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17.07.2008

Früher Wimbledon, heute Wolfsberg

Die Medien überschlugen sich: „Das beste Finale aller Zeiten“ titelten viele Gazetten nach dem Wimbledon-Endspiel zwischen Roger Federer und dem siegreichen Rafael Nadal vor wenigen Wochen. Markus Hantschk weiß wie es ist, gegen die beiden Tennis-Asse zu spielen.

Er hat Nadal und Federer einst das Fürchten gelehrt. Wir schreiben das Jahr 2000, als Hantschk zuerst den aufstrebenden Schweizer bei einem ATP-Turnier im österreichischen Pörtschach besiegt und wenige Wochen später den blutjungen Spanier aus einem Challenger-Cup katapultiert. Heute, knapp acht Jahre später, spielen Federer und Nadal im Tennis-Olymp. Markus Hantschk jagt auch noch der gelben Filzkugel nach – in den Niederungen der 2. Bundesliga. Der 30-Jährige gehört zu den vier Neuzugängen, die der TC Wolfsberg für die am Sonntag startende Saison unter Vertrag genommen hat.

Vielleicht würde Hantschk nicht mal einen winzigen Gedanken an Pforzheim verschwenden, wenn seine Karriere einen etwas anderen Verlauf genommen hätte. 1994, er ist gerade 17 Jahre alt, macht er sich auf in die große weite Tennis-Welt, spielt bei ATP-Turnieren rund um den Globus. Der Start ist schleppend. „Ich war nie so ein Wahnsinnstalent“, räumt Hantschk ein. Weil er aber hart an sich arbeitet, kletterte er in der Weltrangliste immer ein weiteres kleines Stück nach oben.

Am 28. Juni 1999 macht Hantschk das Spiel seines Lebens. In der ersten Runde des Grand-Prix-Turniers von Prag wirft der Bayer das kroatische „Aufschlagsmonster“ Goran Ivanisevic aus dem Rennen. „Ein super Gefühl, einen Top-Ten-Spieler zu schlagen“, erzählt Hantschk rückblickend.

Nachdem er im darauffolgenden Jahr zwei Finale erreicht, ist Hantschk 71. in der Welt. Von da an geht es bergab. Handgelenksverletzungen machen dem Grundlinienspieler mit der wuchtigen Vorhand immer mehr zu schaffen, die Motivation geht flöten. „Ich bin nie sehr gerne gereist und war eigentlich nie der Typ dafür, Woche für Woche anderswo zu übernachten“, erzählt Hantschk, der seine Karriere auf der ATP-Tour im Februar 2005 beendet.

Tennis spielt auch heute noch eine große Rolle in seinem Leben. Mit seinem Bruder Alfred führt er das Sport- und Wellness-Hotel „Ödhof“ in Böbrach im bayerischen Wald. Hantschk kümmert sich um die Tennishalle und gibt Trainerstunden. Vor einem Jahr stand er in der Mannschaft des damaligen Zweitliga-Meisters Wacker Burghausen. Als der Verein sich kurzerhand vom Leistungstennis zurückzieht, legt Hantschk eine Pause ein. Nach einem Jahr Abstinenz hat der Racketschwinger wieder Lust am Leistungssport. Den Kontakt in die Goldstadt stellte Wolfsbergs Teammanager Thomas Hell her. Früher Wimbledon gespielt, heute in der Pforzheimer Nordstadt – ist das nicht ein Abstieg? „Nein“, antwortet Hantschk ohne mit der Wimper zu zucken und fügt hinzu: „Würde ich es als solchen empfinden, hätte ich das Angebot nie angenommen.“ Das zunächst auf eine Spielzeit angelegte Engagement bringt beiden Seiten Vorteile. Hantschk, weil er eine Herausforderung neben dem Job suchte. Und der TC Wolfsberg hat mit dem Ex-Profi-Spieler eine sichere Punktebank an Land gezogen.

Fit hält sich Hantschk im bayerischen Leistungszentrum Oberhaching nahe München. Hin und wieder kommen dort deutsche Spitzenspieler wie Philipp Kohlschreiber oder Florian Meyer vorbei und laden zu Ballwechseln ein. Dann darf sich Hantschk ein bisschen wie in alten Zeiten fühlen.