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Bei Faustball-Nationalspielerin Anna-Lisa Aldinger vom TSV Dennach ist gute Laune praktisch garantiert.   Eibner
Bei Faustball-Nationalspielerin Anna-Lisa Aldinger vom TSV Dennach ist gute Laune praktisch garantiert. Eibner
23.08.2017

Faustballerin: „Wenn wir den Titel holen, raste ich aus“

Nach der Faustball-DM ist für Anna-Lisa Aldinger und Sonja Pfrommer vom TSV Dennach kurz vor der Heim-EM. Am heutigen Donnerstag trifft sich das Nationalteam in Calw. Und Zuspielerin Aldinger ist für die Europameisterschaft trotz der jüngsten Enttäuschung mit Platz vier bei der Endrunde um die deutsche Meisterschaft optimistisch.

PZ: Frau Aldinger, wissen Sie was Fritz-Walter-Wetter ist?

Anna-Lisa Aldinger: Nee – keine Ahnung.

PZ: Regnerisches Wetter, wie es Fritz Walter, Kapitän der deutschen Fußball-Weltmeister von 1954, bevorzugte. Sie haben von Regen aber vermutlich genug ...

In Moslesfehn hatte es in den Wochen vor der DM stark geregnet. Schon als wir hinkamen, war der Einspielplatz Matsch, es war auf jeden Fall nicht einfach, zu spielen.Am Wochenende soll das Wetter wohl gut werden, aber wie ich gehört habe, sollen die Calwer den Platz total übernässt haben.

PZ: Wenn der Platz nass ist, ist es völlig anders zu spielen, als bei trockenem Wetter, oder?

Wenn der Rasen nass ist, ist der Ball viel schneller. Ist der Boden dann noch total weich, sinke ich mit meinen Stollenschuhen extrem ein und habe schon Probleme loszukommen. Uns ging es am Wochenende auch so, dass wir oft ausgerutscht sind. Der Rasen soll aber auch nicht steinhart sein: Er soll einfach grasgrün und dicht sein, dann hüpft der Ball am besten.

PZ: Wieviel Druck machen Sie sich nach der missglückten DM-Endrunde?

Die Enttäuschung ist schon groß, nach drei Fünf-Satz-Spielen, von denen man zwei verloren hat.Wir haben inzwischen aber alle das Alter und die Erfahrung, um das schnell abzuhaken. Mein Frust ist nicht mehr so groß, für die EM bin ich schon wieder zuversichtlich.

PZ: Für Deutschland als Weltmeister, Gastgeber und Titelverteidiger zählt eigentlich nur der EM-Titel.

Ja, genau so sieht es aus.

PZ: Außer den großen dreien, Deutschland, Österreich und der Schweiz ist nur noch Italien dabei: Da fragt sich der Außenstehende: Wie ernst ist so eine EM zu nehmen?

Leider spielt Faustball in Europa nicht die Rolle, wie wir es gerne hätten. In Italien gibt es mit Bozen nur einen Verein. Die müssen sich genau überlegen, welche Turniere sie besuchen, denn im Faustball ist alles auch eine Geldfrage.

PZ: Ihre Konkurrentin auf der Zuspielposition hat mit dem TV Jahn Schneverdingen gerade wieder den deutschen Meistertitel geholt. Heißt das, dass Sie es bei der EM erstmal schwer haben werden?

„Hinni“ Seitz und ich spielen schon seit der U 18 zusammen. Ich habe die letzten beiden Finals spielen können, aber wir beide geben uns auf der Position nicht viel und verstehen uns so gut, dass wir uns gegenseitig alles gönnen. Ich bin auch ganz froh, wenn ich weiß, dass ich eine Partnerin habe, die genauso gut spielt, wie ich. Dann kann es ausgeglichen werden, wenn ich einen Durchhänger habe, was nur menschlich ist.

PZ: Wie sehen Sie die Situation im Angriff – sind Ihre Club-Kollegin Sonja Pfrommer und Stephanie Dannecker vom Lokalrivalen Calw das deutsche Angriffs-Duo Nummer eins?

Da bin ich mir nicht so ganz sicher: Aniko Müller von Schneverdingen, mit der ich nun noch drei Tage in Berlin war, hat bei der DM sehr gut gespielt. Auch Pia Neuefeind aus Ahlhorn ist eine Alternative. Vielleicht wechselt die Bundestrainerin also einfach durch.

PZ: Sie hatten voriges Jahr vor dem WM-Sieg in Brasilien in einem Fragebogen erklärt, „wenn wir Weltmeister werden, flippe ich völlig aus, spring im Kreis und kann für nichts mehr garantieren“. Was haben Sie in Calw vor?

Nach dem Finale in Brasilien bin ich zusammengesackt, weil ich erstmal nicht wusste, was ich machen sollte, und es auch gar nicht glauben konnte. Aber am Abend sind wir noch ausgeflippt und haben rumgetanzt. Bei der EMwürde ich, wenn wir wieder den Titel holen, sicher auch ausrasten.