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Machten sich nach dem 0:3 in Freiburg so ihre Gedanken: Felix Zachmann und Trainer Michael Wittwer. Foto: PZ-Archiv, Eibner
Machten sich nach dem 0:3 in Freiburg so ihre Gedanken: Felix Zachmann und Trainer Michael Wittwer. Foto: PZ-Archiv, Eibner
30.11.2015

FC Nöttingen sauer: War der Schiri-Ärger programmiert?

Im Fußball hält man sich ja mittlerweile mit öffentlicher Kritik gegenüber Schiedsrichtern zurück, doch der Auftritt von Tobias Fritsch aus Bruchsal am Samstag beim Oberliga-Spiel des FC Nöttingen beim Freiburger FC machte die Gäste so rasend, dass sie mit scharfer Kritik nicht hinterm Berg hielten. Die 0:3-Niederlage akzeptieren die Nöttinger, nicht aber den Auftritt und das Verhalten von Referee Fritsch. „Wir sammeln derzeit alle Fakten rund um das Spiel in Freiburg und prüfen, ob wir etwas in die Wege leiten werden“, sagte am Montag Dirk Steidl.

FCN-Manager Steidl war immer noch „absolut enttäuscht und verärgert“ über das, was in Freiburg passiert ist. „Das hatte mit Fairplay nichts zu tun.“

Es waren nicht nur die Platzverweise für Leutrim Neziraj (Gelb-Rot), Mario Bilger (Rot) und Simon Frank (Rot, wobei dieser Platzverweis berechtigt war), die die Nöttinger auf die Palme brachten, sondern vielmehr die „verbalen Entgleisungen“ von Referee Fritsch vor, während und nach dem Spiel. Steidl bezeichnete diese, ohne näher darauf eingehen zu wollen, als „für den Sport bedenklich“. Die Nöttinger vermuten außerdem, dass hinter dem Auftritt von Fritsch eine Retourkutsche steckt. „Dass es dazu kommen könnte, ist uns vergangene Woche mitgeteilt worden“, berichtet Steidl und verweist auf angebliche Nachrichten in den sozialen Netzwerken.

Warum sollte Fritsch aber eine Retourkutsche starten? Laut Steidl könnten dafür zwei Dinge ausschlaggebend sein. Zum einen, weil der FCN schon länger ein Problem mit Rolf Karcher, früher Vorsitzender des SV Spielberg, jetzt Schiedsrichter-Obmann des Badischen Fußballverbandes (BFV), habe und zum anderen, weil Trainer Michael Wittwer beim BFV-Pokalfinale in diesem Jahr gegen den SV Spielberg in Langensteinbach mit Schiedsrichter Tobias Fritsch aneinander geraten war.

Damals, so Steidl, hätte Fritsch vor dem Endspiel die Aussage getätigt: „Heute pfeife ich Spielberg zum Pokalsieg.“

Zwischen dem FCN und Rolf Karcher bestünde dagegen schon seit Jahren eine „große Disharmonie“, weil er in seiner Funktion als Schiedsrichterbeobachter in der Vergangenheit Trainer Wittwer im Nachhinein Geldstrafen aufgebrummt hätte. Spuren hinterlassen hat gewiss auch eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen Rolf Karcher und Dirk Steidl, die ein Verfahren vor dem Verbandsgericht nach sich zog, wobei allerdings niemand bestraft wurde.

Das Verhältnis zwischen dem FCN und Rolf Karcher – nicht allerdings zum SV Spielberg – ist demnach seit Jahren vergiftet. Das wisse man auch beim Verband, trotzdem setzte man mit Simon Karcher einen Verwandten des Schiedsrichter-Obmanns für die Partie am Samstag gegen Freiburg an. Einer Ablehnung des FCN diesbezüglich wurde nach zweimaliger Anfrage der Nöttinger dann auch stattgegeben. Dafür wurde Tobias Fritsch eingesetzt. Die Folgen sind bekannt.

Karcher: Keine Stellungnahme

Angesprochen auf die Vorfälle in Freiburg meinte Rolf Karcher am Montag gegenüber der PZ nur: „Ich kann dazu keine Stellungnahme abgeben, weil wir uns in einem laufenden Verfahren befinden.“ Die Nöttinger haben allerdings noch keine Meldung an den Verband gemacht. „Wie gesagt, wir tragen erst einmal alle Fakten zusammen“, so Steidl, „dann werden wir sehen. Wir wollen auf jeden Fall, dass die Wahrheit auf den Tisch kommt.“ Fakt ist derzeit, der Oberliga-Spitzenreiter muss am Samstag im Heimspiel gegen den Tabellen-15. FC Villingen auf drei gesperrte Spieler verzichten. Doch Steidl ist nicht bange, er gibt sich kämpferisch: „Die Mannschaft muss jetzt eine Reaktion zeigen – und das wird sie auch.“