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Und wieder hat er zugeschlagen: Vincenzo Grifo hatte in seinem ersten Jahr beim SC Freiburg öfters Grund zum Jubeln. Foto: dpa
Und wieder hat er zugeschlagen: Vincenzo Grifo hatte in seinem ersten Jahr beim SC Freiburg öfters Grund zum Jubeln. Foto: dpa
Starke Bindung: Freiburgs Trainer Christian Streich mit seinem Mittelfeld-Ass Vincenzo Grifo. Foto: dpa
Starke Bindung: Freiburgs Trainer Christian Streich mit seinem Mittelfeld-Ass Vincenzo Grifo. Foto: dpa
20.05.2016

Ex-Pforzheimer Vincenzo Grifo: „Mit großem Herzen erreicht man viel“

Was für eine Saison für Vincenzo Grifo! Der 23-jährige Pforzheimer hat in seinem ersten Jahr beim SC Freiburg voll eingeschlagen. Durch seine 14 Tore und 14 Vorlagen wurde der Freistoßspezialist schon als „Ronaldo der zweiten Liga“ bezeichnet. Der Zauberfuß gehört zu den Topscorern der Liga und hatte natürlich großen Anteil am sofortigen Wiederaufstieg der Breisgauer. Im PZ-Interview spricht der Mittelfeldspieler über die Aufstiegssaison, seine Entwicklung und welche Chancen er sich nun für die italienische Nationalmannschaft ausrechnet.

PZ: Hallo Herr Grifo, dauert der Party-Marathon in Freiburg noch an. Oder geht so langsam die Puste aus?

Vincenzo Grifo: Wir Fußballer haben eine gute Kondition. So schnell machen wir nicht schlapp (lacht). Aber sicher – so langsam wird es wieder ruhiger in Freiburg. Und die Spieler verabschieden sich jetzt auch in den Urlaub.

PZ: Haben Sie sich eigentlich schon bei Max Kruse bedankt?

Vincenzo Grifo: Sie meinen, weil er mir damals geraten hat, zum SC Freiburg zu wechseln?

PZ: Genau.

Vincenzo Grifo: Ehrlich gesagt: Nein! So gut kennen wir uns auch nicht. Wir sind bei derselben Spielerberater-Agentur (Arena 11, Anm. d. Red.). Vor meinem Wechsel nach Freiburg sind wir uns mal über den Weg gelaufen. Die Entscheidung in den Breisgau zu wechseln, habe ich aber selbst getroffen.

PZ: Nach dieser Saison kann man sagen: Sie haben alles richtig gemacht.

Vincenzo Grifo: Absolut. Ich habe ja gewusst, welche Ziele Freiburg verfolgt und mit einem Wechsel will man sich ja auch immer verbessern. Dass es dann aber für mich so gut läuft, damit konnte ich nicht rechnen. Ich habe aber auch hart dafür gearbeitet. Es hat einfach gepasst – mit dem Trainer, dem Umfeld, der Nähe nach Pforzheim und den Teamkollegen. Unsere brutale Qualität im Sturm war am Ende ausschlaggebend für den Erfolg.

PZ: Worin haben Sie sich nochmal verbessert?

Vincenzo Grifo: In vielen Bereichen, vor allem im taktischen. Der Trainer arbeitet da sehr viel individuell mit uns Spielern. Was mir entgegenkam, war unsere offensive Spielweise. Da konnte ich meine Stärken zeigen.

PZ: Vor allem auch bei Freistößen. Von den 14 Toren haben Sie sechs nach ruhenden Bällen erzielt. Wie oft haben Sie dafür Sonderschichten eingelegt?

Vincenzo Grifo: Ich habe mir immer wieder mal die Kugel nach dem Training geschnappt und unsere Ersatzkeeper auf den Platz gezogen. Die haben sich über das Sondertraining gefreut.

PZ: Welchen Anteil hat Trainer Christian Streich an Ihrer Entwicklung?

Vincenzo Grifo: Einen sehr großen. Er, wie auch das gesamte Trainerteam, schaut bei uns Spielern auf Kleinigkeiten und versucht uns in allen Bereichen besser zu machen. Ich fühle mich bei ihnen sehr gut aufgehoben, was sich natürlich auf meine Leistung ausgewirkt.

PZ: Sie waren in Hoffenheim, bei Dynamo Dresden und beim FSV Frankfurt. Was ist beim SC Freiburg besonders? Viele sagen, hier ticken die Uhren anders.

