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Gut gespielt, aber noch nicht wirklich überragend: Gegen die Niederlande setzt Bundestrainer Joachim Löw auf das Steigerungspotenzial seiner Mannschaft. Der 1:0-Sieg gegen Portugal war nämlich etwas mühsam, und die Portugiesen waren mehrmals nahe daran, ein Tor zu schießen. © dpa
10.06.2012

Gegen Niederlande setzt Löw auf Steigerungspotenzial

Joachim Löw hat alles richtig gemacht zum Start in seine Meisterprüfung. Sein neuer, überraschend berufener Abwehrchef Mats Hummels durfte sich als stärkster Mann des EM-Auftakts feiern lassen. Der auf Bewährung spielende Jérome Boateng legte Portugals Star Cristiano Ronaldo weitgehend an die Kette. Und Knipser Mario Gomez, den der Bundestrainer im ukrainischen Lwiw statt Miroslav Klose in die Angriffsspitze beorderte hatte, machte das, was er am besten kann.

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«Das spricht für seine Qualität: Eine Chance - ein Tor!», lobte Löw seinen Matchwinner. Ansonsten aber war von Gomez nicht unbedingt viel zu sehen.

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Natürlich wusste der Chef der deutschen Spaß-Fußballer um Mesut Özil, der etwas überraschend zum «Mann des Spiels» gewählt wurde, den 1:0-Auftaktsieg genau einzuordnen. Wie beim Formel-1-Start war sich Löw vorgekommen gegen starke und disziplinierte Portugiesen, «nur ohne Warm-up-Runde». Seine Spieler mussten vor 32.990 Fans, die klare Mehrzahl aus Deutschland, «sofort in die Vollen» gehen, betonte der Trainer der Fußball-Nationalmannschaft. «Es gibt keine Mannschaft wie bei der WM, wo man sich ein bisschen einspielen kann. Daher ist es wichtig, dass man der Musik nicht hinterherläuft», sagte Löw.

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Das tun nach dem ersten Spieltag nun erst einmal die Gruppenkontrahenten Portugal und Holland, die beiden Verlierer der ersten Runde. «Die Niederländer stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand, sie müssen ein Alles-oder-nichts-Spiel machen», blickte Löw schon auf die nächste Aufgabe am kommenden Mittwoch in Charkow. Eine weitere Niederlage würde den hochgelobten WM-Zweiten Niederlande schon so gut wie aus dem Wettbewerb spülen, bevor er richtig begonnen hat. «Das macht die Partie nochmal ein Stück brisanter», meinte Löw.

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Einige Baustellen konnte der DFB-Chefcoach trotz sichtbarer Anfangsprobleme schon gegen Ronaldo und Co. schließen. Die Abwehr um die Innendecker Hummels und Badstuber steht erst einmal. Bastian Schweinsteiger hat sich wieder reingebissen in seine Chefrolle, auch wenn noch kein Glanz zu sehen war. «Das Spiel war von der Taktik geprägt, beide haben gut verteidigt», kommentierte Löw.

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Sehr stark war auch Sami Khedira, der im deutschen Mittelfeld umsichtig, ballsicher und zweikampfstark die Akzente setzte. So war es seine Flanke, die Gomez zum Kopfballtor verwertete. Philipp Lahm, sonst ein verlässlicher Mann für besondere Akzent und ein hohes Maß an Sicherheit, hatte dagegen keinen guten Tag. Weil er auf der falschen Seite spielte? Da wird sich Löw vielleicht doch noch etwas einfallen lassen müssen.

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Schon auf dem Rückflug in der Nacht zum Sonntag ins Stammquartier nach Danzig dürfte der Freiburger darüber nachgedacht haben, wie auch die hoch veranlagte Offensivabteilung wieder zum höchsten Niveau der vergangenen Monate zurückfindet. «Wir wissen, dass wir uns noch steigern müssen, das werden wir tun», verkündete Özil selbstbewusst. Löw stellte ohne Schnörkel fest: «Das Turnier hat jetzt begonnen.» dpa

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Die Einzelkritik

Neuer: Schmerzhafter EM-Beginn nach Tritt von Postiga (13.). Im Glück bei den Lattentreffern von Pepe (45.) und Nani (84.). Hielt den Sieg am Ende mit Glanztaten gegen Ronaldo (82.) und Varela (88.) fest.

Boateng: Löw stellte den Münchner gegen Ronaldo. Kam bisweilen in Not, aber glänzte auch mit Super-Rettungsaktion (64.). Gewann das Duell insgesamt. Ging zudem mit vor, gute Flanke auf Gomez (2.).

Hummels: Löw setzte überraschend auf den Dortmunder Double-Gewinner statt Mertesacker. Zurecht! Starkes Stellungsspiel, zweikampfstark, mit guter Flachpass-Spieleröffnung. Turm in der deutschen Abwehr.

Badstuber: Gewohnt abgeklärt im Abwehrzentrum. Gute Abstimmung mit Nebenmann Hummels. Beim Foul an Nani stimmte das Timing nicht (40.).

Lahm: Der Kapitän tat sich ungewohnt schwer. Nani entwischte ihm immer wieder. Konnte auch nach vorne keine großen Akzente setzen.

Khedira: Die Instanz im deutschen Mittelfeld. Umsichtig, ballsicher, zweikampfstark. Trieb das Spiel an, seine Flanke verwertete Gomez zum Kopfballtor. Hatte selbst eine Kopfballchance (47.). Sehr stark.

Schweinsteiger: Der Chef muss sich ins Turnier reinquälen. Stand im Schatten von Khedira, dennoch wichtig. Schloss Lücken, gab Kommandos.

Müller: Hatte einen schweren Stand gegen Coentrão. Wenig Raum, kaum am Ball. Ein Schuss vorbei (40.). Hat noch viel Luft nach oben.

Özil: Entzog sich mit großem Laufpensum seinem Schatten Veloso, wich auch auf die Flügel aus. Fand die Lücke zum tödlichen Pass nicht.

Podolski: Im 98. Länderspiel ohne Schussglück. Jagte den Ball aus zwölf Metern in den Himmel (31.), wurde einmal abgeblockt (46.).

Gomez: Geburtstagskind Klose stand zum Wechsel bereit, da schlug er per Kopf zu (72.). Erstes Turniertor überhaupt! Hatte schon am Anfang eine Kopfballchance (2.). Lange nicht zu sehen - am Ende Matchwinner.

Klose: Kam an seinem 34. Geburtstag nach 80 Minuten für Matchwinner Gomez. Haute sich rein, sorgte mit Dribblings für Entlastung.

Kroos: Kam die letzten Minuten für Özil. Sollte den Sieg mit sichern.

Bender: Kam in der Nachspielzeit für die letzten Sekunden. dpa

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