligen KSC-Profis Christian Wück und „Euro Eddy“ Edgar Schmitt.

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