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Es gab viel zu besprechen bei der Mitgliderversammlung des FC Nöttingen. Das Führungsquartett zeigt von links Norbert Hauser (Aufsichtsrat), Roland Baran (Ehrenvorsitzender), Dirk Steidl und Jürgen Steimle (AR-Vorsitzender).  Foto: Koller 
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Traurig: Dirk Steidl zeigte Emotionen als er dem verstorbenen Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Vetter gedachte. 

FC Nöttingen: Dirk Steidls Engagement im Basketball sorgt für Zündstoff

Remchingen-Nöttingen. Eines ist sicher: Mitgliederversammlungen des FC Nöttingen sind selten monoton. So wurde auch am Donnerstagabend in der Panoramahalle des Vereins wieder offen und durchaus auch kontrovers diskutiert. Streitpunkt war die Basketballabteilung im Verein, besser gesagt das Engagement des Vorsitzenden Dirk Steidl für die Ballwerferinnen. Es gab aber auch bewegende Momente, als des im Sommer verstorbenen Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Vetter gedacht wurde.

Tränen bei Dirk Steidl, eine brüchige Stimme – das hatten viele der anwesenden 62 Mitglieder wohl noch nie erlebt. „Er war ein besonderer Mensch, ein Vollprofi mit einem lila-weißen Herzen“, ehrte der FCN-Vorsitzende mit stockender Stimme und einigen Pausen den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden, der die Entwicklung des Dorfvereins aus Nöttingen zur Nummer eins in der Region maßgeblich geprägt hatte. Dabei hatten Vetter und sein Zögling über die Jahre auch eine lebhafte Streitkultur gepflegt. Mal seien Stühle geflogen, mal habe man sich beschimpft, so Steidl. Aber am Ende brachte das Duo den Verein immer wieder voran.

Steidl berichtete aber auch von Anfeindungen gegen seine Person, weil der Verein den Verstorbenen nicht gewürdigt habe. Keine Gedenkminute, keine Trauerfeier, kein Nachruf. Mancher hatte sogar vorgeschlagen, das Stadion nach Peter Vetter zu benennen. „Aber Peter hat das alles nicht gewollt. Er hat klare Anweisungen hinterlassen, wie wir nach seinem Tode verfahren sollten. Das haben wir respektiert“, berichtete der Vorsitzende, der unter Tränen erklärte, wie schwer es ihm gefallen sei, dass er und viele andere Weggefährten nicht hätten Abschied nehmen können. Vetters Wunsch entsprechend hatte die Beisetzung nur im engsten Familienkreis stattgefunden.

Ähnliches berichtete Jürgen Steimle, der als Nachfolger jetzt zusammen mit Norbert Hauser den auf zwei Köpfe geschrumpften Aufsichtsrat bildet. Das Duo wurde später am Abend, ebenso wie Steidl als Vorsitzender und die erweiterte Vereinsführung, einstimmig im Amt bestätigt – es gab jeweils nur eine Enthaltung. Dass die aber von Vorstandsmitglied Jürgen Hecht kam, barg eine gewisse Brisanz.

Das liegt auch daran, wie Steidl den Verein führt. Dass er bisweilen im Alleingang Dinge entscheidet. Und dass er viel Energie in die Basketball-Abteilung steckt. Das ist „einigen Hardcore-Fußballfans“ (Steidl) ein Dorn im Auge. Jürgen Hecht gab der Opposition eine Stimme. Er ziehe alle verfügbaren Hüte vor der Steidls Leistung für den Verein, habe aber Bedenken, dass am Ende der Fußball zu kurz komme. „Fußball in der Oberliga, Basketball-Frauen in der deutschen Spitze – das kann einer alleine nicht schaffen“, mahnte Hecht.

Doch der Vorsitzende verteidigte seine „Leidenschaft“, sein „Hobby“. Er sei weiter auch im Fußball immer für jeden da, aber im Basketball könne er sich halt verwirklichen. Und es sei keineswegs so, wie viele befürchten, dass Geld aus der Fußballabteilung in die Basketballerinnen investiert würde, eher könnten mal die Fußballer vom Basketball profitieren.

Wie unterschiedlich die Ansichten sind, zeigte auch die weitere Diskussion. Der Ehrenvorsitzende Roland Baran, der die Wahlen leitete, machte keinen Hehl daraus, wie wenig er den Abweichler Jürgen Hecht verstehen kann. Der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Steimle hingegen dankte Hecht ausdrücklich für die offenen Worte. Und Dirk Steidl kann nicht nur austeilen, er kann auch einstecken: „Ich arbeite daran, dass Jürgen das nächste Mal auch wieder die Hand hebt“, versprach er.

2016 hatte es beim FCN keine Mitgliederversammlung gegeben. Organisatorische und terminliche Gründe nannte Jürgen Steimle als Gründe. Jetzt war also auch einiges nachzuholen. Die Rechenschaftsberichte für die letzten zwei Jahre zeigten eine insgesamt positive Entwicklung. Allerdings konnte die Bilanz nur dank der Sondereinnahmen aus Pokalspielen ausgeglichen werden. Vor allem die Partie im DFB-Pokal gegen Bayern München hatte Nöttingen einen reichen Geldsegen beschert. Sonst hätte man das jährliche Minus von rund 100.000 Euro nicht decken können. So aber habe man noch 120.000 Euro an Verbindlichkeiten getilgt. Es bleibt aber ein Schuldenstand von 840.000 Euro, der sich auf Gemeinde (zinsloses Darlehen über 195.000 Euro), Bank (280.000) und Privatdarlehen (364.000) verteilt.

Die Belastung für Zins und Tilgung beträgt laut Steidl überschaubare 25.000 Euro im Jahr. Und weitere Einnahmen winken, weil das Panoramastadion einen Namenssponsor bekommt: Die Firma Härter Stanztechnik aus Königsbach-Stein.