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Stehen wieder mit leeren Händen da: Die VfB-Profis (von links) Wataru Endo, Sasa Kalajdzic und Hiroki Ito resignieren nach dem Spiel.  Foto: Weller/dpa 

Erneute Nullnummer des VfB Stuttgart: In Freiburg zum fünften Mal in Folge ohne Tor

Freiburg. Der Schuldige nach dem 0:2 (0:1) beim Europapokal-Anwärter SC Freiburg war für Sven Mislintat in Schiedsrichter Tobias Stieler schnell gefunden. „Schiedsrichterleistungen dieser Art zerstören die Spiele“, polterte er. „Es ist unfassbar, völlig irrsinnig. Es würde nie passieren, dass das gegen Mannschaften zurückgenommen wird, die eine andere Reputation haben als der VfB.“ Schon beim 0:2 gegen RB Leipzig in der Vorwoche fühlten sich die Stuttgarter nach strittigen Entscheidungen ungerecht behandelt.

Zudem musste – oder wollte – sich VfB-Sportdirektor Sven Mislintat nach dem insgesamt zurecht verlorenen Spiel am Sonntag auch noch über Christian Streich ärgern. Freiburgs Trainer hatte die Szene mit den Protagonisten Lukas Kübler vom Sportclub und Alexis Tibidi vom VfB mit „eindeutig kein Elfmeter“ bewertet. Sein „Kübi“ habe überhaupt keine aktive Bewegung gemacht, der Gegenspieler mit dem Fuß bei ihm eingehakt, worauf es einen Kontakt gegeben habe. „Aber“, so Streich, „ein Kontakt ist kein Elfmeter.“ Deshalb sei zum Glück überprüft und korrigiert worden.

Diese Sicht der Dinge brachte Mislintat auf die Palme. „Ich wünsche Christian, falls es irgendwann in der Zukunft mal eine Saison gibt, wo es nicht so gut läuft, auch so eine Entscheidung dieser Art in zwei aufeinanderfolgenden Spielen“, äzte der VfB-Sportdirektor. „Und dann schauen wir mal, wie relaxed er mit Aussagen dieser Art eines gegnerischen Trainers umgeht.“

Streich leidet mit dem VfB

Mal abgesehen davon, dass Streich Ereignisse mit negativen Folgen aus früheren Jahren zu Genüge kennt und dabei gerade der Schiedsrichter Tobias Stieler nicht nur einmal eine herausragende Rolle innehatte: Seine Meinung, dass Fußball „ein Kontaktspiel“ sei und eben kein Ringelpiez ohne Anfassen, hat Freiburgs Trainer schon immer vertreten. „Ein Foul ist Elfmeter, eine Berührung, ein Kontakt nicht.“

Verständnis für die aufgewühlten Seelen der Stuttgarter hat Streich freilich schon. Er leidet mit dem Kollegen Matarazzo mit. „Ich mag den Rino“, sagt der SC-Coach, „wenn bei uns solch wichtige Spieler verletzt gewesen wären wie beim VfB, das hätten wir auch nicht verkraftet.“ Und auch jetzt in Freiburg habe man gesehen, „welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt“.

Das war einerseits korrekt, weil der VfB bis zur geschilderten Elfmeterszene in Minute 35 ebenbürtig war und zudem nur 60 Sekunden später durch Höflers von Ito abgefälschten Schuss das 0:1 und damit den nächsten Tiefschlag hinnehmen musste.

Stuttgart zeigt zu wenig

Im zweiten Durchgang freilich lieferten die Schwaben viel zu wenig, die guten Vorsätze, die sie in der Halbzeitpause gefasst hätten, nämlich beherzt zu attackieren und forsch nach vorne zu spielen, wurden wohlwollend betrachtet gerade mal eine Viertelstunde umgesetzt. Heraus kam eine schöne Flanke von Borna Sosa und ein guter Kopfball von Sasa Kalajdzic, den SC-Torhüter Mark Flekken aber mühelos über die Latte lenkte.

400. Treffer unter Streich

Danach hatten die Freiburger alles unter Kontrolle, das entscheidende 2:0 durch Kevin Schade nach cleverer Kopfballvorarbeit von Ermedin Demirovic war verdient – und sogar von besonders wertvollem Prädikat, weil der 400. Bundesliga-Treffer des SC Freiburg, seit der Trainer Christian Streich heißt.

Unter der Woche 4:1 im Pokal in Hoffenheim, nun Derbysieger gegen Stuttgart und wieder auf Rang fünf – da gehen die Freiburger gut gelaunt in die spielfreien Tage, ehe am 5. Februar der Gang zum 1. FC Köln ansteht.