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Früher Fußballer, heute Rechtsanwalt: Unter anderem beim Oberligisten 1. FC Pforzheim hat Bernd Vogt Einiges erlebt. Foto: Ketterl
Früher Fußballer, heute Rechtsanwalt: Unter anderem beim Oberligisten 1. FC Pforzheim hat Bernd Vogt Einiges erlebt. Foto: Ketterl
Während der großen Zeit des 1. FC Pforzheim verbrachte Bernd Vogt ab 1987 drei Lehrjahre im Brötzinger Tal. Foto: PZ-Archiv
Während der großen Zeit des 1. FC Pforzheim verbrachte Bernd Vogt ab 1987 drei Lehrjahre im Brötzinger Tal. Foto: PZ-Archiv
22.05.2019

Früherer Torhüter aus Knittlingen, Teil des 1. FCP: Anwalt Vogt kennt sogar Pokal-Gesetze

Knittlingen. Als Jurist steht Bernd Vogt für Recht und Ordnung ein, doch als Fußballfreund fasziniert ihn, dass im Pokal eigene Gesetze gelten. Als junger Torhüter des 1. FC Pforzheim erlebte er auf der Ersatzbank denkwürdige Spiele, später konnte sich der Knittlinger selbst in einem Duell David gegen Goliath beweisen, und am Samstag (20 Uhr/ARD und Sky) erlebt er erstmals ein Finale im Berliner Olympiastadion: Mit einer gut 20-köpfigen Gruppe der Alten Herren des FV Knittlingen wird sich Vogt der Partie FC Bayern München gegen RB Leipzig widmen.

Seinen großen Pokal-Auftritt hatte Vogt gegen Ende seiner kurzen Karriere. So ernüchternd die Saison 1992/93 für den VfR Heilbronn lief, dem späteren DFB-Pokalsieger verlangte das Team aus der damals noch vierthöchsten Spielklasse alles ab: Nach der Drittrundenpartie am 10. Oktober titelte die Deutsche Presse-Agentur: „Bayer Leverkusen quälte sich beim Verbandsligisten Heilbronn“, und machte beim Außenseiter drei überragende Spieler aus, darunter den „ausgezeichneten Schlussmann Vogt“.

Dessen Glanztaten sind dank YouTube im Internet verewigt. Trotz allem mussten sich die Heilbronner dem Bundesligisten im heimischen Frankenstadion letztlich mit 0:2 (0:0) beugen. Unter den 7.152 Zuschauern war übrigens die damalige Knittlinger Rathausspitze: Als gebürtigen Heilbronner reizte das Leverkusen-Spiel Schultes Otto Kübler. Seinen Stellvertreter, den Bäckermeister Heinrich Werthwein, interessierte die Partie allein schon deshalb, weil sein Sohn im Tor stand. Inzwischen hat Bernd Vogt das politische Erbe des Vaters angetreten. Der Anwalt ist Vorsitzender der Knittlinger CDU, kandidiert erneut für den Gemeinderat und außerdem für den Kreistag.

Der Jurist mit Spezialgebiet Familienrecht gibt sich eher sachlich, als er im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“ zurückblickt, und doch kommt ein wenig Nostalgie auf. Für ein, zwei Tage fühlte sich selbst Vogt als FCP-Reservist „wie ein Profi“, als der Oberligist im Februar 1988 nach Bremen flog. Durch ein 1:1 im Brötzinger Tal hatten die Pforzheimer im Achtelfinale ein Wiederholungsspiel erzwungen. Auch beim 1:3 im Weserstadion schlugen sie sich prächtig. Dabei handelte es sich beim damaligen Gegner Werder um den angehenden deutschen Meister.

Ein fleißger Lehrling

Bei den Pforzheimern stand mit Roger Essig ein Meister seines Fachs zwischen den Pfosten. Der rund acht Jahre jüngere Vogt, der vom Lokalrivalen VfR Pforzheim kam, akzeptierte die Rolle des Lehrlings. Ihn habe auch nicht das ganz große Talent ausgezeichnet, jedoch Fleiß. Ein Torhüter erreiche meist erst Ende 20 den Höhepunkt, meint Vogt noch heute. Er allerdings trat zugunsten der beruflichen Karriere schon mit knapp 26 ab.

Vogts Loyalität zu Essig belegt, dass er vor seinem Wechsel zum Landesligisten SV Böblingen 1990 der Nummer eins einen Abschiedsbesuch abstattete: „Ich habe ihm auch ein persönliches Geschenk gemacht. Was es war, weiß ich aber nicht mehr“, sagt Vogt. 2017 – am Rande des Kreispokalfinals – haben sich beide ein letztes Mal gesehen. Wenig später war die lokale Fußball-Szene samt Vogt schockiert: „Das gibt`s ja nicht, der Roger doch nicht“, habe er gedacht, als er die Nachricht vom überraschenden Tod des FCP-Idols erhalten habe. Die Trauerfeier in Eisingen zu besuchen, sei für ihn Ehrensache gewesen.

Keine Scheu bei heißen Themen

Im Gespräch mit dem Anwalt ist kein Thema tabu. Angesprochen auf den FCP-Steuerprozess in den 90-er Jahren erzählt Vogt, ein Ermittlungsverfahren sei zunächst auch gegen ihn gelaufen: „Ich hatte das große Glück, dass es zu einer Einstellung kam.“ Damals war für ihn noch der Staatsdienst eine Option war. Noch weniger gern, als jeder andere, wäre Vogt also vor Gericht erschienen.

Das Gute sei letztlich gewesen, dass er als Student einen Freibetrag gehabt habe und „mit 300 DM Grundgehalt nur „Geringverdiener“ gewesen sei. Dennoch sagt der Anwalt: „Ich spreche mich da nicht ganz frei.“

Über seine früheren Kameraden spricht Vogt nur positiv, selbst über einen, der später wegen einer schweren Straftat im Gefängnis landete. Ihn habe er wegen der gemeinsamen Fußballer-Zeit dafür bewundert, dass er im Bus fürs Studium gelernt habe. „Ich hätte das nicht gekonnt.“ In Kontakt ist Vogt zum Beispiel noch mit zweien, die gefürchtete Verteidiger waren und als kernige Typen gelten. „Ich habe sie von einer anderen Seite kennen gelernt“, sagt Vogt über Gerhard Woltersdorf und Harry Waldhaus. Er lobt ihre „Ehrlichkeit und Verlässlichkeit“.

An Mitspieler Jürgen Klopp hat Vogt kaum Erinnerungen: Der heutige Star-Trainer war nur ein halbes Jahr beim FCP und wohl ähnlich unscheinbar wie der Ersatztorhüter. Über ein Wiedersehen nach Jahrzehnten würde sich Vogt freuen. Einstweilen drückt er Klopp aus der Ferne die Daumen. Was das Champions-League-Finale am Samstag kommender Woche angeht, bezieht der Anwalt eindeutig Position: Natürlich solle Klopp mit dem FC Liverpool gegen Tottenham Hotspur gewinnen.