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Vor der Rückkehr in die erste Elf des VfB: Florian Klein (links), hier im Spiel gegen den Wolfsburger Andre Schürrle.  Maurer
Vor der Rückkehr in die erste Elf des VfB: Florian Klein (links), hier im Spiel gegen den Wolfsburger Andre Schürrle. Maurer
18.03.2016

Florian Klein plötzlich wieder erste Wahl beim VfB

Stuttgart. Das Leben eines Fußballprofis ist mitunter nicht vorauszuberechnen. Florian Klein, der Abwehrspieler des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart, kann ein Lied davon singen. Seit der VfB Kevin Großkreutz verpflichtet hat, ist der österreichische Nationalspieler bei Trainer Jürgen Kramny nur noch zweite Wahl.

„Ich hatte bis dahin jedes Spiel gemacht, seit ich zum VfB gekommen bin“, sagt der 29-Jährige. Plötzlich saß Klein nur noch auf der Bank. „Es ist sehr schwierig. Man muss es aber akzeptieren und die Situation so annehmen, wie sie ist“, versuchte er zähneknirschend mit der Situation klarzukommen.

Und plötzlich ist Klein wieder erste Wahl. Der Grund: Großkreutz hat sich einen Muskelbündelriss im Oberschenkel zugezogen und steht in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung. Berufsrisiko. „Es ist sehr ärgerlich für ihn. Aber es gehört zum Fußball dazu, dass es mal bergauf und bergab geht“, sagt Klein. Manchmal ergeben sich aus dem Missgeschick des Kollegen unerwartet neue Perspektiven. Oder: des einen Leid, des anderen Freud.

Profis leben in einer schizophrenen Situation: Einerseits ist Erfolg im Fußball nur im Team möglich, andererseits muss sich der Spieler als Ich-AG im mannschaftsinternen Konkurrenzkampf durchsetzen. Je öfter er spielt, desto bessere Karten hat er bei Vertragsverhandlungen. Der eigene Marktwert steht und fällt mit der Anzahl der Einsätze. Der Fußballprofi probt den Spagat zwischen Teamplayer und Egoist.

Klein musste sich wohl oder übel mit der Rolle des Bankdrückers anfreunden. Viele Möglichkeiten, diesen Status zu ändern, gibt es nicht. „Ich habe versucht, mich im Training anzubieten, mich ins Team zurückzukämpfen und auf meine Chance zu warten“, musste sich der zweifache Familienvater in erster Linie in Geduld üben.

Die zweite Möglichkeit: das Gespräch mit dem Trainer suchen. „Wir haben uns natürlich gelegentlich ausgetauscht“, sagt Klein. Sein persönliches Pech war, dass der VfB ohne ihn erfolgreich spielte. „Da gab es keine Notwendigkeit, Wechsel vorzunehmen. Da muss man eben warten“, erklärt der Abwehrspieler.

Die dritte Möglichkeit wäre, sich nach einem anderen Verein umzuschauen. Der „Kicker“ berichtete bereits über Wechselgedanken, doch Klein dementiert: „Ich habe den Verein nie um eine Freigabe gebeten.“ Sein Vertrag beim VfB läuft noch bis Juni 2017.

Nach der Verletzung von Großkreutz hat Klein wieder gute Karten. Er kann sich mit guten Leistungen im VfB-Trikot für die EM empfehlen, für die Österreich qualifiziert ist. Die erste Gelegenheit bietet sich morgen (15.30 Uhr) gegen Bayer Leverkusen. Unter Druck setzt sich Klein nicht. „Ich gehe in dieses Spiel wie in jedes andere. Das hat in der Vergangenheit nicht schlecht geklappt, und das wird auch jetzt funktionieren.“