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Lee Murray (am Ball) vom deutschen Rugbymeister TV Pforzheim sucht die Lücke in der schwer zu knackenden Abwehrreihe des TSV Handschuhsheim. Am Ende siegten sich die Pforzheimer mit 25:10 in die 2. Runde des DRV-Pokals. © Jürgen Keller
06.11.2016

Gehemmter Rugbymeister TV Pforzheim übersteht gegen TSVH erste Runde im DRV-Pokal

Etwas Regen und etwas Pokalspiel-Atmosphäre – so richtig berauschendes, faszinierendes Rugby, wie man es vom deutschen Meister TV Pforzheim in dieser Saison schon oft sehen durfte, gab es in der ersten Runde des DRV-Pokals nicht. Zu gehemmt und müde wirkten die Pforzheimer Rhinos, während der unermüdlich kämpfende, mit viel Selbstbewusstsein auftrumpfende TSV Handschuhsheim die Spannung bis zum Schluss hoch hielt. Am Ende konnte der mit vielen Spielern aus der 2. Mannschaft gespickte TVP das Pokalmatch mit 25:10 gewinnen.

Vor zwei Monaten in der Bundesliga-Hinrunde hatten die Rhinos die Handschuhsheimer noch mit 72:13 überrannt, doch damals kam der TSV stark ersatzgeschwächt ins SüdwestEnergie-Stadion in Pforzheim-Eutingen. Dieses Mal präsentierte sich den Zuschauern ein deutlich stärkerer TSV, der höchst engagiert und motiviert zu Werke ging, mit größter Hartnäckigkeit den Zweikampf suchte und sich mit einer erstaunlichen Portion Widerspenstigkeit allen Angriffsbemühungen des TVP entgegenstellte. Damit schienen die Pforzheimer an diesem Samstagnachmittag nicht klar zu kommen.

Untypisch lange für ein Pforzheimer Rugbymatch dauerte es, bis die ersten Punkte auf der Anzeigentafel erschienen – und die gehörten nach 21 Minuten den Handschuhsheimer, die mit einem Straftritt 3:0 in Führung gingen. Fünf Minuten später gelang es dem TVP endlich einmal, das Spiel mit der Hintermannschaft schnell zu öffnen und die an diesem Tag eher unterbeschäftigten pfeilschnellen Sprinter auf den Außenpositionen einzusetzen. Simbabwe-Nationalspieler Tafadzwa Chitokwindo tauchte zum ersten Versuch ein, Carlos Soteras-Merz verpasste den Erhöhungskick und mit der unerwartet knappen 5:3-Führung ging es in die Halbzeit.

Kurz zuvor noch wurde das TVP-Team reduziert. Eine Gelbe Karte (zehnminütige Spielsperre) wegen Meckerns erhielt Nationalspieler Soteras-Merz und ein kurzzeitig bewusstlos gewordener Manasah Sita musste nach langer Behandlungspause vom Platz begleitet werden. Einziger Lichtblick bis dahin: Erstmals dominierten die Pforzheimer die Einwürfe in die Gasse, was in der Saison so noch nicht zu sehen war.

Auch in der zweiten Halbzeit ließ der TSV nicht locker und beschäftige die Pforzheimer erfolgreich in deren eigener Spielhälfte. Einen Versuch von Lee Murray (Erhöhung Oliver Paine), der im Paket ins Handschuhsheimer Malfeld geschoben wurde, konterte der TSV kurz darauf ebenfalls mit einem erhöhten Versuch zum Stand von 12:10 für die Pforzheimer. Da begannen manche Pforzheimer Fans schon ein bisschen nervös zu werden, denn weder schienen die Handschuhsheimer nachzulassen, noch hatte es den Eindruck, als könnte der TVP noch etwas mehr aufs Gaspedal treten.

Dann kam Soteras-Merz zurück ins Spiel und machte seine Gelbe Karte wieder gut, indem er innerhalb von vier Minuten zwei Strafkicks zur 18:10-Führung verwandelte. Ein später Versuch von Kraftpaket Arthur Zeiler (Erhöhung Soteras-Merz), der nach einer Gasse kurz vor dem TSV-Malfeld im dichten Getümmel den Ball über die Linie bugsieren konnte, besiegelte dann den wenig glanzvollen, am Ende aber nicht unverdienten 25:10-Sieg der Pforzheimer.

„Da muss ich noch ein bisschen herumbasteln über die Winterpause“, meinte ein nicht ganz zufriedener TVP-Coach John Willis. Schließlich will er nach der mehrmonatigen Winterpause – die Bundesliga-Rückrunde startet am 8. April – wieder sein Team an den Leistungen anknüpfen lassen, die den Meister mit sieben Siegen mit Bonuspunkten in sieben Spielen auf Platz eins der Rugby-Bundesliga Süd/West katapultiert haben. Die restlichen Runden des DRV-Pokals werden jedoch schon im März 2017 ausgetragen. Am 18./19. März muss der TVP zum RK 03 Berlin, Tabellenführer der Bundesliga Nord/Ost – und das wird gleich ein dicker Brocken, den die Pforzheimer nur in Bestform besiegen können.

TVP-Versuche: Tafadzwa Chitokwindo, Lee Murray, Arthur Zeiler
TVP-Erhöhungen: Carlos Soteras-Merz (1 von 2), Oliver Paine (1 von 1)
TVP-Straftritte: Carlos Soteras-Merz (2 von 2)

DRV-Pokal Runde 1

RG Heidelberg

100:0

TSV Victoria Linden

SC Neuenheim

34:5

RC Leipzig

FC St. Pauli

3:40

Hannover 78

RK Heusenstamm

50:0

RC Luxemburg

RK 03 Berlin

45:10

Hamburger RC

SC Germania List

21:25

SC Frankfurt 1880

TV Pforzheim

25:20

TSV Handschuhsheim

Berliner Rugby Club

9:45

Heidelberger RK

 

DRV-Pokal Runde 2 - 18./19. März 2017

Heidelberger RK

-

SC Neuenheim

Hannover 78

-

RG Heidelberg

RK Heusenstamm

-

SC Frankfurt 1880

RK 03 Berlin

-

TV Pforzheim