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Wegen eines Faustschlages bei einem Ü30-Fußballturnier in Neuenbürg wurde ein Mann am Mittwoch vom Amtsgericht Pforzheim zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt. Symbolbild: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa 

Faustschlag bei AH-Fußballturnier mit Geldstrafe geahndet

Pforzheim. Wegen eines Faustschlages bei einem Ü30-Fußballturniers in Neuenbürg wurde ein Mann am Mittwoch vom Amtsgericht Pforzheim zu einer Geldstrafe von insgesamt 1800 Euro verurteilt. In einem vorangegangenen Zivilprozess hatten sich der Angeklagte und der Geschädigte bereits auf ein Schmerzensgeld von 700 Euro geeinigt.

Während eines Spiels des Hallenturniers soll es im Februar 2019 zu dem Faustschlag gekommen sein. Ein Spieler soll dabei einem Gegenspieler ein stumpfes Bauchtrauma zugefügt haben.

Angeklagter: „Keine Absicht“

Bis zum Schluss beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. Er habe den Geschädigten nicht absichtlich verletzt. Vielmehr sei dieser in die flache Hand des Beschuldigten hineingelaufen, der zu diesem Zeitpunkt mit den Händen gestikulierte haben will, um den Schiedsrichter nach einem Foulspiel auf sich aufmerksam zu machen. Danach habe er den Geschädigten mit der linken Hand an der Schulter berührt und von sich weggedrückt.

Die Zeugen, die am ersten Verhandlungstag ausgesagt hatten, hatten allesamt keinen Faustschlag gesehen. Auch der Geschädigte hatte den Schlag nicht gesehen, dafür aber gespürt. Mehr Klarheit erhoffte man sich in der zweiten Sitzung vom einzigen neutralen Zeugen, dem Schiedsrichter, und einem Sachverständigen. Der Schiedsrichter gab an, den Faustschlag gesehen und dem Beschuldigten daraufhin die Rote Karte gezeigt zu haben. Zeugenaussagen, denen zu Folge er zum Zeitpunkt des Geschehens den Blick nicht dem Spielfeld zugewandt haben soll, widersprach er: „Ich habe den Faustschlag gesehen, sonst hätte ich ihn nicht werten dürfen.“

Der Sachverständige kam zu dem Schluss, dass es sich höchstwahrscheinlich um einen Faustschlag gehandelt hat. Durch die Version des Angeklagten ließen sich die „massiven Druckbeanspruchungen nicht erklären“, so der Rechtsmediziner. Soll heißen: Wenn der Geschädigte in eine flache Hand gelaufen wäre, wäre die Verletzung nicht so schlimm gewesen, wie auf vier Bildern und von den Ärzten im Krankenhaus dokumentiert. Zudem hatte der Geschädigte laut Gutachten Blut im Urin, was den Sachverständigen in seinem Urteil bestärkte. Den Einwand des Angeklagten, auf mindestens einem Foto seien die Abdrücke seiner Finger zu erkennen, ließ der Rechtsmediziner nicht gelten. Auch bei einem Faustschlag würde keine runde Fläche als Abdruck zurückbleiben, so der Gerichtsmediziner.

Richter glaubt dem Gutachten

Die Verteidigung stellte die Einschätzung des Gutachters genauso in Zweifel wie die Aussage des Schiedsrichters und plädierte auf Freispruch. Richter Dr. Patrick Stemler hielt hingegen beide für glaubhaft und verurteilte den Beschuldigten wegen Körperverletzung. Gegen den Angeklagten habe zudem gesprochen, dass er sich uneinsichtig gezeigt habe und bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten sei – wegen unerlaubten Waffenbesitzes.

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Anna Wittmershaus

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