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Eine feste Größe im Regionalliga-Team des FC Nöttingen ist Eray Gür. Foto: Ripberger, PZ-Archiv
Eine feste Größe im Regionalliga-Team des FC Nöttingen ist Eray Gür. Foto: Ripberger, PZ-Archiv
30.12.2016

Eray Gür vom FC Nöttingen: „Gegen Profis zu spielen, macht Spaß“

Die Zahl der Erfolgserlebnisse ist überschaubar. Dennoch hat Eray Gür großen Spaß dabei, mit dem FC Nöttingen in der Regionalliga Südwest zu spielen. Wie es sich anfühlt, gegen ehemalige Fußball-Bundesligisten auf dem Platz zu stehen und dabei oft chancenlos zu sein, hat der technisch starke Dribbler im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“ verraten.

PZ: Letzter Platz, schon jetzt ein beträchtlicher Abstand zu einem Nicht-Abstiegsplatz: Wie ist der Teamgeist in der Mannschaft des FC Nöttingen trotz der vielen Niederlagen in der Regionalliga?

Eray Gür: Wie am Anfang. Der letzte Platz in der Regionalliga und die vielen Niederlagen tun natürlich weh. Aber der Teamgeist und die Motivation im Training und beim Spiel sind wie am ersten Tag.

PZ: Es ist erstaunlich, dass beim FC Nöttingen immer noch alles so harmonisch wirkt. Ist es wirklich so?

Eray Gür: Ja, wir wussten ja, was in der Regionalliga auf uns zukommt. Natürlich gibt es mal vom Trainer oder auch vom Kapitän ein paar deutliche Worte – aber gekracht hat es bei uns noch gar nicht und ich glaube auch, dass das für den Rest der Runde so bleiben wird. Wir freuen uns nach wie vor auf jedes einzelne Spiel.

PZ: Gibt es noch eine realistische Chance auf den Klassenerhalt?

Eray Gür: Ich weiß nicht. Es ist schwer, dazu etwas zu sagen. Wir denken von Spiel zu Spiel. Wenn wir mal eine Serie von drei, vier Siegen in Folge hätten, dann sähe die Sache schon etwas anders aus. Und es kommt auch darauf an, wie viele Mannschaften am Ende aus der Regionalliga absteigen. Es könnten drei, aber auch sechs Mannschaften sein, je nachdem, wie viele Mannschaften aus der 3. Liga absteigen oder in diese aufsteigen.

PZ: Könnte ein Trainerwechsel noch etwas bringen?

Eray Gür: Bei dieser Frage will ich mich raushalten. Ich denke, unser Trainer gibt sein Bestes. Unser Tabellenplatz liegt nicht am Trainer, sondern an den Spielern. Ein neuer Trainer hätte dieselben Probleme mit der Situation.

PZ: Wie sieht man das als Spieler grundsätzlich: Als Nöttinger Amateur beinahe jede Woche gegen Profis aus Waldhof, Offenbach oder Saarbrücken spielen zu müssen? Nervt das?

Eray Gür: Nein, es macht Spaß. Wenn man zum Beispiel sieht, wie wir in Saarbrücken gespielt haben gegen Vollprofis. Es ist schön, die so ärgern zu können. Bis zur 85. Minute steht es 2:2 (Endstand 4:2, die Red.). Das macht einfach Laune. Und das nehmen wir auch so mit.

PZ: Der FC Nöttingen scheint zu gut für die Oberliga und zu schwach für die Regionalliga zu sein. Sehen Sie das auch so?

Eray Gür: Oh, schwere Frage. Vor zwei Jahren, als Nöttingen schon einmal in der Regionalliga spielte, war diese nicht so stark wie in der jetzt laufenden Saison. Jetzt ist es schon extrem mit den vielen Ex-Bundes- und Zweitligisten. Die Nöttinger Mannschaft ist ja weitgehend zusammengeblieben. Ja, es könnte schon so sein, dass wir zu stark für die Oberliga und momentan noch etwas zu schwach für die Regionalliga sind.

PZ: Was tun, wenn der FC Nöttingen kommende Saison erneut vor einem Aufstieg in die Regionalliga stehen würde? Lieber verzichten?

Eray Gür: Nein, auf gar keinen Fall. Das Aufstiegsrecht sollte man immer wahrnehmen, auch wenn man weiß, dass es eine Klasse höher wieder sehr, sehr schwer wird. Den Weg sollte man immer gehen. Dafür lebt man ja als Fußballer.

PZ: Im BFV-Pokal steht der FC Nöttingen zum achten Mal in Serie im Halbfinale. Wie stehen die Chancen im März gegen den FC Walldorf?

Eray Gür: Nun ja, dass Walldorf sehr stark ist, das wissen wir aus vielen Vergleichen. Aber wir haben ein Heimspiel. Und zu Hause sind wir stark. Ich schätze, unsere Chancen stehen bei 65 Prozent, dass wir ins Finale einziehen werden.

PZ: Der Finalgegner stünde schon fest. Ein Endspiel gegen den Verbandsligisten Heidelberg-Kirchheim wäre dann wohl ein Selbstläufer, oder?

Eray Gür: Das sehe ich überhaupt nicht so. Heidelberg hat im Halbfinale ja auch den SV Waldhof rausgehauen. Das spricht für eine gewisse Qualität. Ich habe mich mit dem Gegner noch nicht beschäftigt, aber in einem Spiel ist alles möglich. Ein Selbstläufer wird das für uns auf alle Fälle nicht.

PZ: Träumen wir mal ein bisschen weiter: Gäbe es für Sie einen Wunschgegner im DFB-Pokal?

Eray Gür: Vor zwei Jahren gab es ja schon ein Spiel des FC Nöttingen gegen Bayern München. Mein Lieblingsgegner wäre deshalb Borussia Dortmund.

PZ: Sie haben einen Vertrag bis 30. Juni 2017. Bleiben Sie beim FC Nöttingen?

Eray Gür: Es gab noch keine Gespräche. Aber wenn der Verein mich weiter haben möchte, wäre ich bereit. Ich fühle mich hier sehr wohl und bin bei allen Teamkollegen akzeptiert und beliebt.

PZ: Sie haben ja einige Jahre beim Nachwuchs des Karlsruher SC gespielt. Träumen Sie noch von einer Profikarriere?

Eray Gür: Nein, nein, der Zug ist abgefahren. Davon träume ich nicht mehr.