nach oben
Noch bleibt teilweise verborgen, was die Zukunft für KTV-Trainer Alexei Grigoriev bringt. Foto: Gössele/PZ-Archiv
Noch bleibt teilweise verborgen, was die Zukunft für KTV-Trainer Alexei Grigoriev bringt. Foto: Gössele/PZ-Archiv
24.11.2013

Furioses Finale folgt auf Katastrophenstart - KTV schlägt Stuttgart

KTV Straubenhardt wird nach schwieriger Saison Dritter. Marcel Nguyens Fehler am Reck erleichtert den Ex-Kollegen den Sieg.

Spätestens als sich Thomas Taranu und Marcel Nguyen nach der Entscheidung am Reck unbeachtet von den meisten der 3200 Zuschauer in der Karlsruher Europahalle abklatschten, war klar: Dieses Turn-Finale war für die KTV Straubenhardt ein ganz und gar ungewöhnliches. Denn während Nguyens Stuttgarter seinen Straubenhardter Ex-Kollegen im spärlich beleuchteten Hallenteil zum 28:23-Erfolg im Kampf um Platz drei gratulierten, fand die große Sause am anderen Ende statt. Im Blitzlichtgewitter sprang dort gerade der neue deutsche Turn-Meister TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau im Kreis. Und auch die mit 30:38 unterlegene KTV Obere Lahn feierte am Samstag mit ihrem Star-Turner Fabian Hambüchen, Vizemeister-Shirts und Wunderkerzen ausgelassenmit ihren lautstarken Fans.

Fünf Jahre in Folge war es stets die KTV Straubenhardt gewesen, auf die bei drei zweiten und zwei ersten Plätzen die Kameras gerichtet waren. In diesem Jahr stand die Equipe von Trainer Alexei Grigoriev erstmals etwas abseits und kämpfte im kleinen Finale um einen versöhnlichen Abschluss einer schwierigen Saison. „Es hat heute schlecht angefangen, da hat man schon Sorgen gehabt. Aber danach hat die Mannschaft gekämpft“, analysierte Grigoriev, dessen Zukunft sich bis Dezember entscheidet (siehe Kasten). Da Stuttgart und Straubenhardt parallel zum großen Finale turnten, starteten sie mit dem Sprung statt dem Boden – und patzten gleich reihenweise: Oleg Stepko und Andreas Bretschneider landeten auf dem Hosenboden, Anton Wirt und Dimitri Walter kamen mit einem Fuß außerhalb des Zielkorridors zum Stehen. Schon stand es 0:8. Und obendrein konnte Walter mit dem Verdacht auf einen Bänderriss nur noch an Krücken durch die Halle humpeln.

Von 0:12 auf 13:12

Gar 0:12 stand es, nachdem Wirt nach seinem finalen Sprung vom Barren bei der Landung auf den Boden fassen musste. Für die Straubenhardter Fans war dies der Anlass, immer ruhiger zu werden. Für die KTV-Turner dagegen ein Grund, eine furiose Aufholjagd zu starten: Neuzugang Dmitry Stolyarov, der sich mit Stepko die Ausländerposition teilte, und Daniel Weinert verkürzten zunächst am Barren auf 4:12. Vier Reck-Übungen später hatte die KTV sogar die Führung übernommen – unter anderem, weil Vladimir Klimenko Nguyen fünf Scorepunkte abknöpfte. Zwar hätte der 27-Jährige trotz seiner soliden Übung (13,8Punkte) normalerweise keine Chance gegen den Ex-Straubenhardter gehabt. Aber der Olympia-Silbermedaillengewinner machte einen überraschenden Fehler: Bei einer Drehung verfehlte er mit einer Hand den Barren, verlor zu viel Schwung und musste absteigen. „Die ersten zwei Geräte haben wir schlecht geturnt“, stellte Grigoriev treffend fest. „Aber mit dem Reck wurde es besser, so haben wir dann auch unsere Zuschauer zurückgewonnen.“

Weinert bringt die Wende

Es war die erste Wende des Wettkampfes. Als der KTV-Coach nach der Siegerehrung sagte „Daniel Weinert hat heute unsere Krise umgedreht“, hatte er allerdings noch eine zweite Wende im Kopf. Denn nach dem Boden (2:4) und drei von vier Pauschenpferd-Übungen hatte Stuttgart das 12:13 in ein 20:15 verwandelt. Doch dann kam Weinert – und wie: Mit 14,0 Punkten turnte der 19-Jährige die beste Pauschenpferd-Übung des kleinen Finales, schnappte sich gegen den britischen Olympioniken Kristian Thomas drei Scorepunkte und hielt die KTV auf Schlagdistanz. „Das war eine richtig starke Leistung und richtig wichtig für uns. Denn sonst wäre es sehr schwer geworden“, lobte auch sein Turn-Kollege Taranu.

Der Nieferner selbst verlor zwar am letzten Gerät – den Ringen – trotz der zweitbesten Übung drei Scorepunkte, weil Nguyen mit der besten konterte. Weber, Stolyarov und Bretschneider gewannen ihre Duelle aber und machten die KTV zum kleinen Sieger – im Schatten von KTV Obere Lahn und TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau.