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Wie immer beste Stimmung: Langjährige Teilnehmerinnen des Lauftreffs von der TG Stein haben sich als Engel verkleidet, um sich bei Erich Rieger für sein Engagement im Verein zu bedanken. A. Pausch 

Engel als Dankeschön: Ehemaliger Lauftreff-Leiter der TG Stein beendet nach 61 Jahren seine Karriere

Königsbach-Stein. Als Erich Rieger am 19. September beim Halbmarathon in Karlsruhe die Ziellinie überquert, ist er nicht allein: Bei ihm sind elf Engel, alle weiß gekleidet, mit einem goldenen Diadem auf dem Kopf. Die ganze Strecke haben sie ihn begleitet. "Wo immer sie aufgetaucht sind, haben sie die Blicke auf sich gezogen", erinnert sich Rieger und erzählt: "Das war sehr emotional."

Die Engel sind ein Dankeschön. Denn am 19. September absolvierte Rieger in Karlsruhe seinen letzten Halbmarathon, nachdem er seit 2001 ohne Unterbrechung 20 am Stück gelaufen war. Rieger beendete damit nach 61 Jahren seine aktive Laufbahn bei der Turngesellschaft (TG) Stein.

Bei den Engeln handelte es sich um langjährige Teilnehmer des vereinseigenen Lauftreffs, den Rieger 30 Jahre geleitet hatte: von Mitte der 1980er-Jahre bis 2016. "Sie haben zu mir gesagt: Du hast uns so lange gezogen, jetzt ziehen wir Dich mit", erzählt der 78-Jährige, der bereits mit zehn Jahren angefangen hat, bei der TG Stein Fußball zu spielen.

Vom Fußballer zum Läufer

Mit 17 trat er aktiv in die Erste Mannschaft ein. 16 Jahre lang spielte er auf allen Positionen, auch im Tor. Höhepunkt war der Aufstieg in die damalige zweite Amateurliga. Nach seiner aktiven Fußballer-Zeit wechselte er zu den Alten Herren und wurde Jugendtrainer. Gleichzeitig begann er, beim Lauftreff aktiv zu werden, der damals noch ganz am Anfang stand und nur rund ein Dutzend Teilnehmer hatte.

Zuerst war Rieger einer von ihnen, doch nach dem Tod von Hans Ruf übernahm er die Leitung – und dessen Credo:

"Ihm war es nie wichtig, besonders schnell zu sein, sondern den Menschen den Spaß am Laufen näherzubringen."

Rieger erinnert sich, dass das Laufen damals noch etwas Außergewöhnliches und auf dem Land noch nicht weit verbreitet war. Unter seiner Leitung wuchs der Lauftreff bis 2016 auf 50 Mitglieder an – eine beeindruckende Größe in der Region.

Rieger hat ihn nie als "Kaderschmiede für Läufer" verstanden, sondern legte immer Wert auf eine familiäre Atmosphäre: "Da sind viele Freundschaften entstanden", erzählt der 78-Jährige: "Die Gruppe war eine fest verschweißte Einheit, da hat es nie Ärger gegeben."

Laufreisen führen ihn quer durch Europa

Gerne erinnert er sich an Höhepunkte wie Laufreisen nach Mallorca, Berlin, Wien, Budapest und Prag. Immer wieder nahm er Lauftreff-Mitglieder zu den Volksläufen mit, bei denen er selbst antrat. An Hunderten in Nordbaden und Rheinland-Pfalz hat er teilgenommen. "Damals gab es fast jeden Sonntag einen."

Etwas Besonderes war für ihn immer der Gaißeschennerlauf in Kieselbronn, bei dem so mancher Höhenmeter überwunden werden musste. Mit dem Lauftreff war Rieger regelmäßig auf Wettkämpfen unterwegs. Auch am Sparkassen-Cup hat man immer teilgenommen.

"Wir sind nicht nur zusammen gelaufen, wir haben auch zusammen gefeiert", erzählt Rieger: "Wir waren im positiven Sinn als Spaßgruppe verschrien."

Halbmarathon als Abschluss der Karriere

2016 gab er die Leitung des Lauftreffs ab, blieb aber weiterhin als Läufer aktiv. 2017, 2018 und 2019 gewann er beim Biathlon in Eutingen in seiner Altersklasse. Mit dem Halbmarathon in Karlsruhe beendete er dieses Jahr dann auch seine aktive Zeit als Läufer.

"Mir hat das immer Spaß gemacht", sagt Rieger: "Das Laufen ist Entspannung und hält den Kopf frei." Deswegen wird er es auch nicht ganz aufgeben und weiterhin in der Region unterwegs sein: "Aber nur noch zum Spaß."