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Der Illinger Fußballer Andre Wagner ist für Dustin Seidel (rechts) Freund und Vorbild. Das Trikot, das ihm der SVI-Kapitän und Defensiv-Stratege überreichte, will der Torhüter der zweiten Mannschaft in Ehren halten.  Fotos: Privat 
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B. Färber 

Falscher Ire sorgt beim SV Illingen für richtig viel Spaß

Wenn sich Mannschaftskameraden foppen, bekommen Außenstehende das normalerweise nicht mit. Im Internet-Zeitalter kann es allerdings auch anders aussehen: So war es kürzlich bei den Fußballern des SV Illingen (Kreisliga A 3 Enz/Murr).

Angefangen hat alles damit, dass Benjamin Färber, der sich beim SVI um die Medienarbeit kümmert, Kapitän Andre Wagner kurzerhand mit einem Eintrag auf Facebook zum 30. Geburtstag gratulierte. Seinem Post folgten die üblichen „Gefällt mir“-Klicks, es gab aber auch einen englischen Kommentar, der auf eine Unterhaltung mit dem Spieler am Rande eines Tests in Ensingen Bezug nahm und Wagners Wesen rundum pries. Obendrein bat „Dustin Buddy O’Reilly“, wie sich der Schreiber nannte, mit wohl gewählten Worten um ein signiertes Trikot des SVI-Kapitäns.

Meldete sich da etwa ein nach Illingen übersiedelter Ire zu Wort? Oder ein englischer Groundhopper, der auf seiner To-do-Liste im Sommer den Punkt „Sportplatzbesuch beim TSV Ensingen“ abgehakt hat? In jedem Fall folgte eine schriftliche Reaktion auf gut Schwäbisch. „Mir gugget, was sich macha lässt“, lautete die Antwort.

Danach herrschte öffentlich Stille. Aber na klar, intern gab es schon Frotzeleien in Sachen Trikotwunsch, wie die „Pforzheimer Zeitung“ inzwischen erfuhr.

Die PZ hakte nach, um in Erfahrung zu bringen, wie die Sache denn weitergegangen sei. Illingens Mediendirektor freute sich über das Interesse und Färber zögerte auch nicht, die Dinge zurechtzurücken.

Unterhaltsam wie Bud Spencer

Hinter „Dustin Buddy O’Reilly“ verbirgt sich der Torhüter der SVI-Reserve. Beim jungen Mann aus dem B-Liga-Team steht tatsächlich Dustin Buddy im Ausweis – als Nachname statt O’Reilly allerdings Seidel. Sein Zweitname ist übrigens eine Reminiszenz an Schauspieler Bud Spencer.

Dass aus Seidel im Internet O’Reilly wird und vor allem, dass er gut Englisch kann, ist nicht gerade Zufall: Er hat Verwandtschaft in Nordamerika, ist Groundhopper und als Fan von West Ham United immer wieder bei Premier-League-Spielen. Zudem möge er „die irische Kultur“. Mit Wagner und Co. geht es auch mal nach Pforzheim in den Irish Pub.

Im Gespräch zeigt sich schnell, dass Seidel ein Spaßvogel ist – und immer für einen Spruch gut. Mit der speziellen Weise, Wagner zu gratulieren, setzte er im Grunde einen Insider-Gag in die Welt.

Es stimmt aber, dass der Torhüter den sechs Jahre älteren Wagner, der sich auch schon bei Illingens Nachwuchs engagierte, sehr schätzt. So fiel es SVI-Mediendirektor Färber letztlich nicht schwer, die PZ-Vorlage zu nutzen. Am jüngsten Heimspieltag übergab Wagner Seidel ein weißes ärmelloses Hemd mit blauer Nummer 13, was Geschichtslehrer Färber bildlich dokumentierte.

Doch was macht Wagner so besonders? „Er ist aufgeschlossen, immer zuvorkommend und für jeden im Verein ein Vorbild“, schwärmt Seidel drauf los. Einfach jeder möge „AW 13“, wie Wagner intern genannt wird. Bei der Frage nach den fußballerischen Fähigkeiten des Kapitäns setzte Seidel die Lobeshymne fort. Wagners „Fernschuss“ sei bemerkenswert, ansonsten sei er sehr vielseitig: „Er kann auf allen Positionen spielen – außer vielleicht im Tor.“

Denkwürdige Spiele gegen VfB

Wagners Heimatverein ist der VfR Sersheim, doch schon in der Jugend spielte er für den SVI – in der C-Jugend-Landesliga sogar gegen den VfB Stuttgart. Da begriff er, dass es nicht gehen würde, sein Hobby zum Beruf zu machen.

Inzwischen ist Wagner Betriebswirt. Seidel sei „ein bisschen durchgeknallt“, meint er. Die Aktion mit dem Trikot gefiel aber auch dem Illinger Kapitän: „Das war schon cool.“ Grundsätzlich steht Wagner nicht so gern im Mittelpunkt. In jedem Fall war es ihm recht, dass die Übergabe etwas abseits erfolgte und er nicht gleich darauf angesprochen wurde.

Eine augenzwinkernde Ehrerweisung durch die Hintertür ist ihm sicher lieber als eine Lobpreisung in großem Rahmen. Gewiss wird der SVI-Kapitän auch nicht darauf pochen, dass sich Seidel das Wagner-Trikot, wie angekündigt, übers Bett hängt. Doch zuzutrauen ist dem 24-Jährigen, dass Worten wieder Taten folgen ...

Illingen vor schwerem Auswärtsspiel – Gegner SV Iptingen in früher Saisonphase erneut stark

Ein I-Duell steht in der Kreisliga A3 Enz/Murr an. Der SV Iptingen erwartet den SV Illingen. „Es ist immer eklig“, sagt Illingens Kapitän Andre Wagner über Gastspiele beim anderen SVI (Sonntag, 15Uhr). Insgesamt drückt sich in seinen Ausführungenaber vor allem Respekt aus. Iptingen könne sich „gut wehren“ und sei gerade auf eigenem Platz gefährlich, zumal sich das Fußball-Team von Trainer Martin Weeber mit den Jahren spielerisch weiterentwickelt habe. Nach fünf Partien sind die Clubs Tabellennachbarn: Illingen als Fünfter hat mit zehn Punkten nur einen mehr als Iptingen. Das Team aus der Gemeinde Wiernsheim hat zuletzt einmal mehr eine Niederlage beim TSV Kleinglattbach (0:1) kassiert. Bereits drei Siege bedeuteten aber – wie im Vorjahr – einen guten Start. Doch regelmäßig spielt Iptingen gegen den Abstieg. Illingen handelte sich zuletzt ein 2:3 gegen den TSV Häfnerhaslach ein. Dennoch sagt Kapitän Wagner: „Ziel ist Platz eins bis drei.“

Ralf Kohler

Ralf Kohler

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