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Mit seinem Tor zum späten 2:1 des VfB wurde Nicolas Gonzalez zum Mann des Tages.  Foto: Eibner 

Glücklicher Goldjunge González: Argentinier sichert dem VfB Stuttgart drei Punkte

Stuttgart. Speedy Gonzalez ist eine kleine, schnelle Maus aus einer Zeichentrick-Serie, die seit 1953 Alt und Jung erfreut. Nicolás González ist ein argentinischer Fußballer in Diensten des VfB Stuttgart, der mit der Maus nur die Schnelligkeit gemein hat. Denn klein ist der 22-jährige Profi mit 1,80 Meter Körpergröße und seinem Torinstinkt weder im wörtlichen noch im übertragenen Sinne. Der Südamerikaner hat derzeit nicht nur ein goldenes Händchen, sondern auch zwei goldene Beine.

Beim glücklichen 2:1 (0:1)-Erfolg seines schwäbischen Arbeitgebers in der 2. Bundesliga gegen den FC St. Pauli, hätte der Mann, der soeben mit einer Goldmedaille im Team der argentischen Nationalelf von den Panamerikanischen Spielen zurückkehrte, stattdessen auch zum tragischen Helden werden können. Beim Stande von 1:1 drehte er sich in der 70. Minute im Strafraum freistehend zweimal um die eigene Achse und traf nicht das Tor und nur mühsam, nach einem Luftloch, irgendwie wenigstens den Ball. Zehn Minuten später versemmelte Nicolás González am Samstag eine weitere hochkarätige Chance wenige Meter vor dem Tor.

Dramatisches Ende

Doch in der 90. Minute – ehe fünf dramatische Minuten Nachspielzeit folgten – schlug die Stunde des Goldmedaillengewinners: Bei einem Pass von Borna Sosa stand er goldrichtig, um dem VfB noch den Siegtreffer zu bescheren. Sein Trainer Tim Walter war von diesem Ereignis so angetan, dass er singend mit einem „Schalalala“ an den Journalisten vorbei zur Pressekonferenz eilte. Dort lobte er den drei Tage zuvor aus Südamerika heimgekehrten González in den höchsten Tönen: „Er ist ein glücklicher Mensch, hat Freude am Spiel, ist euphorisch und froh, wieder bei uns zu sein. Es ist gut, so einen Mann einwechseln zu können.“ Walter hatte mit Nicolás González‘ Einwechslung in der 51. Minute für Mario Gomez ein ebenso goldenes Händchen wie der goldgekrönte González.

Seine Mannschaftskameraden Gonzalo Castro und der ausgewechselte Kapitän Marc-Oliver Kempf hoben den Argentinier nicht minder in den (Fußball)-Himmel. „Der bewegt viel und reißt die Abwehr auseinander“, urteilte Castro. Und Kempf befand: „Der lässt sich auch von Fehlern nicht unterkriegen.“

Castro und Kempf harmonieren

Dabei haben beide Akteure mindestens ebenso hohe Anerkennung verdient wie González. Gemeinsam leiteten sie die Wende mit dem Ausgleichstreffer nach genau einer Stunde ein: Ecke Castro, Schuss Kempf. „Wir haben diese Standardsituation zwar nicht eingeübt, aber uns durch Blickkontakt kurz verständigt“, plauderte Kempf aus dem Nähkästchen.

Damit drehten sie eine Partie, die der Kiez-Club aus Hamburg zumindest von der 15. bis zur 45. Minute beherrschte. Der 22-fache norwegische Nationalspieler Mats Möller Daehli nützte eine Unkonzentriertheit in der Stuttgarter Abwehr (18. min.), um St. Pauli in Führung zu schießen. Wenige Minuten später verfehlte er erneut knapp das Ziel.

„Wir hätten fünf, sechs, sieben oder acht Tore schießen können“, ärgerte sich St. Paulis Coach Jos Luhukay, der in der Saison 2016/2017 in den ersten fünf Spielen von der der VfB-Trainerbank aus dirigierte. Für ihn steht fest: „An Stuttgart führt kein Weg vorbei und es ist klar, dass dieser Verein aufsteigen wird.“

Diese Vorschusslorbeeren wollte sein Kollege Walter nicht ernten und zeigte auf, woran es beim VfB klemmt: „In der ersten Halbzeit waren die Abstände zu groß, wir hatten eine schlechte Positionierung und zu wenig Tempo. Das wurde dann besser.“