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Familienfoto mit Hund und Medaillen:  Silke Lippok nach der Schwimm-WM mit (von links) Mutter Christine, Vater Andreas und Bruder Nils. Hund Jerry bewacht das wertvolle Edelmetall.
Familienfoto mit Hund und Medaillen: Silke Lippok nach der Schwimm-WM mit (von links) Mutter Christine, Vater Andreas und Bruder Nils. Hund Jerry bewacht das wertvolle Edelmetall.
18.07.2008

„Es soll alles so bleiben, wie es ist“ - WM-Silber für Pforzheimerin Silke Lippok

Sie ist ein Ausnahme-Talent und eine echte Frohnatur. Die 14-jährige Schwimmerin Silke Lippok hat bei der Junioren-WM in Mexiko sensationell Silber über 100 Meter Freistil und in der 4 x 100-Meter-Freistilstaffel gewonnen und war in drei weiteren Endläufen. Mit der Schülerin, die für die SSG Pforzheim ins Becken steigt, unterhielt sich PZ-Redakteur Martin Mildenberger.

PZ-news: Das Abschneiden bei der WM war herausragend. Wie war der Empfang zu Hause in Pforzheim und in der Schule?
Silke Lippok: Überwältigend. Meine Eltern haben mich mit Blumen am Flughafen erwartet. In der Schule (Theodor-Heuss-Gymnasium, die Red.) haben sie ein Plakat für mich gemalt, es gab Geschenke und viele, viele Glückwünsche. Alle haben sich mit mir gefreut.

PZ-news: Ihr Trainer Rudi Schulz sprach von einer Sensation: Waren Sie selber auch sehr überrascht über die zwei Silbermedaillen bei der WM?
Lippok: Doch, auf jeden Fall.Zwar wusste ich nicht so viel über meine Gegnerinnen. Aber ich dachte schon, die Konkurrenz sei viel, viel stärker, weil ja fast alle einige Jahre älter sind als ich. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft hatte ich gehofft, vielleicht in ein Finale zu kommen.

PZ-news: Wie war der Aufenthalt in Mexiko? Ist es eine große Belastung, in der Höhenluft Leistung zu bringen?
Lippok: Die Höhenluft habe ich gar nicht so wahrgenommen. Die hohe Luftfeuchtigkeit in der Großstadt Monterrey war viel schlimmer. Di e Luft ist verschmutzt, es herrscht Smog. Unser Hotel lag mitten in der Stadt. Ich habe aber nicht so viel gesehen, weil ich bei der WM sehr viele Starts hatte.

PZ-news: Sie haben auf den Start über 100 Meter Schmetterling wegen einer Rückenverletzung verzichtet? Wie geht es Ihnen?
Lippok: Dem Rücken geht es schon wieder besser. Ursache war eine Technikumstellung beim Delfinschwimmen. Da habe ich wohl am Anfang ein bisschen zuviel gemacht.

PZ-news: Was sehen die nahen Zukunftspläne aus?
Lippok: Jetzt habe ich erst mal vier Wochen Urlaub. Ich werde zusammen mit der Familie ausruhen und entspannen. Wir werden zweieinhalb Wochen in Spanien verbringen und auch noch an den Bodensee gehen. Anfang September wird dann das Training wieder beginnen.

PZ-news: Ihr Trainer Rudi Schulz sagt, in drei Jahren könnten sie Weltspitze sein, wenn alles normal und reibungslos weiterläuft. Fühlt man sich angesichts solcher Aussagen nicht unter Druck gesetzt?
Lippok: Eigentlich macht mir das gar nichts aus. Ich weiß ja, was ich kann. In Deutschland bin ich schon in der offenen Klasse gestartet und habe einen deutschen Meistertitel geholt (über 50 Meter Schmetterling bei der DM im April, die Red.). Ich sehe das alles sehr gelassen und verspüre keinen Druck.

PZ-news: In vier Jahren sind die Olympischen Spiele in London. Ist das ein erstrebenswertes Ziel für Sie?
Lippok: Ja doch, auf jeden Fall. Das wäre toll, einfach ideal.

PZ-news: Kann man das hohe Niveau, auf dem Sie schwimmen, mit den Trainingsbedingungen in Pforzheim halten? Wie langen bleiben Sie noch in Pforzheim?
Lippok: Ich sehe da bis jetzt keine Probleme. Es kommt doch auf die Trainingsinhalte an und nicht darauf, ob ich in einer 50- oder 25-Meter-Bahn schwimme oder ob ich zwischen Wellenkillerleinen trainiere. Die Einstellung ist wichtig und die Trainingspläne sind wichtig. Ich möchte da eigentlich keine Experimente im Trainingsalltag. Es funktioniert doch alles sehr gut. Wenn ich weggehen sollte, dann käme nur das Leistungszentrum in Heidelberg in Frage. Ich würde das mit der Schule in Pforzheim aber nicht hinkriegen. Deshalb bin ich dafür, dass alles so bleibt, wie es ist.

PZ-news: Wie lassen sich Schule und Spitzensport überhaupt vereinbaren? Ist das sehr schwer?
Lippok: Bis jetzt geht das sehr gut. Ich habe trotz Training immer noch genügend Freizeit und auch ausreichend Zeit für die Hausaufgaben. Die Schule hat viel Verständnis für meinen Sport. Klar muss ich den Stoff, den ich durch Wettkämpfe versäume, nachholen. Da helfen mir auch die Mitschüler. Ich bin, glaube ich, immer noch eine relativ gute Schülerin.

PZ-news: Gibt es neben Schule und Training überhaupt noch Zeit für Erholung, Entspannung und Hobbys?
Lippok: Zeit habe ich noch genug. Samstag und Sonntag habe ich frei, gehe da gerne ins Kino oder an den Baggersee. Eine andere Sportart betreibe ich nicht. Das Schwimmen reicht mir.

PZ-news: Fallen Sie am Baggersee auf durch ihren exzellenten Schwimmstil?
Lippok: Nein, ich schwimme da ganz normal. Da achtet keiner drauf, eher schon auf meine Muskeln. Darauf bin ich schon angesprochen worden.