Vincenzo Grifo: Die Uhren ticken hier nicht viel anderster als in anderen Vereinen. Hier wird genauso professionell gearbeitet wie zum Beispiel in Hoffenheim. Allerdings ist die Vereinsphilosophie eine andere. Ins Detail darf ich hier allerdings nicht gehen, sonst verrate ich zuviel. (lacht) Die Verantwortlichen des SC wissen jedenfalls, wie man miteinander umgehen muss, so dass sich jeder hier wohlfühlt. Die Spieler haben ihren Freiraum, wir verstehen uns alle super, niemand ist sauer, wenn er mal nicht spielt, und niemand schaut nur nach sich. Außerdem lebt die Stadt für den SC, was die Mannschaft nochmal extra motiviert.

PZ: Wo muss der Sportclub noch nachlegen, um nächstes Jahr nicht gleich wieder aus der Bundesliga abzusteigen?

Vincenzo Grifo: Ein großer Kader ist in der ersten Liga von Vorteil. Drei, vier neue Spieler könnten wir schon gebrauchen. Doch auch die zweite Liga ist extrem stark. Und wir haben gezeigt, was mit unserem Kader möglich ist, wenn jeder hundert Prozent gibt. Außerdem zählt immer noch: Mit einem großen Herzen kann man viel erreichen.

PZ: Sie haben noch Vertrag bis 2018. Bayer Leverkusen hat aber schon die Fühler nach Ihnen ausgestreckt. Müssen sich die SC-Fans Sorgen machen?

Vincenzo Grifo: Es kursieren immer wieder die wildesten Gerüchte. Ich weiß von nichts. Klar kann es im Fußball schnell gehen, doch ich fühle mich in Freiburg sauwohl. Mein erstes Ziel war, in die Bundesliga aufzusteigen. Über alles Weitere mache ich mir derzeit keine Gedanken. Es ist nicht geplant, den SC zu verlassen.

PZ: Aber irgendwann wollen Sie doch bestimmt mal Europa League oder Champions League spielen ...

Vincenzo Grifo: Natürlich, das ist der Traum eines jeden Fußballers. Darauf arbeite ich auch hin. In der Champions League zu spielen wäre schon sensationell – oder auch für die „Squadra Azzurra“ aufzulaufen. Doch langsam: immer schön einen Schritt nach dem anderen.

PZ: Als Bundesligaspieler könnten Ihre Chancen für die italienische Nationalmannschaft wieder steigen ...

Vincenzo Grifo: Italien muss künftig auf junge Spieler setzen. Die Zeit unserer Altstars ist vorbei. Ich würde mich natürlich über eine Einladung freuen. Dafür werde ich mich mit guten Leistungen in der Bundesliga anbieten.

PZ: Inter Mailand ist Ihr Herzensclub. Würde es Sie reizen, in der Serie A zu spielen?

Vincenzo Grifo: Inter ist für mich die sympathischste Mannschaft in Italien. Jeder Italiener würde gerne in der Serie A spielen. Ich habe mir allerdings in jungen Jahren zum Ziel gesetzt, mich erst einmal in Deutschland durchzusetzen. Denn wer sich hier in der Bundesliga durchsetzt, kann sich überall durchsetzen.

PZ: Themenwechsel: RB Leipzig ist mit in die Bundesliga aufgestiegen. Für viele Fans ist der Brauseclub ein rotes Tuch. Andere wiederum freuen sich, dass ein Verein aus dem Osten wieder im Fußballgeschäft mitmischt. Wie stehen Sie zum wohl umstrittensten Fußballverein Deutschlands?

Vincenzo Grifo: Leipzig hat natürlich ganz andere Mittel mit seinem Sponsor im Rücken. Ich denke, man muss es akzeptieren. Es steckt viel Qualität in der Mannschaft. Man darf gespannt sein, wie sie sich mit dem neuen Trainer Ralph Hasenhüttl in der ersten Liga schlägt. Aber ganz ehrlich, ich befasse mich mit diesem Thema eigentlich gar nicht. Ich sehe nur das Sportliche.

PZ: Was sagen Sie zum tollen Rundenverlauf Ihres Ex-Clubs, dem 1. CfR Pforzheim, in der Oberliga?

Vincenzo Grifo: Starke Leistung! Da kann ich nur gratulieren. Der Verein ist weiterhin auf einem guten Weg. Das freut mich. Leider habe ich wenig Zeit, um auf dem Holzhof vorbeizuschauen.