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Bayern beim Papst © dpa
22.10.2014

Erhabene Bayern nach göttlicher Gala zum Papst

Traumtore, Tempo, Tricksereien - über die magische Nacht von Rom mit dem höchsten Auswärtssieg ihrer glanzvollen Europapokalhistorie mussten die Bayern selbst ein bisschen staunen.

Bildergalerie: FC Bayern München zu Gast beim Papst

«Wir durften heute Abend ein Spiel erleben, ich würde es fast geschichtsträchtig nennen. Wenn wir uns in zehn Jahren, wo auch immer, wieder treffen, werden wir uns an diesen Abend erinnern», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kurz nach Mitternacht bei seiner Bankett-Ansprache in der Ewigen Stadt. «7:1 gegen eine der besten Mannschaften Italiens zu gewinnen, ist ein großes Ereignis, eine große Leistung», würdigte er die beängstigend klare Vorstellung.

Am Morgen nach der göttlichen Gala wurde die Reise in die Ewige Stadt mit dem Besuch bei Papst Franziskus auch noch zur Pilgerreise. «Man ist nicht jeden Tag beim Papst. Das ist mit Sicherheit etwas Besonderes», beschrieb Kapitän Philipp Lahm die Ehre der Privataudienz. «Es ist ein besonderer Moment, den man sein Leben lang nicht vergisst», schilderte Manuel Neuer. Als Geschenk hatten die Bayern ein von allen unterschriebenes Trikot mit der Nummer 1 und dem Namen Franziskus mit im Gepäck. Zudem kündigte Rummenigge ein Freundschaftsspiel im kommenden Jahr an, «aus dessen Einnahmen wir dem Heiligen Vater eine Million Euro für karitative Zwecke zur Verfügung stellen».

Am Abend zuvor hatte sich 100 Tage nach dem deutschen WM-Triumph manch einer in Rom an das 7:1 (5:0) des DFB-Teams gegen Brasilien auf dem Weg ins Endspiel erinnert gefühlt. Sicher gebe es «Parallelen» zu dem Ergebnis im Halbfinale, räumte Lahm ein. «Das sind beides tolle Spiele gewesen, aber ich habe jetzt nicht an das Spiel gegen Brasilien mit der Nationalmannschaft gedacht, sondern einfach an den schönen Abend, den wir hier hatten», erklärte Neuer. Und «weltmeisterlich» fanden sich die Münchner auch (noch) nicht. «Das war sicher sehr gut, aber ich weiß nicht, ob der Begriff in die Champions League passt», erklärte Thomas Müller.

Zumal die Partie vor drei Monaten die vorletzte auf dem Weg zum Titel gewesen war und die Münchner nun auf der Route ins Königsklassen-Endspiel noch neun Spiele vor der Brust hätten. «Da kamen keine Déjà-vu-Gedanken auf», versicherte Weltmeistertorschütze Mario Götze, der auch am Dienstagabend traf.

Neben Götze (23. Minute) sorgten der herausragende Arjen Robben (9./30.), Robert Lewandowski (25.), Thomas Müller (Handelfmeter/36.), Franck Ribéry (78.) und Xherdan Shaqiri (80.) zum Teil nach Bilderbuchkombinationen für den Torrausch. Gervinho (66.) traf für die überrollten Römer. «Der Unterschied zu den Bayern hat mich heute schockiert. Hoffentlich wird es in zwei Wochen nicht noch so eine Tracht Prügel geben», sagte Italiens Nationalspieler Daniele De Rossi. Beim Rückspiel am 5. November in der Allianz Arena könnten die Bayern das Weiterkommen perfekt machen. Nach dem 7:1 führen sie die Gruppe E als designierter Gruppensieger mit neun Punkten vor Rom (4), Manchester City (2) und ZSKA Moskau (1) an.

Wir sind Erster und haben alles in der Hand. Es wird schwer werden, dass wir nicht weiterkommen», betonte Neuer. Genüsslich und gemütlich klang der Abend aus, groß gefeiert wurde nicht. «Früher wäre da eine Partystimmung aller erster Güte gewesen. Aber unsere Mannschaft saß da unglaublich seriös, fast schon konzentriert. Das gefällt mir», berichtete Rummenigge vom Kabinenbesuch. «Wir sind noch früh in der Saison. Das hört sich blöd an, aber es gibt noch immer Dinge zu verbessern», begründete Robben nach den sieben Warnschüssen an Europa die Zurückhaltung.

Nur ein Tor fehlte den Münchner Imperatoren im Olympiastadion zu ihrem höchsten Champions-League-Sieg überhaupt, dem 7:0 gegen den FC Basel aus dem März 2012. Aber das störte keinen beim Rekordmeister. «Das war für Rom eine Katastrophe, für uns zum Genießen, aber es ist nur ein Spiel und es geht wieder weiter», sagte Robben und richtete den Fokus schnell auf das Liga-Spitzenspiel am Sonntag bei Borussia Mönchengladbach.

Alles aber glückte auch den Münchner nicht. Zwar stellten die Bayern mit fünf Toren zur Halbzeit ihre Bestmarke vom Erfolg gegen den vom heutigen Roma-Coach Rudi Garcia trainierten OSC Lille 6:1 (5:0) ein. Aber Schachtjor Donezk schaffte in Borissow an einem Abend mit insgesamt 40 Toren in 8 Spielen beim 7:0 (6:0) noch einen Treffer mehr vor der Pause.