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Die Unzufriedenheit der Mitglieder bekamen die VfB-Funktionäre um den Aufsichtsratsboss Jochen Schmidt zu spüren. Foto: Baumann
Die Unzufriedenheit der Mitglieder bekamen die VfB-Funktionäre um den Aufsichtsratsboss Jochen Schmidt zu spüren. Foto: Baumann
12.10.2015

Geplante Ausgliederung der Profis vom VfB Stuttgart wird schwieri für Vereinsführung

Der Bühnenaufbau bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart entbehrte nicht einer gewissen Symbolik. 30, 35 Meter lagen in der Porsche Arena zwischen den Sitzplätzen der hohen Herren des Vereins auf der einen weiß-roten Bühnenseite und dem Rednerpult. Dort sollten die wissbegierigen Mitglieder ihre Fragen an die Vorstände und Aufsichtsräte stellen. „Man könnte grad meinen, ihr habt Angst vor uns“, bruddelte VfB-Mitglied Reinhold Weiß. Drei Stunden später – nach versagter Entlastung der VfB-Oberen – war klar: So ganz verkehrt mit der Sitzplatzwahl lagen sie da nicht.

Die Club-Bosse und die Fanbasis haben sich entfremdet. Mit Erklärungen und Wegen aus der Krise tun sich jedoch beide Seiten schwer.„Wir sind gerade in einer Umbruchphase. Schenken Sie den Menschen, die diese Phase gestalten Ihr Vertrauen“, flehte Aufsichtsratsboss Jochen Schmidt geradezu, bevor ihm die Entlastung verweigert wurde und er ein Pfeifkonzert über sich ergehen lassen musste.

Die fast fünfstündige Mitgliederversammlung am Sonntag war das Vorprogramm zum abendlichen Konzert der britischen Band Take That an selber Stelle. Das Motto der 1500 VfB-Mitglieder bei den Wahlen diente als Brückenschlag: Take That, Vorstand – zu deutsch: Nimm das, Aufsichtsrat.

Die deutliche Verweigerung der Entlastung der Gremien zeigt, dass es den Mitgliedern an Vertrauen fehlt. Dabei wollen Vorstand und Aufsichtsrat den VfB wettbewerbsfähiger machen, indem die Profiabteilung zu einer Aktiengesellschaft wird. Rainer Mutschler als Projektmanager soll die Ausgliederung vorantreiben und vor allem Fan-Ängste zerstreuen. VfB-Mitglied Fred Steininger, früher Präsident des VfR Heilbronn, verlangt als Redner bei der Mitgliederversammlung Transparenz bei den Verträgen mit künftigen VfB-AG-Anteilseignern.

Das Für und Wider der angestrebten Ausgliederung treibt die Mitglieder um. Die zu erwartenden Einnahmen von 70 bis 80 Millionen Euro seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der für zwei, drei gute Spieler reiche, aber auch keine dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit garantiere, sagen die einen. Damit ließe sich aber auch mal ein Spieler der Marke Joshua Kimmich halten, meinen die anderen. VfB-Mitglieder. Fans und Vereinsobere wollen näher zusammenrücken. Das müssen sie auch. Bei elf regionalen Versammlungen will Präsident Bernd Wahler 2016 vor Ort Werbung machen, die Mitglieder mitnehmen. „Es wird keine leichte Übung, es allen recht zu machen“, ahnt Mutschler. In Arbeitsgruppen soll ein gemeinsamer Weg in Sachen Ausgliederung gefunden werden. Es gibt die Möglichkeit, sich online einzubringen. „Nicht maulen, sondern machen“, sagt Mutschler.