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Klare Ansagen an das Team, Zurückhaltung in der Öffentlichkeit: Nöttingens Trainer Michael Wittwer. Foto: Hennrich
07.10.2013

FC Nöttingen ist Tabellenführer, doch der Trainer hält sich zurück

Remchingen-Nöttingen. Michael Wittwer kann schon richtig grimmig dreinschauen, wenn seine Mannschaft verloren hat. Manchmal wirkt der Trainer aber auch brummig, wenn sein FC Nöttingen gewonnen hat. Am Sonntag hätte er nach dem 5:0-Sieg im Panoramastadion eigentlich strahlen können, doch der Überschwang im Erfolgsfall ist einfach nicht Wittwers Sache.

Bildergalerie: FC Nöttingen nach Sieg gegen Hollenbach Tabellenführer

Eine „sehr, sehr solide und souveräne Leistung“ bescheinigte er seinen Oberliga-Kickern anschließend. Ein verbales Freudentänzchen sieht anders aus. Der schnelle Verweis auf die nächsten beiden „schweren Auswärtsspiele“ beim Karlsruher SC II und beim FC Heidenheim II passte schon eher wieder ins gedankliche Konzept des Trainers, der nichts davon hält, das Fell des Bären zu verteilen, ehe er erlegt ist.

Dabei sind die Nöttinger in dieser Saison bei der „Bärenjagd“ in der Oberliga gut dabei. Die Lila-Weißen sind als einziges Team noch ungeschlagen, haben am Sonntag erstmals die Tabellenführung übernommen, weil der Lokalrivale TSV Grunbach in Kehl mit 0:2 patzte.

Schlechte Erfahrungen

Natürlich wollen die Nöttinger aufsteigen. Das hat sich die Mannschaft intern vor der Saison auf die Fahnen geschrieben. Und das hat Wittwer gelegentlich auch schon öffentlich kundgetan. Intern gilt die klare Ansage, öffentlich schweigt er lieber und hält den Ball flach, wenn es um den Aufstieg in die Regionalliga geht. Schließlich hat er auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. In der Saison 2010/11 führte der FCN zur Winterpause die Tabelle mit Vorsprung an, lag lange auf Titelkurs. Am Ende aber entriss der SV Waldhof Mannheim den Nöttingern noch auf der Zielgeraden die Meisterschaft.

Doch das Nöttinger Team wirkt in dieser Saison stabiler, ist ausgeglichener besetzt, vor allem in der Offensive. Die Neuzugänge Michael Schürg, Yasin Ozan und Sebastian Hofmann sorgen für Alternativen und Flexibilität. Nur der FC Heidenheim II (28) hat bislang mehr Tore erzielt als die Nöttinger (26). Und die Abwehr steht. Sieben Gegentore in elf Spielen ist Liga-Bestwert. Obwohl Stammkeeper Sascha Rausch derzeit wegen einer Knie-Operation fehlt – Robin Kraski vertritt ihn allerdings ausgezeichnet – und Holger Fuchs, eigentlich eine Bank in der Abwehrzentrale, derzeit auf links aushelfen muss. Hinzu kommt, dass die Nöttinger im ersten Spiel gegen Ravensburg – ein 3:3 nach 3:0-Führung – schon fast die Hälfte ihrer Gegentore kassierten.

Gewachsenes Selbstvertrauen

16 Punkte gab es aus den letzten sechs Spielen. Mit den Erfolgen ist auch das Selbstbewusstsein gewachsen. „Der Auftritt hat gezeigt, dass wir das Zeug dazu haben, uns oben festzusetzen“, sagte Kapitän Timo Brenner nach dem Hollenbach-Spiel.

Und die Konkurrenz hat den FCN selbstverständlich auch auf der Rechnung. „Ich bin sicher, Nöttingen ist bis zum Schluss vorne dabei. Und ich würde es Euch auch gönnen“, sagte Hollenbachs Trainer Ralf Stehle nach der bitteren 0:5-Lektion für sein Team im Panoramastadion. Da grätsche Jürgen Hecht, der beim FCN die Pressekonferenzen leitet, sofort dazwischen: „Das ist ein Thema, das mag unser Trainer nicht so“, belehrte er den Gast mit einem freundlichen Lächeln. Michael Wittwer widersprach nicht.