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Treffen der Frustrierten am Torpfosten: Torhüter Daniel Jilg (links) und Abwehrspieler Dubravko Kolinger nach dem dritten Gegentor in Balingen.  Eibner
Treffen der Frustrierten am Torpfosten: Torhüter Daniel Jilg (links) und Abwehrspieler Dubravko Kolinger nach dem dritten Gegentor in Balingen. Eibner
06.06.2011

Fußball-Oberliga: FC Nöttingen will Saisonfinale gewinnen

Zwei Tage hatten die Fußballer des FC Nöttingen trainingsfrei. Zwei Tage Zeit, über die bittere 1:4-Niederlage bei der TSG Balingen nachzudenken, die den FCN wahrscheinlich den Titel in der Fußball-Oberliga gekostet hat.

Heute Abend wird Michael Wittwer sein Team erstmals wieder zum Training bitten. So richtig verdaut hat der FCN-Trainer das Balinger Debakel nicht. „Eine solche Leistung bin ich einfach nicht gewohnt“, schüttelt er immer noch den Kopf, wenn er an die zweite Halbzeit des Spiels am Fuße der Schwäbischen Alb zurückdenkt. 1:1 hatte es zur Pause noch gestanden. Nur 1:1, wenn man bedenkt, wie viele gute Chancen die Nöttinger ausgelassen haben. Im zweiten Durchgang bekamen die Lila-Weißen dann kein Bein mehr auf den Boden und gingen mit 1:4 regelrecht unter.

„Wir haben unseren letzten Trumpf verspielt“, sagt der FCN-Coach. Aus dem Ein-Punkte-Vorsprung auf den SV Waldhof Mannheim wurde ein Zwei-Punkte-Rückstand. „Die Chance ist noch da, auch wenn sie nicht groß ist“, sagt Wittwer vor dem abschließenden Heimspiel gegen den Tabellendritten FC Villingen, das sein Team gewinnen muss, um die Minimalchance zu wahren.

Der Nöttinger Vorsitzende gibt sich etwas optimistischer: „Ich bin überzeugt, dass wir das noch schaffen können“, sagt Dirk Steidl. 34 Spieltage war seine Mannschaft in der Rolle des Gejagten, plötzlich ist sie der Jäger. „Waldhof hat auch lange und geduldig auf einen Ausrutscher von uns gewartet“, sagt Steidl. Und er weiß, dass im Fußball vieles möglich ist, erinnert an Erstligist Bayer Leverkusen, der einst als sicher geglaubter Meister am letzten Spieltag in Unterhaching den Titel verspielte.

Auf eine ähnliche Überraschung hofft der Nöttinger Vorsitzende, wenn am kommenden Samstag der FV Illertissen in Mannheim antritt. Und dann zählt er die Vorzüge des Tabellen-Siebten auf, der dem FCN Schützenhilfe leisten soll: Illertissen hat nach Waldhof die zweitbeste Abwehr der Liga. Das Team von der schwäbisch-bayerischen Grenze hat von 17 Auswärtsspielen nur vier verloren. Steidl bemüht sogar eine kirchliche Metapher: „So lange gesungen wird, ist die Messe noch nicht aus.“ Doch auch der Nöttinger Vereinschef weiß: „Waldhof hat alle Vorteile in der Hand. Die Mannheimer waren in der Rückrunde einfach konstanter. Das muss man anerkennen.“

Warum sein eigenes Team plötzlich so unkonstant wurde, kann er auch nicht so richtig erklären. „Zu viele Gegentore“, hat Steidl analysiert. Das sieht auch sein Trainer so. Gepatzt haben fast alle. In Balingen verursachte Torhüter Daniel Jilg den Elfmeter zum 0:1-Rückstand. Aber auch seine Vorderleute wackelten zuletzt, inklusive Abwehrchef Dubravko Kolinger, der zwar viele wichtige Tore erzielte, bei Gegentoren aber öfters das Nachsehen hatte. „Der Angriff gewinnt Spiele, die

Abwehr Meisterschaften“, zitiert Wittwer eine Fußballer-Weisheit. Beide Teile des Spruches bewahrheiteten sich in Balingen, wo es die Stürmer versäumten, vor der Halbzeit eine klare Führung herauszuschießen. „Wenn wir 3:1 führen, wird das nach der Pause ein ganz anderes Spiel“, trauert er der vertanen Chance nach.