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Jan Schindelmeiser soll helfen, den VfB Stuttgart zurück in dieFußball-Bundesliga zu führen.
Jan Schindelmeiser soll helfen, den VfB Stuttgart zurück in dieFußball-Bundesliga zu führen.
08.07.2016

Ex-Hoffenheimer Schindelmeiser ist der neue VfB-Sportvorstand

Stuttgart. Ein Schnellschuss sieht anders aus. Fast zwei Monate hat der VfB Stuttgart einen neuen Sportvorstand gesucht. Seit gestern Nachmittag ist er gefunden. Jan Schindelmeiser heißt er. Der 52-Jährige ist Nachfolger von Robin Dutt, der nach dem Bundesliga-Abstieg der Stuttgarter gehen musste. Schindelmeiser weiß um die Bürde der neuen Aufgabe: „Der VfB befindet sich aktuell in einer sehr schwierigen Phase. Der Abstieg und die tiefgreifenden personellen Veränderungen verbunden mit einer hohen Erwartungshaltung sind eine echte Herausforderung.“

In Stuttgart erhält Schindelmeiser einen Drei-Jahres-Vertrag. Zudem komplettiert er den Vorstand um Jochen Röttgermann (Marketing) und Stefan Heim (Finanzen).

Unschönes Aus in Hoffenheim

Von 2006 bis 2010 war der ehemalige Oberligaspieler von Göttingen 05 Manager und später Geschäftsführer der TSG Hoffenheim. Das Aus in Hoffenheim vor sechs Jahren war von unschönen Begleitumständen gekennzeichnet. Trainer Ralf Rangnick hatte Schindelmeiser einst als Manager zum Kraichgau-Club geholt. Mit dem Durchmarsch aus der Regionalliga an die Bundesligaspitze wurde Schindelmeiser zum Geschäftsführer befördert – und plötzlich der Vorgesetzte Rangnicks. Das Verhältnis der beiden litt, von einem Machtkampf im Trainingszentrum von Zuzenhausen war damals die Rede. Schindelmeiser warf im Mai 2010 genervt von sich aus hin – trotz eines Vertrags bis 2014.

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp trat damals laut und deutlich gegen Schindelmeiser nach, indem er ihm vorwarf, seine teuren Vertragsverlängerungen mit umworbenen Stars hätten der TSG Hoffenheim beinahe den Hals gebrochen. Schindelmeiser wehrte sich daraufhin, dass nichts gegen den Wunsch des damaligen Trainers Ralf Rangnick und Dietmar Hopp geschehen sei. Der Ruf war trotzdem beschädigt. Irgendwie. Dabei hatte Schindelmeiser in Hoffenheim bewiesen, dass er einen Blick für Talente hat, die andere nicht entdeckten. Der direkte Durchmarsch von Liga drei an die Bundesligaspitze war auch mit sein Verdienst. In den vergangenen Jahren habe er sowohl von innen, als auch von außen den Blick auf die Vereine schärfen können, sagt Schindelmeiser nun.

Schon früher im Gespräch

Wenn irgendwo in der Fußballrepublik in den vergangenen Jahren ein vakanter Managerposten zu besetzen war, dann wurde Schindelmeisers Name stets genannt. In Köln. In Hannover. In Bremen. Auch beim VfB Stuttgart galt er im Spätjahr 2014 nach dem Bobic-Aus als Kandidat. Zum Zug kamen dann aber immer andere. Beim VfB beispielsweise Robin Dutt, dessen Nachfolge er nun antritt. Aufsichtsratsboss Martin Schäfer sagt: „Wir sind davon überzeugt, mit Jan Schindelmeiser die optimale Lösung gefunden zu haben.“

Seit seiner Trennung von Hoffenheim war Schindelmeiser nicht mehr in einem Proficlub tätig. Zuvor war er für Eintracht Braunschweig, TeBe Berlin und den FC Augsburg tätig gewesen.

Durchaus bemerkenswert am Engagement Schindelmeisers beim VfB: es wurde verhandelt – ohne dass dies frühzeitig durchsickerte. Gemeinsam mit Trainer Jos Luhukay muss Schindelmeiser nun einen Kader zusammenstellen, der den Bundesliga-Aufstieg schaffen soll. Spannend wird dabei, welche Rolle die als Berater verpflichteten Thomas Hitzlsperger und Marc Kienle spielen.