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Riesengroße Freude herrschte bei den Spielern des FC Nöttingen nach der unglaublichen Aufholjagd am Samstag bei der Spvgg Neckarelz.  Foto: Gössele/PZ-Archiv
Riesengroße Freude herrschte bei den Spielern des FC Nöttingen nach der unglaublichen Aufholjagd am Samstag bei der Spvgg Neckarelz. Foto: Gössele/PZ-Archiv
22.05.2011

FC Nöttingen bleibt an Spitze der Fußball-Oberliga

Nöttingens Trainer Michael Wittwer hat in seinem Fußballer-Leben schon viel erlebt. An eine solche Partie wie am Samstagnachmittag bei der Spvgg Neckarelz kann sich der ehemalige Bundesliga-Profi des Karlsruher SC aber nicht erinnern:

„Dieses Spiel schlägt dem Fass den Boden aus. Das war der absolute Wahnsinn. Ich bin sprachlos, mir fehlen die Worte.“

So wie Wittwer dachten wohl alle der 450 Zuschauer, die ihr Kommen nicht zu bereuen brauchten. Sie sahen ein absolut hochklassiges Oberliga-Spiel, das für beide Mannschaften einer Berg- und Talfahrt ähnelte. Die spielstarken Gastgeber, die als Aufsteiger aus der Verbandsliga auf dem fünften Platz rangieren, legten los wie die Feuerwehr. Nach 19 Minuten schien das Spiel bereits frühzeitig entschieden, denn Neckarelz führte schon mit 3:0. Ein ums andere Mal düpierten die trickreichen Spvgg-Angreifer Heiko Throm und Ugur Beyazal die vollkommen verunsicherte Hintermannschaft des Oberliga-Tabellenführers.

„Ich habe keine Erklärung, was da los war“, zeigte sich Trainer Wittwer noch eine halbe Stunde nach Spielende fassungslos über den desaströsen Auftritt seiner Defensivabteilung in den ersten Minuten der Begegnung: „Das ist wahrscheinlich eine Kopfsache. Einige Spieler werden mit dem Druck des Unbedingt-gewinnen-müssens offensichtlich nur schwer fertig.“

Die Partie schien also schon früh entschieden, das sahen auch die beiden Trainer so. „Wenn man nach etwas mehr als einer Viertelstunde mit 3:0 führt, dann rechnet man schon damit, dass man die Partie auch gewinnt“, meinte Peter Hogen von der Spvgg Neckarelz und Michael Wittwer fügte hinzu: „Nach dem 0:3 hat bei uns wohl keiner mehr an einen Sieg geglaubt.“

Doch nur eine Minute nach dem dritten Neckarelzer Treffer zirkelte Dubravko Kolinger einen Freistoß aus 20 Metern ins Eck und hauchte seiner Mannschaft damit neues Leben ein. Diese krempelte nun die Ärmel hoch und hielt zumindest dagegen. Trainer Wittwer reagierte und brachte schon nach 24 Minuten Matteo Monetta, um das bis dahin zähe Angriffsspiel seines Teams anzutreiben. Richtig gefährlich wurde der Spitzenreiter in dieser Phase aber trotzdem nur durch Standards. Und so war es nicht verwunderlich, dass nach einem weiteren Freistoß das 2:3 fiel: Eine präzise Hereingabe von Riccardo Di Piazza verwertete Neziraj.

Neckarelz hatte das Geschehen dennoch im Griff und die besseren Tormöglichkeiten. Als Heiko Throm in der 55. Minute erneut traf, schien die Partie zum zweiten Mal entschieden. „Nach dem 4:2 habe ich gehofft, dass wir die Nöttinger Moral gebrochen haben. Dem war aber leider nicht so“, sagte Neckarelz-Coach Hogen.

In der Tat: Nöttingen wachte plötzlich auf. „Meine Mannschaft steckt nie auf, das ist einfach das Besondere an ihr“, lobte Michael Wittwer das Engagement in der Schlussphase. Das 3:4 von Neziraj (67.) war quasi das Startsignal für ein zehnminütiges Feuerwerk des FCN. Kolinger wuchtete eine Ecke per Kopf zum 4:4 über die Linie (75.) und nur zwei Minuten später krönte Di Piazza mit einem echten Traumtor (77.) die Aufholjagd der Nöttinger.