nach oben
Dirigiert sei fast zwei Jahren als Trainer die U19 der TSG 1988 Hoffenheim: Marcel Rapp aus Ersingen.   GES
Dirigiert sei fast zwei Jahren als Trainer die U19 der TSG 1988 Hoffenheim: Marcel Rapp aus Ersingen. GES
08.02.2019

Ersinger tritt bei Hoffenheim in Fußstapfen von Nagelsmann, Tedesco und Co.

Sinsheim-Hoffenheim. Wenn es einen Trainerjob im deutschen Fußball gibt, der eine steile Karriere verheißt, dann ist es der bei der U19 der TSG 1899 Hoffenheim. Julian Nagelsmann, Domenico Tedesco und David Wagner coachten die Talente aus dem Kraichgau – und sind heute bekannte Namen im Profigeschäft.

Als der heutige Schalke-Trainer Tedesco im März 2017 von Hoffenheims U19 in die 2. Liga nach Aue wechselte, war das die Stunde von Marcel Rapp. Der in Pforzheim geborene Ersinger, der bis dahin die U17 der TSG betreute, erhielt das Vertrauen des Vereins, bei dem er seit 2013 als Nachwuchstrainer tätig ist. Das Fußball-Magazin „Kicker“ fragte sogleich: Ist Rapp der nächste, der ins Profilager aufsteigt?

Von solchen Spekulationen mag Marcel Rapp aber nichts hören. Nicht nur, weil der 39-Jährige (wird im April 40) derzeit ein wenig im Stress ist. Der A-Lizenz-Inhaber macht gerade die Ausbildung zum Fußball-Lehrer an der DFB-Akademie. Er pendelt zwischen Hennef (bei Bonn), Hoffenheim und seinem Wohnort in Kronau hin und her, betreut weiter mit Erfolg die U19 der TSG und ist auch glücklicher Familienvater mit Ehefrau und zwei Mädels, die sich freuen, wenn der Papa zuhause ist.

Die Prüfung in Hennef beginnt in knapp zwei Wochen. Rapp geht davon aus, der er danach die Lizenz in der Tasche hat. Als Eintrittskarte ins große Fußballgeschäft sieht er diese aber nicht. „Klar weiß ich, wer meine Vorgänger waren und was aus ihnen wurde. Aber das ist überhaupt nicht der Antrieb für mich. Ich fühle mich hier bei der U19 der TSG einfach sehr wohl“, betont Rapp. Überhaupt sei auch das Amt als Cheftrainer einer Bundesliga-Nachwuchsmannschaft ein sehr anspruchsvoller Fulltime-Job. „Diese Spieler trainieren unter Profi-Bedingungen“, erklärt Rapp.

Mit der U19 von 1899 Hoffenheim holte Rapp in der vergangenen Saison den Meistertitel in der A-Junioren Bundesliga Süd/Südwest – vor dem großen FC Bayern. Im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft scheiterte die Mannschaft dann am FC Schalke 04. Weil die Profis von 1899 aber für die Champions League qualifiziert waren, kickte Hoffenheims U19 noch in der sogenannten Youth League, die parallel läuft. Während Nagelsmanns Profis ausschieden, qualifizierten sich Marcel Rapps Jungs durch den Gruppensieg vor Olympique Lyon, Manchester City und Schachtar Donezk direkt fürs Achtelfinale, das am 12. oder 13. März stattfindet.

Mit Thomas Selensky aus Birkenfeld, Luca Leon Kölsch aus Niefern-Öschelbronn und Luca Philipp aus Rutesheim stehen immerhin drei Talente aus der hiesigen Region im Team von Marcel Rapp. Da in der Youth League auch zwei ältere Spieler eingesetzt werden können, spielt auch der Pforzheimer Domenico Alberico aus Hoffenheims U23 bisweilen mit. Mit David Otto aus Birkenfeld und Robin Hack aus Calmbach stehen auch zwei Spieler aus der Region im Profikader von Julian Nagelsmann. Marcel Rapp, immerhin 13-facher deutscher U21-Nationalspieler, begann seine Karriere bei den Junioren des 1. FC Ersingen, spielte für den Karlsruher SC und Rot-Weiß Oberhausen in der 2. Liga und hatte später insgesamt 242 Einsätze in der Regionalliga Süd, vor allem für den SC Pfullendorf und die Stuttgarter Kickers. Am Ende seiner Karriere spielte Rapp eine Saison (2011/12) für den FC Nöttingen. In der Saison 2012/13 war er bei den Lilaweißen Co-Trainer von Chefcoach Michael Wittwer, mit dem er heute noch Kontakt hat. Nach einer Hospitanz in Hoffenheim verließ er Nöttingen Ende des Jahres 2012 und begann im Kraichgau als Co-Trainer der U17. „Hoffenheim ist ein ganz toller Verein, die Infrastruktur hier ist super, die Trainingsbedingungen exzellent.“

Rapp schwärmt auch von den Trainerkollegen auf allen Ebenen. „Es herrscht ein reger Austausch. Wir kennen uns alle sehr gut“, so Rapp. Sein Vereins-Praktikum für die Fußball-Lehrer-Lizenz machte er übrigens bei Julian Nagelsmann. Liegt ja nahe, wie so Vieles bei einem Trainer der Hoffenheimer U19.