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Packende Duelle bietet der Lokalfußball. Der DFB rät den Regionalverbänden, sich die Rechte bis zur Verbandsliga zu sichern. Der Badische Fußballverband verlangt aber auch für das Filmen in den unteren Ligen – etwa bei den A-Ligisten TSV Grunbach (weiße Trikots) und Ölbronn-Dürrn – Gegenleistungen. Foto: Becker/PZ-Archiv
Packende Duelle bietet der Lokalfußball. Der DFB rät den Regionalverbänden, sich die Rechte bis zur Verbandsliga zu sichern. Der Badische Fußballverband verlangt aber auch für das Filmen in den unteren Ligen – etwa bei den A-Ligisten TSV Grunbach (weiße Trikots) und Ölbronn-Dürrn – Gegenleistungen. Foto: Becker/PZ-Archiv
05.09.2016

Fußball-Videos im Badischen: Strenger als der DFB empfiehlt

Die Antwort des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur Video-Berichterstattung am Freitag kam spät, gut zwei Wochen nach der PZ-Anfrage – und sie überraschte: Der Dachverband des deutschen Fußballs empfiehlt seinen Landes- und Regionalverbänden, sich die Videorechte in den Ober- und Verbandsligen zu sichern. Von den darunter liegenden Ligen ist dagegen keine Rede. Warum aber geht der Badische Fußballverband (BFV) darüber hinaus – bis zur C-Klasse? Wie berichtet, dürfen Medien in den unteren badischen Ligen nur filmen, wenn sie dem Verband das Material kostenlos zur Verfügung stellen.

Ein Ziel sei der „Schutz der Persönlichkeitsrechte der am Spiel beteiligten Teams und Schiedsrichter“, erklärt BFV-Pressesprecherin Annette Kaul. Man wolle wissen, was wo aufgenommen wird, „um reagieren zu können, wenn kritische Szenen“ – etwa Pyrotechnik, Gewalt und Beleidigungen – veröffentlicht werden. Zudem „sollen die Vereine profitieren, indem sie selbst das Material erhalten und wir als Verband eine Sammlung aller gefilmten Spiele im Verbandsgebiet zur Verfügung stellen“. Da der BFV sich an eine Sperrfrist halten würde, entstünde den filmenden Unternehmen kein Nachteil.

Verbände widersprechen sich

„Wir bleiben dabei: Die Haltung des BFV schadet den Vereinen und schränkt die Pressefreiheit ein. Umso mehr freut es uns, dass der DFB mit seiner Empfehlung unsere Position stärkt“, erwidert PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht. Die Folge der BFV-Regel zeigte sich in der vergangenen Saison: Seit PZ-news wegen der neuen Auflagen nicht mehr in den unteren Ligen filmt, gibt es fast gar keine Videos von den Kreisklassen-Spielen der Region mehr – und somit auch kein Material, das die Vereine sichten könnten.

BFV-Sprecherin Kaul betont, dass der DFB drei unterschiedliche Ansätze für möglich und sinnvoll befunden habe – unter anderem den aus Baden. Zwar schreibt auch der DFB von „verschiedenen Modellen zu Handhabung der Bewegtbild-Berichterstattung“, die die Expertenkommission erarbeitet habe. Doch weiter heißt es: „Die Arbeitsgruppe empfiehlt, dass die jeweils zuständigen Regional- oder Landesverbände die Rechte an Spielaufnahmen für ihre Wettbewerbe in den 5. und 6. Spielklassen der Herren und der 3. Spielklasse der Frauen sichern.“

Wie genau dies geschieht, sollten die Verbände selbst entscheiden. Ohnehin sind die Empfehlungen „nicht verbindlich“, betont der DFB, „sondern lediglich als Möglichkeiten zur Orientierung in diesem komplexen Thema zu verstehen.“ Und auch die finale Entscheidung, in welchen Ligen kostenfrei gefilmt (und auch über Dienste wie Periscope oder Facebook Live gestreamt) werden darf, liege bei den vor Ort zuständigen Verbänden. „Aktuell konzentriert sich die Diskussion auf die höchsten Spielklassen der Landesverbände (5. und 6. Liga)“, so der DFB in seiner Stellungnahme – ungeachtet der Tatsache, dass im Badischen auch über die Ligen sieben bis elf diskutiert wird. Mit dem Fokus auf die fünfte und sechste Liga weiß sich der DFB im Einklang mit der aktuellen Rechtssprechung. Denn um die Klassen bis zur sechsthöchsten Spielklasse hatten mehrere Verlage mit dem Bayerischen Fußballverband vor dem Landgericht München gestritten. In Bayern werden Kamerateams in diesen Ligen nur zugelassen, wenn sie Lizenzgebühren an den Landesverband bezahlen oder ihr Material kostenlos der Verbandsplattform zur Verfügung stellen. Im Juli hatte das Gericht die Klage der Verlage dagegen abgewiesen. Diese wollen nun in Berufung gehen.

Auch Hörfunk betroffen

Unbeantwortet lässt der DFB die Frage, ob er einheitliche Regeln für ganz Deutschland anstrebt. Dagegen betont er im Schreiben an die PZ, dass die Berichterstattung durch Texte und Fotos weiterhin kostenlos möglich sein soll. Eine „andere Sachlage“ sieht er dagegen nicht nur bei den Bewegtbildern, sondern auch Audioaufnahmen. Auch die Rechte daran hat sich der BFV bereits in seiner Spielordnung gesichert – bis hin zur C-Klasse.

Mehr darüber lesen Sie am Dienstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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