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Mit einem 3:0 gegen den VfL Wolfsburg hat der VfB mit Nicolas Gonzalez (links) und dem Torschützen Daniel Didavi die Relegations-Teilnahme perfekt gemacht. Seitdem herrscht in Stuttgart bessere Stimmung.  Foto: dpa/Gollnow 

Für den VfB Stuttgart geht es im Relegations-Hinspiel gegen Union Berlin um alles

Stuttgart/Berlin. Um den letzten offenen Platz in der Fußball-Bundesliga muss der VfB Stuttgart bis zum Montag gegen den 1. FC Union Berlin kämpfen. Vor dem Relegations-Heimspiel am Donnerstag (20.30 Uhr/Eurosport 2 HD Xtra) steht vor allem der Erstliga-16. unter Druck.

„Es geht um den VfB, es geht um die Region, um das Schwabenland“, sagte Interimstrainer Nico Willig: „Wir müssen dankbar sein für diese Chance. Es ist viel schlecht gelaufen, aber jetzt können wir was gewinnen.“

Auch für Union geht es um viel. In zehn Jahren in der 2. Liga sind die Ansprüche gestiegen: Präsident Dirk Zingler träumt seit Jahren vom Aufstieg und will, dass die Eisernen zu den 20 besten Vereinen Deutschlands gehören. Ein Scheitern in der Relegation würde Platz 21 bedeuten.

Dem VfB droht zwar nach 1975 und 2016 der dritte Abstieg aus der Eliteliga. Allerdings hat sich seit Wiedereinführung der Relegation in acht von zehn Fällen der Erstligist durchgesetzt.

Gegner mit eiserner Defensive

„Das ist eine ganz, ganz harte Nuss und das wissen wir“, sagte Willig jedoch mit Blick auf die starke Berliner Defensive, die so wenige Gegentore zuließ wie kein anderer Zweitligist (33). Stuttgart kassierte hingegen 70 Gegentreffer. Willig, den nach der Saison Tim Walter ablöst, bleibt trotzdem positiv: „Wenn wir uns in einer Woche in den Armen liegen vor Freude, dann ist das einfach ein gutes Bild.“ Er setzt im Hinspiel daheim auf die Unterstützung von 55.000 Fans.

Für Ex-Nationalspieler Matthias Sammer ist klar, dass sich sein früherer Club von der Vorsaison blenden ließ. „Hauchdünn die internationalen Plätze verpasst zu haben, hat natürlich alles ausgelöst, aber keinen Realitätssinn“, sagte der Eurosport-Experte in einem Videobeitrag: „In Stuttgart hast du das Gefühl, dass sie es durch all die Zusammenhänge in einer wahnsinnigen Regelmäßigkeit schaffen, sich fußballerisch selbst zu zerstören.“

Trotzdem der massiven Kritik sieht der Europameister von 1996 den fünfmaligen deutschen Meister im Vorteil. „Der Erstligist ist Favorit, der VfB hat sich zuletzt stabilisiert“, stellte der 51-Jährige fest.

Guido Buchwald, der 1990 Weltmeister war, bekräftigte allerdings, der VfB-Kader sei „einfach schlecht zusammengestellt“. Der 58-Jährige sagte der Zeitung „Hessische Niedersächsische Allgemeine“: „Man hat nur ganz junge Spieler, die noch nicht so weit sind, oder aber eben Ältere geholt, deren Leistungszenit überschritten ist.“ Zu denen zählt er den vom VfL Wolfsburg zurückgekehrten Daniel Didavi genauso wie Gonzalo Castro, der von Bayer Leverkusen kam. Buchwald erneuerte seine Kritik am ehemaligen Sportvorstand Michael Reschke. „Dem Team fehlt es an erfahrenen Führungsspielern, die Mitte 20 und topfit sind.“, sagte er. „Mehr Qualität als Union Berlin“, habe der Kader immerhin. Daher glaubt auch der 58-jährige Buchwald an den Klassenverbleib des VfB.

Verbesserte Stimmung

„Jetzt haben wir Spaß im Training, wir genießen unseren Job wieder“, sagte Offensivspieler Anastasios Donis der „Sport Bild“. Dem 22-Jährigen zufolge war das unter Weinzierl, der bis Ende April VfB-Coach war, noch anders. „Markus Weinzierl hat eher mit den erfahrenen Spielern und weniger mit den jungen Spielern gesprochen. Meiner Meinung nach war das ein Problem“, erläuterte der griechische Nationalspieler der „Sport Bild“ (Mittwoch). „Im Training haben wir uns nicht aufgebaut, die Stimmung war negativ.“ Für Weinzierl war an Ostern nach einem 0:6 beim FC Augsburg Schluss. Solch ein Fiasko darf sich der VfB in der Relegation nicht wieder erlauben.

Wo können die Fans die Spiele im Fernseher verfolgen?

Bereits im zweiten Jahr sind die Relegationsspiele zwischen dem 16. der Fußball-Bundesliga und dem Zweitliga-Dritten live nur im Bezahlfernsehen zu sehen. Anders als beim Großteil aller Liga-Partien überträgt nicht Sky, sondern Eurosport. Laut Tilman Günther, Pressesprecher von Eurosport-Inhaber Discovery, ist für die Gaststätten-Vermarktung jedoch weiter Sky zuständig. In „Sky“-Kneipen“ dürften so auch die über den Eurosport Player erfolgenden Übertragungen VfB Stuttgart gegen 1. FC Union Berlin zu sehen sein. Stichprobenartige Anfragen der „Pforzheimer Zeitung“sprechen auch dafür: In der Sportsbar „Palm Beach“ in Pforzheim, in der „Zentrale“ in Maulbronn und im „Würmle“ in Mühlacker können Fans jedenfalls mitfiebern. Wer sicher gehen will, sollte vor dem Gang in sein Stammlokal vorsichtshalber nach fragen. Wer zu Hause schauen will, aber noch nicht versorgt ist, kann bei Eurosport auf die Schnelle ein Test-Abo ordern: Für einen Monat werden dann 6,99 Euro fällig. Doch es geht auch anders: Kunden von Amazon Prima können den Player testweise kostenlos dazu buchen. Ansonsten bietet das ZDF Zusammenfassungenan, heute um 23.15 Uhr, am Montag um 23.35 Uhr. (rks)