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Filmen erlaubt: Wenn Michael Schürg (links) und Mario Bilger mit dem FC Nöttingen in der Oberliga knipsen, dürfen Verlage dagegen mit Kameras dabei sein. Foto: Ripberger, PZ-Archiv
Filmen erlaubt: Wenn Michael Schürg (links) und Mario Bilger mit dem FC Nöttingen in der Oberliga knipsen, dürfen Verlage dagegen mit Kameras dabei sein. Foto: Ripberger, PZ-Archiv
Filmen verboten: Marcel Heuchle (1. FC Steinegg) steigt im C-Klassen-Duell gegen Schellbronn II zum Kopfball hoch. Aufnehmen dürfen Verlage wie die PZ dies nicht.
Filmen verboten: Marcel Heuchle (1. FC Steinegg) steigt im C-Klassen-Duell gegen Schellbronn II zum Kopfball hoch. Aufnehmen dürfen Verlage wie die PZ dies nicht.
25.09.2015

Flickenteppich der Video-Rechte: Was in der Oberliga erlaubt ist, ist in der C-Klasse verboten

Zwischen einem „Ja“ und einem „Nein“ liegen im östlichen Enzkreis nur 2,2 Kilometer: Ja – ohne jede Auflage darf Jedermann Spiele des württembergischen Bezirksligisten Phönix Lomersheim filmen. Aber nein – für Partien der 2200 Meter entfernt beheimateten Sportfreunde Mühlacker gilt dies nicht. Schließlich spielen diese im Bereich des Badischen Fußballverbands (BFV). Dort dürfen etwa Verlage nur filmen, wenn der Verband eine kostenlose Kopie des Videos bekommt. Baden, Württemberg, Bayern: Die Filmrechte in den unteren Ligen der Landesverbände gleichen einem Flickenteppich (siehe Kasten) – noch.

Arbeitsgruppe bespricht Details

Denn wie der Badische und der Württembergische Fußballverband (WFV) der PZ bestätigten, laufen Überlegungen über eine überregional einheitliche Regel. „Derzeit befasst sich damit eine Arbeitsgruppe und die Rechtsabteilung des DFB“, sagt BFV-Geschäftsführer Uwe Ziegenhagen. Eine Einigung solle es noch in diesem Jahr geben. Dass dies dringend notwendig ist, zeigt ein weiterer Vergleich: Während Unternehmen selbst in den Pforzheimer C-Klassen das Filmen verboten ist, ist dies beim 1. CfR Pforzheim und dem FC Nöttingen in der Oberliga erlaubt. Denn in dieser wird nach der württembergischen Spielordnung gespielt. „Für Spiele der Oberliga Baden-Württemberg bestehen wir derzeit auf Information des Verbandes und Akkreditierung der Filmer“, sagt WFV-Präsident Matthias Schöck. Weitere Auflagen wie eine Lizenzgebühr oder eine kostenlose Abgabe des Videos gibt es aber nicht. Doch auch Schöck erachtet verbindliche Regeln für diese Spielklasse als wichtig. „Daran arbeiten wir gemeinsam mit den Fußballverbänden in Baden und Südbaden.“

Und in den anderen Ligen, von der C-Klasse bis zur Verbandsliga? „Vereine und Medien der unteren Spielklassen sollten in ihrer Berichterstattung möglichst frei sein, also auch Spiele filmen und hochladen dürfen“, sagt WFV-Präsident Schöck. Sein badischer Kollege Ziegenhagen sieht dies anders: „Für Unternehmen macht es doch keinen Unterschied, ob sie ein Spiel der C-Klasse oder der Oberliga filmen. An beidem haben sie ein Interesse – sei es finanziell oder weil man sich dadurch von Konkurrenten abhebt.“

Für PZ-news waren die lokalen Videos stets ein Zuschussgeschäft. „Dennoch haben wir als Service für unsere Vereine gefilmt und die Videos für alle Zuschauer kostenlos hochgeladen“, sagt PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht. Wegen der Auflagen des BFV habe man diese Dienstleistung auf der Internetseite der „Pforzheimer Zeitung“ zu Saisonbeginn einstellen müssen. „Für die Produktion der Videos bezahlen wir Geld. Daher wollen wir sie nicht dem Verband zur Verfügung stellen, der damit wiederum eigene Portale betreiben kann“, erklärt Schlecht.

Wie schwierig es ist, einen für alle Seiten annehmbaren Kompromiss zu finden, zeigte sich am Montag auf dem Zeitungskongress des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger. Die Chefs bayerischer Medienhäuser diskutierten da mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach über die Beschränkungen in der Video-Berichterstattung. Niersbach kündigte zwar ein „faires Agreement“ zwischen Medienhäusern und Verbänden an. Eine konkrete Lösung nannte er aber nicht.

DFB weicht Fragen aus

Dies wiederholte sich bei einer offiziellen PZ-Anfrage: In seiner ersten Reaktion wich der DFB allen drei gestellten Fragen – etwa dazu, in welchen Ligen das Filmen künftig erlaubt sein soll – aus. Die folgende Nachfrage blieb ohne Erklärung unbeantwortet.

Nach Angaben Ziegenhagens geht es bei der Prüfung der DFB-Rechtsabteilung auch um die Frage, ob Aufnahmen im lokalen Fußball in das Persönlichkeitsrecht der Akteure eingreifen. Doch: Wäre dies der Fall, wären folglich auch keine Fotos vom Amateurfußball mehr erlaubt. Der Bonner Rechtsanwalt Dennis Tölle, der einen Internet-Blog über Bildrechte betreibt, erklärt auf www.rechtambild.de die Rechtslage. Demnach gelten auch Amateurfußballer als sogenannte Personen der Zeitgeschichte und dürften somit auch auf den Vereinsseiten und in der Presse abgebildet werden.