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Sportlich wie auch menschlich ein Glücksfall für den KSV Ispringen: Konstantin Schneider (rechts), hier bei einem Kampf gegen Ilian Georgiev von der SVG Weingarten.  PZ-Archiv, Gössele, privat
Sportlich wie auch menschlich ein Glücksfall für den KSV Ispringen: Konstantin Schneider (rechts), hier bei einem Kampf gegen Ilian Georgiev von der SVG Weingarten. PZ-Archiv, Gössele, privat
Mit Trainingsanzug am Roulette-Tisch: Konstantin Schneider kurz vor seiner ersten Olympia-Teilnahme 2004 in Athen.
Mit Trainingsanzug am Roulette-Tisch: Konstantin Schneider kurz vor seiner ersten Olympia-Teilnahme 2004 in Athen.
12.01.2016

Glücksbringer in jeder Lage: KSV-Ringer Schneider bringt Leistungssport und Beruf unter einen Hut

Den Satz „nichts geht mehr!“ hat Konstantin Schneider in seinem Leben schon oft gehört. Und zwar nicht nur vom Ringer-Publikum, wenn er gerade mal in Bodenlage auf der Matte die Angriffe seiner Gegner abwehren muss.

Auch beruflich nimmt der 40-Jährige diese Worte tagtäglich selber in den Mund. Denn der Neuzugang des KSV Ispringen ist nicht nur einer der erfolgreichsten deutschen Ringer überhaupt, sondern seit fast 15 Jahren auch Croupier am Roulette-Tisch in der Spielbank Saarbrücken. Hier dirigiert er die kleine, weiße Kugel, gebietet über Zahlen und hat die Gewinnsummen stets im Blick – ein Glücksbringer in jeder Lage.

Perfekte Symbiose

Per Zufall über den damaligen Spielbank-Geschäftsführer Gerd Meyer, bis 2014 Leiter des Landesportverbandes Saarland, kam Schneider im Jahr 2002 nach Saarbrücken und hat hier für sich eine perfekte Symbiose geschaffen. Nach wie vor trainiert der zweifache Olympiateilnehmer am Stützpunkt Saarbrücken und schafft es mit eiserner Disziplin, Sport und Beruf unter einen Hut zu bringen. „Mein Schichtdienst am Roulette-Tisch ist zwar stressig und es hat gedauert, den Rhythmus zu finden. Inzwischen klappt alles aber ganz gut“, sagt der 40-Jährige.

Rund um das Spielcasino ist Schneider nicht nur bekannt wie ein bunter Hund, sondern auch Werbeträger für seinen Arbeitgeber. „Ich werde oft von Gästen auf meine Sportlerlaufbahn angesprochen, obwohl ich nach den Olympischen Spielen 2004 und 2008 nicht mehr so im Rampenlicht stehe“, erzählt Schneider, der ab und zu noch Autogrammkarten verteilt. Bei seinen Acht-Stunden-Schichten als Croupier sei vor allem Konzentration und schnelles Rechnen wichtig. „Außerdem muss man höllisch aufpassen, dass keine Chips vom Tisch verschwinden. Schließlich geht es ums Geld“, betont er und lächelt. An die spezielle Atmosphäre in der Spielbank hat sich der Ringer längst gewöhnt und schätzt den Umgang mit den Gästen. „Je mehr die Leute gewinnen, desto mehr Trinkgeld gibt es. So gesehen, bin ich gerne der Glücksbringer“, versichert er.

Mister Zuverlässig

Das ist Konstantin „Kosta“ Schneider mittlerweile auch ein bisschen für die Ispringer Ringer. In der 86-Kilo-Klasse überzeugt der Griechisch-Römisch-Spezialist nicht unbedingt durch spektakuläre Siege, sondern vielmehr durch seine Zuverlässigkeit. „Wenn ich mal einen Kampf verliere, dann meistens mit minimaler Wertung. Und das hilft der Mannschaft“, sagt Schneider, der mit seinen rund 80 Kilo Körpergewicht eigentlich in der 75er-Klasse zu Hause ist, sich aber in den Dienst der Mannschaft stellt. „Gegen schwerere Gegner ist es besonders in der Bodenlage schwierig. Im Stand kann ich mithalten“, sagt der Leistungssportler, der sich vor allem als „Teamplayer“ versteht.

Auch darum hat ihn KSV-Trainer Bernd Reichenbach vor der Runde zum Bundesliga-Aufsteiger geholt. „Er bringt immer seine Leistung, ist enorm wichtig für den Zusammenhalt und auch menschlich ein klasse Typ“, lobt der Ispringer Coach.

Ähnlich sieht das Alen Kovacevic, der Sportliche Leiter beim KSV: „Trotz seiner vielen Erfolge ist Konstantin auf dem Teppich geblieben und deshalb ein Vorbild für andere.“ Sein Ausnahmetalent bewies der gebürtige Kirgise, der als Jugendlicher nach Deutschland übersiedelte, zuletzt bei den deutschen Meisterschaften 2015. In der Gewichtsklasse bis 80 Kilogramm holte Schneider mit einer Superleistung den Titel und besiegte im Finale mit Adam Juretzko (SVG Weingarten) einen guten, alten Bekannten, der sogar noch ein paar Jährchen älter ist. Die wesentlich jüngere Konkurrenz hatte das Nachsehen.

In die Fußstapfen des Papas

Für Ringer-Nachwuchs hat Kon-stantin Schneider auch schon selber gesorgt. Die Söhne Leon (13) und Mark (7) schicken sich an, in die Fußstapfen des Papas zu treten. Und der schaut ihnen öfter mal im Training beim Heimatverein KSV Sankt Ingbert auf die Finger. „Ich versuche, die beiden zu fordern“, bekennt Schneider, „damit sie nicht zu viel Zeit vor dem Fernseher oder mit dem Handy verbringen.“

„Konstantin ist kein Bolzer“

Doch an die Erfolge des Vaters anzuknüpfen, ist für seine Zöglinge wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Denn neben zahlreichen deutschen Meistertiteln gewann der Papa auch Silber und Bronze bei Weltmeisterschaften. „Konstantin ist kein Bolzer, sondern ein feiner Techniker“, weiß Trainer Bernd Reichenbach, der sich gerne den Rat des erfahrenen Mattenfuchses einholt – wie etwa vor dem zweiten Halbfinalkampf um die deutsche Meisterschaft am Samstag in Nendingen. Der dürfte nach der Hinkampf-Pleite (6:20) für die Ispringer Ringer ohnehin wie ein kleines Roulette-Spiel sein, bei dem auch sehr viel Glück gefragt ist. Und damit kennt sich Kon-stantin Schneider ja bestens aus.