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Ihre Abwehrstärke ist beim Weltcup gefragt: Annkatrin Aldinger vom TSV Dennach.
Ihre Abwehrstärke ist beim Weltcup gefragt: Annkatrin Aldinger vom TSV Dennach.
Alwin Oberkersch
Alwin Oberkersch
28.07.2016

Faustball-Frauen-Weltcup in Dennach: Interview mit Alwin Oberkersch

Er ist Faustballer, Trainer, Sportwissenschaftler und kann auch gut mit dem Mikrofon umgehen. Das macht Alwin Oberkersch (35) in der deutschen Faustball-Szene und für den internationalen Verband IFA zu einem begehrten Mann. Als Moderator führte das IFA-Präsidiumsmitglied schon bei WM, DM, Länderspielen oder beim Europapokal fachkundig durchs Programm. Das wird Oberkersch auch während des Frauen-Weltcups am 6. und 7. August in Dennach tun, wenn Bundesligist TSV Dennach auf das brasilianische Team Clube Duque de Caxias trifft. PZ-Redakteur Peter Hepfer unterhielt sich mit dem Experten über das bevorstehende Großereignis.

PZ: Herr Oberkersch, bei anderen Sportarten werden Top-Wettbewerbe für gewöhnlich in größeren Städten ausgetragen. Den Zuschlag für den Frauen-Weltcup 2016 hat diesmal der TSV Dennach erhalten. Ist das typisch Faustball?

Alwin Oberkersch: Da muss man schon ein bisschen differenzieren. Die Frauen-WM 2014 fand in Dresden statt, die Männer-WM 2011 in Wien, Salzburg und Linz. Es ist aber schon typisch für Faustball, dass der Weltcup auch mal in einen kleineren Ort wie Dennach vergeben wird. Das unterstreicht die familiäre Note in unserer Sportart und ist ein Dankeschön für alle freiwilligen Helfer in den Vereinen, die viel Arbeit investieren. Mit „König Fußball“ zum Beispiel kann sich Faustball keinesfalls vergleichen. Auf die rund 30 000 aktiven Spielerinnen und Spieler in Deutschland können wir aber stolz sein.

Zur Person

Alwin Oberkersch ist Jahrgang 1981 und wurde in Stuttgart geboren. Großgeworden ist der ehemalige Bundesligaspieler beim TV Stammheim. Seit 2013 fungiert er dort auch als Teammanager. Mit seinem Heimatverein gewann Oberkersch 2010 die deutsche Meisterschaft. 2011 wurde er Vizemeister und erreichte das Europapokalfinale. Seine Faustballer-Laufbahn begann der Stuttgarter aber erst mit 17 Jahren, weil er vorher dem Fußball den Vorzug gab, aufgrund körperlicher Probleme aber die Sportart wechseln musste. Der 35-jährige Diplom-Sportwissenschaftler ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 2015 ist er IFA-Präsidiumsmitglied und war bei mehreren Faustball-Weltmeisterschaften und im Europapokal als Moderator für den Verband tätig. pep

Sie sind 35 Jahre alt und haben mit Weltmeisterschaft oder Europacup schon viele Großveranstaltungen begleitet. Was erwartet das 700-Einwohner-Örtchen Dennach beim Weltcup?

Ich bin beim TV Stammheim in Stuttgart großgeworden. Daher kenne ich Dennach sehr gut. Das ist ein absoluter Höhepunkt in der Vereinsgeschichte aber auch für den gesamten Ort. Weltcup-Spiele werden schließlich nicht jedes Jahr in Deutschland, geschweige denn in Dennach ausgetragen. Die weltbesten Frauen-Teams treffen aufeinander. Da sind Spitzensport und Spannung programmiert.

Machen Sie doch mal einem Nicht-Faustballer Appetit. Worin liegt der Reiz bei diesem Sport?

Faustball ist eine sehr athletische und schnelle Sportart, bei der zumeist mit Schmetterbällen gepunktet wird. Dabei kommen aber auch Technik und Cleverness, wie etwa bei Stoppbällen nicht zu kurz. Es geht ständig auf und ab. Minutenlanger Leerlauf oder Langeweile wie zum Beispiel im Fußball gibt es nicht. Für Action ist immer gesorgt.

Im vergangenen Jahr war der TSV Dennach Europapokal-Gastgeber. War das eine Empfehlung für den Weltcup?

Der TSV Dennach gilt als äußerst rühriger Verein. Und es ist der Wahnsinn, wieviele große Turniere man dort schon auf die Beine gestellt hat. Nun wird mit dem Weltcup noch eine Schippe draufgelegt. Vereinsführung und Helfer in Dennach stellen auch höchste Ansprüche an sich selber. Die Planungen haben 2015 angefangen. Seit ein paar Wochen wird auf der Anlage gearbeitet, um alles herzurichten und einen würdigen Rahmen zu schaffen. Das ist keine leichte Aufgabe.

Als aktueller deutscher Meister und Europapokalsieger in der Halle sowie auf dem Feld sind die Dennacher Faustballerinnen derzeit europaweit das Nonplusultra. Was macht den Erfolg aus?

In Dennach gibt es viele gute Faustballerinnen. Ich denke aber, die Nationalspielerinnen Sonja Pfrommer und Anna-Lisa Aldinger muss man hervorheben. Sonja zählt sicher zu den besten drei Angreiferinnen auf der Welt. Anna-Lisa hat als Abwehrchefin eine Riesen-Spielübersicht. Beide reißen ihre Mannschaft mit. Gegen dieses Bollwerk ist nur schwer etwas auszurichten.

Wie stehen die Chancen für das Dennacher Team den Weltcup zu gewinnen?

Ich sehe das als 50:50-Geschichte. Die Tagesform wird wohl entscheiden. Vielleicht hilft Dennach auch der Heimvorteil. Man sollte die Brasilianerinnen aber nicht unterschätzen. Duque de Caxias hat den Weltcup 2015 gewonnen und ist Titelverteidiger. Im Sport sind Brasilianer generell sehr emotional, zeigen Willen und oftmals eine unbändige Siegermentalität. Darauf müssen sich die Dennacherinnen einstellen und gegenhalten.

Die beiden Weltcup-Spiele in Dennach sind auch ein Duell der Schlagfrauen: Sonja Pfrommer auf Dennacher und Tatjane Schneider auf brasilianischer Seite. Welche Spielerin ist stärker?

Sonja ist für mich die komplettere Spielerin – athletisch, schnell, sprunggewaltig, mit einem enormen Zug im Arm. Tatjane Schneider, die vom Namen her sehr deutsch klingt, ist größer als Sonja und sehr kräftig. Auf alle Fälle können sich die Zuschauer auf schnelle Spiele freuen. Die Abwehr wird viel zu tun haben.

Was könnte den feinen Unterschied ausmachen?

Der Kopf, die Cleverness, die Coolness und die Nerven. Ich hoffe, dass sich die Dennacherinnen vor eigenem Publikum nicht zu sehr unter Druck setzen. Bei den Brasilianerinnen kommt es darauf an, wie sie die lange Anreise verkraften. Wenn beide Mannschaften ihr volles Potenzial ausschöpfen, werden wir zwei Riesen-Duelle sehen.

Welche eigenen Erwartungen haben Sie an das Weltcup-Spektakel in Dennach?

Ich wünsche mir vor allem eine gute Stimmung, einen perfekt gestalteten Center-Court und dass das Wetter mitspielt. Es wäre schön, wenn möglichst viele Zuschauer aus der Region kämen. Auch solche, die diesen Sport vielleicht noch nicht so gut kennen. Sie sollen sich vom Faustball begeistern lassen.