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15.05.2017

Erstklassiger Neuanfang: Beim VfB Stuttgart und bei Hannover 96 hat sich die Stimmung gedreht

Stuttgart und Hannover sind wieder da. Zwar fehlt rechnerisch noch ein Punkt, doch daran, dass die beiden Erstliga-Absteiger im nächsten Jahr wieder im Fußball-Oberhaus spielen, gibt es keinen Zweifel. War die eine Saison in der 2. Liga am Ende sogar für beide Vereine gut?

Mai 2016: In Stuttgart und Hannover herrscht Alarmstimmung: Nach dem Abstieg liegen die stolzen Traditionsclubs am Boden. Die Atmosphäre rund um die Vereine ist schlecht, die Zukunft ungewiss. „Es war ja fast keiner da“, erinnert sich der heutige VfB-Präsident Wolfgang Dietrich. Kein Trainer, kein Manager, kein Vereins-Chef. Dafür die Fans auf den Barrikaden. Die Zukunft des deutschen Meisters von 2007 ist fraglicher denn je. Bei Hannover 96 überwiegt nach dem Abstieg als abgeschlagener Letzter ebenfalls Tristesse, auch wenn dank des neuen Trainers Daniel Stendel zumindest die Fans wieder etwas wohlgesonnener sind.

Mai 2017: Die Stimmung hat sich komplett gedreht: Nach dem 1:0 der 96er am Sonntag stehen beide Teams jubelnd vor ihren Anhängern, wenn auch etwas zögerlich, da sie den Aufstieg noch nicht zu 100 Prozent sicher haben.

Doch nach dem 0:6 von Eintracht Braunschweig bei Arminia Bielefeld ist die Erstliga-Rückkehr beider Vereine bei jeweils drei Punkten Vorsprung und der deutlich besseren Tordifferenz praktisch fix. „Das war ein rundum perfekter Tag für Hannover 96“, sagt Trainer André Breitenreiter. „Be happy, be happy – wir sind aufgestiegen“, brüllt Stuttgarts Mittelfeldstratege Alexandru Maxim, als er den Platz verlässt.

Ein Jahr - zwei Welten! In beiden Vereinen hat eine Versöhnung mit den Fans stattgefunden, die Atmosphäre am Sonntag war erstligareif. Und beide Clubs haben neue Protagonisten, die nahezu unbelastet von den Enttäuschungen der Vergangenheit ans Werk gehen können. In Stuttgart mussten nach dem Abstieg Präsident Bernd Wahler, Sportdirektor Robin Dutt und Trainer Jürgen Kramny gehen. Mit Trainer Jos Luhukay lagen die Schwaben zwar zunächst daneben, doch mit der Verpflichtung des bis dahin nur Insidern bekannten Hannes Wolf landete der neue Manager Jan Schindelmeiser einen Glücksgriff.

Interessant: Auch in Hannover wurde das Personal auf der Führungsebene noch einmal ausgetauscht, um auf Kurs zu kommen. Anfang März löste Horst Heldt, der mit dem VfB einst Meister geworden war, den beim mächtigen Präsidenten Martin Kind in Ungnade gefallenen Martin Bader als Manager ab, wenig später kam Trainer Breitenreiter für den glücklosen Stendel. Seitdem hat 96 nicht mehr verloren.

Der Abstieg im Nachhinein also als Glücksfall für beide Vereine? „Das ist schwer zu beantworten, aber über den Schritt hat sich in Stuttgart niemand gefreut“, sagte Trainer Wolf: „Das, was daraus geworden ist, ist etwas ganz Besonderes, aber das war ja kein Automatismus. Wie die Leute uns durch die Saison getragen haben, das ist total besonders. Aber ich weiß nicht, ob man dafür absteigen muss.“

Das sehen sie in Hannover auch so. „Ich denke, dass sich auch Hannover 96 den Abstieg gerne erspart hätte. Es zeigt aber auch, was beide Mannschaften geleistet haben. Es ist nicht selbstverständlich, dass beide Absteiger sofort wieder oben mitspielen“, sagte Breitenreiter. Dank ihrer Strahlkraft und vieler Fans tun beide Clubs der ersten Liga gut.